Cartier und Hermés waren die ersten Schrittmacher jenes Trends, den Nicolas G. Hayek vor mehr als zehn Jahren zielgerichtet in der Uhrenbranche umzusetzen begann: Den Verkauf über eigene Boutiquen. Omega machte schweizweit an der Bahnhofstrasse in Zürich den Anfang; seit dem Jahr 2000 haben sich mittlerweile verschiedenste weitere prominente Marken wie Breguet, Blancpain, Chopard, Piaget und IWC mit eigenen Monobrand-Stores an der noblen Zürcher Uhrenmeile positioniert; dies teil auf eigene Rechnung, teils aber auch in enger Zusammenarbeit mit ortansässigen Fachhändlern.

Sie alle profitieren im Selbstvertrieb davon, dass der grösste Teil der Marge – je nach Marke zwischen 30 und 50 Prozent – in der eigenen Kasse bleibt. Dazu kommt die im Konkurrenzumfeld nicht unwichtige Positionierung und Sichtbarmachung der Marke.

Prominenteste Ausnahme war bisher Rolex, die global bekannteste Schweizer Uhrenmarke. Diese setzte, mit Ausnahme der Marken-Boutique in Genf, konsequent auf den Detailhandel und damit ein Vertriebskonzept, das sich in den letzten fünf Jahren zu überleben begann. Swatch und Richemont zeigten Rolex weltweit mit ihren Vorzeigeläden, wie ein moderner Markenauftritt heute auszusehen hat. Nicht zuletzt kam die Konkurrenz dem Leader Rolex auch sukzessive bei den Absatzzahlen näher.

Mit 170 Quadratmeter relativ gross

Der Entscheid, an der Bahnhofstrasse 17 und damit in unmittelbarer Nähe des Paradeplatzes in Zürich nun die bisherige Vertriebsstruktur mit einem Zusatzelement zu ergänzen, ist für Rolex sowohl intern wie extern ein Riesenschritt. Kommentiert werden die Hintergründe, vor allem auch die Beweggründe für die Ergänzung der Distributionsstrategie, allerdings – wie alle Aktivitäten von Rolex – nicht.

Betrieben wird der Monobrand-Laden von Bucherer. Was der Logik entspricht. Die Luzerner Gruppe war mit ihren 15 Verkaufsgeschäften in der Schweiz schon bisher der mit Abstand wichtigste Verkäufer der Nobelmarke und daher prädestiniert, die Umsetzung des neuen Distributionskanals von Rolex zu übernehmen. Präsentiert werden die Uhren von Rolex ab Herbst auf einer Fläche von 170 Quadratmetern. Im Vergleich mit der Konkurrenz ist dies eine respektable Grösse. Wann genau die Rolex-Boutique eröffnet wird, steht noch nicht fest und ist abhängig davon, wie schnell das bisherige Ladengeschäft umgebaut werden kann.

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Guido Zumbühl, Chief Executive Officer von Bucherer, spricht von einem weiteren Meilenstein in der Zusammenarbeit und in der Geschichte der beiden Schweizer Traditionsunternehmen. Die Zusammenarbeit auf der Achse Luzern-Genf habe bereits in den 1920er-Jahren begonnen. Zumbühl: «Rolex ist bis heute einer der wichtigsten Eckpfeiler der Tätigkeiten von Bucherer.»

Parallel läuft die Planung für Paris

Bucherer hegt mit Rolex nicht nur Pläne in der Schweiz. Für die Luzerner ist die erste Rolex-Boutique ausserhalb Genfs die aktuell zweite Grossbaustelle.

In Paris ist der Schweizer Leader im Uhren- und Schmuckverkauf involviert in die Realisation des grössten Uhrengeschäfts der Welt. Dieses soll ab 2013 auf rund 2400 Quadratmetern vor allem das Geschäft mit den Touristen aus Asien ankurbeln. Im Moment läuft die Planung des Umbaus auf Hochtouren. Präsent sein werden um die 30 Marken – darunter auch Rolex.