Die Ruag will den Verkauf der Dornier 228 New Generation (NG) ankurbeln und hat das Flugzeug dafür auf eine Tournee geschickt. Gute Chancen sieht der Schweizer Rüstungskonzern im Wüstenstaat Oman, wo der zweimotorige Flieger in dieser Woche vorgeführt wurde. Das dünn besiedelte Land ist fast so gross wie Deutschland – und böte für die Do 228 zahlreiche Einsatzmöglichkeiten.

Kein anderes Flugzeug sei besser für Überwachungsflüge geeignet, sagte Ruag-Aviation-Chef Philippe Erni an der Präsentation. «Die Dornier 228 wäre die effizienteste Lösung zur Sicherung der Grenzen des Sultanats.» Und nicht nur das. Weitere Möglichkeiten für den «vielseitigsten, am modernsten ausgerüsteten Hochdecker seiner Klasse» bestehen nach Ansicht der Ruag etwa im Tourismus oder bei der Ausbildung von Piloten.

Kritik nach Übernahme

Die Promotour in Indien, Oman und Zypern zeigt, dass die Ruag weitere Verkaufsabschlüsse für die Do 228 dringend nötig hat. Die Verkäufe des Fliegers sind bisher unter den Erwartungen geblieben. Trotz eines Grossauftrags aus Venezuela bleibt die Bilanz des Mehrzweckfliegers seit dem Neustart 2009 durchzogen. Gerade mal zehn Flugzeuge konnte die Ruag seither nach eigenen Angaben fix verkaufen.

Bereits die Übernahme des bayerischen Werks Oberpfaffenhofen vom insolventen Flugzeugkonzern Fairchild Dornier war teilweise heftig kritisiert worden. «Wir prüften eine Übernahme. Schnell stellte ich fest, dass man damit keinen Rappen verdienen kann», sagte etwa Pilatus Präsident Oscar Schwenk in einem Interview mit der «Handelszeitung». «Die dort hergestellte Do 228 war einmal ein gutes Flugzeug. Doch ihre Zeit ist abgelaufen.»

Zehn Flieger für Venezuelas Regierung

Höchstens fünf bis sechs Stück werde man im Jahr verkaufen können, prophezeite Schwenk damals. Etwas anders sieht man die Situation naturgemäss bei der Ruag. Zwar seien die Verkäufe bis 2013 unter den Erwartungen geblieben, räumt Sprecher Jiri Paukert ein. «Doch die Bestellung von zehn Maschinen für die Regierung in Venezuela hat uns kräftig Schub gegeben.»

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«Drei Flugzeuge haben wir bereits an Venezuela ausgeliefert und am vierten wird zur Zeit gebaut», sagt Paukert. Damit stehe man bei insgesamt zehn verkauften Dornier 228 NG und sieben offenen Bestellungen. Und: «Durch die vielfältigen Einsatzgebiete sehen wir Potenzial für weitere Abschlüsse.»

Langfristige Vermarktungsstrategie

Vor diesem Hintergrund ist auch die aktuelle Demotour zu sehen. «Es ist wichtig, dass man möglichen Kunden das Flugzeug Eins zu eins zeigen kann», so Paukert. «Solche Aktionen gehören zu unserer langfristigen Vermarktungsstrategie.» Im Sultanat Oman wurde die Dornier der Polizei, der Luftwaffe und dem Tourismusministerium, sowie möglichen Privatkunden vorgeführt.

Der zweimotorige Turboprop-Hochdecker Do 228 wurde von 1981 bis 1998 im bayrischen Oberpfaffenhofen produziert. Von den 270 hergestellten Exemplaren sind rund 150 bis heute im Einsatz. Zivile und militärische Betreiber schätzen die guten STOL-Eigenschaften (kurze Lande- und Startstrecke), sowie die einfache Wartung der Dornier. Der berüchtigte Flughafen Jomsom in Nepal wird beispielsweise häufig mit der alten Do 228 bedient.

Neue Technik in altem Kleid

Zwar sieht die «New Generation» der Ruag noch immer aus wie das Flugzeug aus den Achtzigerjahren. Eigens für den Neustart haben die Schweizer aber ein neues Glascockpit entwickelt. Und obwohl die Struktur und Aerodynamik von Flügel und Rumpf unverändert blieben, würden «350 Verbesserungen und Neuerungen» im Innern das Flugzeug zum «fortschrittlichsten seiner Klasse» machen, sagt die Ruag.

Wie viel das Flugzeug kostet, will die Ruag nicht bekannt geben. Das hänge immer auch vom Umfang der Verträge ab, sagt Paukert. Schätzungen im Internet gehen von rund sieben Millionen Dollar pro Dornier 228 NG aus. Das wäre ein guter Preis für eine 19-plätzige Passagiermaschine.

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Sehen Sie im Video Landung und Start einer Dornier 228 auf dem Tenzing-Hillary Airport in Lukla (Nepal).