E s war eine Überraschung, als Pascal Grieder per 1. September zum Chef von Salt berufen wurde, dem kleinsten der drei Schweizer Mobilfunkanbieter mit eigenem Netz. Sein Vorgänger Andreas Schönenberger hatte die Firma in zwei Jahren Amtszeit massiv reorganisiert und jede neunte Stelle abgebaut. So hob er die Profitabiliät von 39 auf 50 Prozent EbitdaMarge, deutlich höher als bei Swisscom und Sunrise. Doch der Umsatz fiel um 11 Prozent auf 240 Millionen Franken im zweiten Quartal.

«Die letzten drei Jahre waren Revolution, die nächsten drei werden eher Evolution», sagt Grieder. Denn der 41-Jährige setzt deutlich andere Schwerpunkte als sein Vorgänger, der in den Verwaltungsrat rückt: «Die Zeit des grossen Abbaus ist vorbei», verspricht der langjährige McKinsey-Berater (Schwerpunkt: Digitalisierungsthemen). «Umsatzwachstum ist die oberste Priorität.» Denn zusätzlichen Wert kann Grieder für Salt-Eigner Xavier Niel nur durch mehr Kunden und höhere Durchschnittserträge generieren.

Grieder

Pascal Grieder: Ist per 1. September zum Chef von Salt berufen worden.

Quelle: ZVG

Dafür soll die verschwommene Marke endlich eine klare Positionierung bekommen: Einfach, direkt, jung und dynamisch soll Salt wirken. «Wir stehen nicht bei jedem Kunden für diese Attribute», ist sich Grieder bewusst. Und er erteilt Spekulationen eine Absage, Salt würde – wie das Firmeneigner Niel in Frankreich macht – eine Discountstrategie verfolgen: «Ein Billiganbieter sind wir nicht und wollen wir nicht sein», so Grieder. Entscheidend sei das Preis-Leistungs-Verhältnis: «Wir müssen daran arbeiten, die Leistung zu verbessern, aber auch die Wahrnehmung der Leistung verbessern.»

Dass diese oft nicht als genügend angesehen wird, zeigt das Telekom-Rating (siehe BILANZ 9/2018). Die neue Mobilfunkgeneration 5G will Salt im dritten Quartal 2019 einführen. Auch deutlich kundenzentrierter muss die Firma werden, soll es mit den Wachstumsplänen klappen. Grieder will vor allem den viel gescholtenen Kundendienst besser und flexibler machen, der kürzlich beim Launch des Glasfaserangebotes an seine Grenzen kam. Von einer «Nulltoleranz für schlechte Kundenerlebnisse» spricht Grieder.

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Salt

Salt-Umsätze in der Zeit von Pascal Grieders Vorgänger.

Quelle: Bilanz

Ebenfalls auf der Prioritätenliste weit oben steht das B2B-Geschäft. Dort war Salt, die ehemalige Orange, zuletzt kaum mehr sichtbar. «Gesund- und ungesund geschrumpft» sei Salt in diesem Bereich, als man das Produktportfolio massiv vereinfachte, grosse Teile der Wertschöpfungskette insourcte und dabei Kunden mit komplizierteren Ansprüchen bewusst fallen liess. Inzwischen wächst Salt hier wieder, zuletzt wurden Schweiz Tourismus oder die Kempinski-Hotels gewonnen. Und auch bei Mobilezone ist man wieder präsent. Schönenberger, einst selbst Mobilezone-Verwaltungsrat, hatte sich im Streit um die Konditionen letztes Jahr mit der Fachhandelskette überworfen.