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Hotellerie
Sawiris will Konkurrenz zu Booking aufbauen

Samih Sawiris
Samih Sawiris: Dick im Tourismus-Business.Quelle: ZVG

Hotels und Plattformen wie Booking verbindet eine Hassliebe. Tourismus-Tausendsassa Samih Sawiris will das ausnutzen. Ein Projekt mit Potenzial.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser und David Torcasso
am 20.06.2018

Für Touristen sind Buchungsplattformen wie Hotels.com oder Booking.com eine grossartige Sache. Sie machen es zum Kinderspiel, auch in unbekannten Städten die richtige Unterkunft zu finden. Und sie bieten eine riesige Auswahl zu guten Preisen.

Für Hoteliers – gerade für solche, die keiner internationalen Kette oder keinem globalen Marketing-Verbund angeschlossen sind – sind die Plattformen hingegen Fluch und Segen zugleich. Segen, weil auch der Berggasthof im Toggenburg mit Booking eine globale Verkaufsplattform zur Verfügung hat. Er wird auch in Montevideo und Seoul gefunden. Der Fluch dabei ist allerdings ist, dass die Hotels teils happige Kommissionen an Booking und Co. abführen müssen. Im Schnitt kassieren die Plattformen 10 bis 15 Prozent des Übernachtungspreises, teilweise gar bis zu 30 Prozent.

In der Schweiz hat die Hotellerie deshalb schon diverse Anläufe genommen, um die marktführenden PlattformenBooking, Hotels.com und HRS kommen bei Direktbuchungen zusammen auf einen Anteil von rund 90 Prozent – in Schranken zu weisen. Die Branche lancierte eine eigenes Portal, allerdings mit sehr bescheidenem Erfolg. Und sie spannte Politik und Wettbewerbskommission für ihre Anliegen ein – mit etwas mehr Erfolg.

Null Prozent Kommission für Hotels

Nun aber buhlt ein holländisches Startup names Bidroom um die Gunst der Hoteliers, wie «Travelnews» berichtet. Das verlockende Angebot an die: Null Prozent Kommission! Um das eigene Hotel auf Bidroom zu vermarkten, braucht es nur eine Registrierung – und eine einmalige Aktivierungsgebühr von maximal 299 Euro.

Aktuell sind rund 130'000 Hotels in 128 Ländern dabei – und ein prominenter Investor: Tourismus-Tausendsassa, Andermatt-Neuerfinder und Milliardär Samih Sawiris. Er glaubt offenbar an das Potenzial von Bidroom, die verteilt geglaubten Karten im Hotel-Buchungsgeschäft neu mischen zu können.

Gegründet wurde Bidroom von den zwei ehemaligen Hotel-Managern Michael Ros und Caspar Knieriem. Jahrelang hörten sie den Klagen der Hoteliers über die Kommissionen der grossen Plattformen zu. Und versuchten, daraus ein Geschäftsmodell zu machen: Bidroom.

Bidroom ist eine «Erlösung»

Online-Touristik-Experte Simon Lehmann glaubt an das Potenzial: «Für die Hoteliers ist Bidroom eine Erlösung, gerade in einem zersplitterten Markt wie Europa, wo grosse Hotel-Ketten nicht so etabliert sind.» Daher sei es für Gründer auch kein grosses Problem, «genügend Inventar» – sprich Hotels – zu sammeln. Das sei, so Lehmann, fast ein «No-brainer». Ob die Plattform durchstarte, analysiert Lehmann weiter, sei davon abhängig, wie viele Reisende über die Plattform buchen würden. «Ich glaube aber, das Konzept kann sich unter Reisenden wie ein Schneeball-System verbreiten.»

Dabei baut Bidroom für Reisende im Vergleich zu Booking und Co. eine Hürde ein – und einen Vorteil. Die Hürde: Bidroom ist nur für Mitglieder zugänglich. Und Mitglieder bezahlen eine Jahresgebühr von aktuell 59 Euro – rund 68 Franken. Ein Testmonat ist kostenlos. Inhaber einer Kreditkarte von Visa bezahlen im ersten Jahr nur die Hälfte der Jahresgebühr. Der Vorteil: Bidroom verspricht Reisenden, nach durchschnittlich drei Buchungen günstiger als bei Booking oder Hotels.com zu übernachten.

Wie geht das? Die Hotels müssen auf Bidroom tiefere Preise – die Rede ist von Discounts von 5 bis 25 Prozent auf den Normalpreis – anbieten. Weil Bidroom eine nicht-öffentliche Plattform ist, brechen die Hotels damit ihre Preisparitätsverträge mit den grossen Plattformen nicht. Und Mitglieder finden auf Bidroom günstigere Zimmer als anderswo.

Win Win Win?

Die Rechnung für den Hotelier geht dennoch auf: Ein Tourist zahlt bei Booking für ein Zimmer 200 Franken. Abzüglich der Kommission von 15 Prozent verdient der Hotelier damit 170 Franken. Bei Bidroom muss er das Zimmer mindestens 5 Prozent günstiger anbieten: für 190 Franken. Dennoch bleiben dem Hotel 20 Franken mehr als bei Booking. Und der Reisende zahlt 10 Franken weniger.

Klingt genial. Aber wo ist der Haken? Experte Lehmann sieht keinen. Ausser Booking und Co. würden ihre Kommissionspolitik grundsätzlich überdenken. «Dann ist der USP von Bidroom dahin.»

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