Es ist das Ende einer Ära beim Schweizer Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler: Alfred Schindler (76) wird das Familienunternehmen mit Sitz in Ebikon LU im nächsten Jahr verlassen. Bei der Generalversammlung Ende März stellt er sich zum letzten Mal für ein Jahr als Verwaltungsrat zur Verfügung, wie Schindler am Mittwoch mitteilt. Nach 50 Jahren im Betrieb hat der Vertreter der vierten Generation der Schindlers also genug.
Alfred Schindler trat 1977 in den Verwaltungsrat des Liftbauers ein – nachdem er zuvor Führungserfahrung bei einem Basler Treuhändler und einem Berner Stahlproduzenten gesammelt hatte. 1985 übernahm er den Posten als CEO. Mehr als drei Jahrzehnte lang war der Schindler-Patron Chef seines Familienunternehmens, lange auch in einer Doppelrolle.
Ab 1995 amtete er auch als Verwaltungsratspräsident. Vor 9 Jahren kam es dann zu einem Novum: Schindler gab 2017 das Präsidium im Verwaltungsrat auf, wodurch erstmals in der bis damals 140-jährigen Firmengeschichte kein Familienmitglied mehr an der Spitze des Unternehmens stand. Seither ist er einfaches Mitglied im Schindler-Verwaltungsrat.
Patron brachte Schindler schon 1980 nach China
Der Innerschweizer Liftbauer gilt als verschlossen, wie nur wenige Firmen in der Schweiz. Ein Image, das auch auf den öffentlichkeitsscheuen Alfred Schindler zutrifft. Er ist ein Patron der alten Schule, der lieber hinter den Kulissen wirkt. Sein Unternehmen prägte er, indem Schindler immer wieder sein gutes Gespür für die neuesten technischen Entwicklungen bewies.
Bereits drei Jahre nach seinem Eintritt in den Verwaltungsrat richtete der Unternehmer den Liftbauer nach Osten aus. 1980 gründete Schindler den ersten Ableger in China, was die erste Verbindung eines westlichen Unternehmens in die kommunistische Volksrepublik war.
Das China-Geschäft ist aber seit einigen Jahren der wunde Punkt beim Luzerner Konzern. Schindler leidet darunter, dass die chinesische Bauindustrie in einer grossen Krise steckt. Die an diesem Mittwoch publizierten Geschäftszahlen für 2025 überzeugen auch die Anleger nicht. Die Schindler-Aktie ist bis zu 8 Prozent eingebrochen. Zwar hat der Liftbauer letztes Jahr seinen Gewinn steigern können, dafür sind die Umsätze zurückgegangen. Im neuen Geschäftsjahr, dem letzten von Alfred Schindler als Verwaltungsrat, erwartet das Unternehmen ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich.

