Das Startup Numab geht neue Wege bei der Mittelbeschaffung. Das Kleinunternehmen aus dem zürcherischen Wädenswil ist auf der Suche nach neuen Geldgebern in Shanghai fündig geworden. 

Sunshine Guojian Pharmaceuticals, eine Tochtergesellschaft des in Hongkong kotierten Biotechunternehmens 3SBio, investiert 15 Millionen Franken in Numab. Sie erhält dafür eine Minderheitsbeteiligung. Das Geld wird dafür verwendet, um die immunonkologische Plattform von Numab weiter auszubauen. Zudem erhält der chinesische Geldgeber das Recht, fünf Moleküle aus der Forschungs-Plattform für die weitere Entwicklung auszuwählen. 

Geld gegen Kommerzialisierungsrechte in China

Weiter beteiligt sich das chinesische Unternehmen an der weiteren Entwicklung des führenden Produktkandidaten von Numab. Dafür gehen die Kommerzialisierungsrechte für Festland-China, Hongkong, Macao und Taiwan an die  3SBio-Tochter. Details zu den Konditionen der Partnerschaft sind nicht öffentlich.

Ein chinesischer Partner bei Biotech - das ist ungewöhnlich. Biotech-Startups versuchen vor allem mit amerikanischen oder europäischen Konzernen ins Geschäft zu kommen, die bei einer Kommerzialisierung einen bestimmten Prozentsatz der Umsätze als Lizenzgebühren bekommen.

Der Vorteil eines asiatischen Partners sei, dass diese Unternehmen keine globalen Ambitionen hätten, sondern nur regionale, sagt David Urech, CEO von Numab. «Das heisst, wir treten zwar die Kommerzialisierungsrechte für China ab, dafür behalten wir die für den Rest der Welt». 

Die nächste Stufe in der Immunonkologie

Numab forscht an immunonkologischen Antikörpern. Es geht darum, die Abwehrreaktionen des Krebses gegen die Therapien auszuschalten. Krebszellen lernen mit der Zeit, die Wirkstoffe der Therapien zu erkennen und diese abzuwehren.

Der Clou bei den Numab-Antikörpern: Sie seien nicht nur in der Lage, das vom Krebs lahmgelegte Immunsystem wieder zu wecken, sondern es zusätzlich auch noch zu stimulieren, sagt Urech. Zudem wirkten die Moleküle nicht systemisch, also im ganzen Körper des Patienten, sondern direkt in den Tumoren. Damit sind sie im Vergleich zu bereits etablierten Therapien mit immunonkologischen Wirkstoffen weniger toxisch. 

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Die Hoffnung: Kombinationstherapien

Die Immunonkologie gehört zu den heissesten Themen der Biotechindustrie. Führend ist Merck. Der amerikanische Pharmakonzern machte 2018 einen Umsatz von mehr als 7 Milliarden Dollar mit seinem immunonkologischen Therapeutikum Keytruda. Dahinter folgen Bristol Myers Squibb mit Obdivo und Roche mit Tecentriq.

Das Problem der Checkpointinhibitoren ist, dass zwar fast die Hälfte der Krebspatienten für diese Behandlungen in Frage kommt – davon aber vier Fünftel nicht auf die Therapien ansprechen. Eine Alternative sind deshalb Kombinationstherapien mit herkömmlichen Antikörpern, was jedoch Probleme bei der Verträglichkeit mit sich bringt.

«Wir sind zuversichtlich, dass es uns mit unserer Technologie gelingen wird, in der Immunonkologie ein neues Kapitel aufzuschlagen», sagt David Urech.

Daniel Vasella ist Numab-Verwaltungsrat

Der knapp 46-jährige CEO kann dabei auf die Unterstützung eines Biotech-Veteranen zählen. Seit Oktober sitzt Daniel Vasella, ehemals Verwaltungsratspräsident und Konzernchef von Novartis, im Numab-Verwaltungsrat. «Wir haben uns an einem Investorentreffen kennengelernt», sagt Urech, «und ich war sofort begeistert von ihm». Und weiter: «Wir freuen uns, dass er bereit ist, sich bei uns mit seiner Erfahrung und seinem Wissen einzubringen».

Ob Daniel Vasella selber bei Numab investiert hat, ist nicht bekannt. «Dazu kann ich noch nichts sagen», so Urech. Klar ist: Der Name des Industrie-Doyens, der 1996 als junger CEO die Fusion von Sandoz und Ciba durchzog und damit für einen der erfolgreichsten Mega-Merger der Biotech-Industrie verantwortlich ist, taucht damit nach Immunos bereits zum zweiten Mal innert Wochenfrist im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Finanzierungsrunde eines Schweizer Biotech-Startups auf.

Der Numab-CEO selbst war 2004 bis 2014 Forschungschef von Esbatech und in dieser Rolle für den Aufbau der Antiköper-Plattform verantwortlich, aus der Brolucizumab hervorging, ein Medikament gegen altersbedingte Makuladegeneration.

Esbatech wurde 2009 für 589 Millionen Dollar von Alcon übernommen. Der Wirkstoff Brolucizumab blieb nach dem Spin-off des augenchirugischen Geschäfts von Alcon im Frühling diesen Jahres bei Novartis und figuriert heute in den Präsentationen von Konzernchef Vas Narasimhan als Blockbuster-Hoffnung.