Noch ruhen die 4,5 Millimeter dicken und rund 100 Gramm schweren Medaillen in den Tresoren des europäischen Fussballverbandes Uefa. Doch nach Spielschluss des Champions-League-Finals werden sie bei der Siegerehrung für Augenblicke ins Blitzlichtgewitter der Fotografen im Berliner Olympiastadion rücken.

Abermillionen von Fernsehzuschauern werden verfolgen, wie Messi, Neymar, Pirlo und Lichtsteiner von Uefa-Präsident Michel Platini die Medaille umgehängt bekommen. Je 40 Stück hält der Verband bereit – für das gesamte Vereinskader.

30 Prozent Umsatz mit Medaillen

Hersteller der edlen Metallstücke ist das Schweizer Unternehmen Huguenin. Die Manufaktur aus Le Locle ist in Bezug auf Medaillen eine der vornehmsten Adressen - weltweit. Die vor bald 150 Jahren gegründete Firma begann eigentlich mit der Fertigung von Uhrengehäusen.

Die beiden Gründer, die Brüder Fritz und Albert Huguenin, merkten aber bald, dass sich das dabei angewendete Prägeverfahren auch zur Produktion von Münzen und Medaillen eignete. «Letztere tragen heute etwa 30 Prozent zum Umsatz bei», verrät Firmenchef Christian Fontana.

Abzeichen und Orden für Königshäuser

Produziert werden aber auch Sammlermünzen, Abzeichen, Pins und Orden, nicht zuletzt dank langjährigen Kontakten zu Königshäusern, Regierungen, Zentralbanken und internationalen Organisationen. Weiterhin fertigt Huguenin auch Teile für die Uhrenindustrie und Accessoires für die Modebranche. Ein wichtiges Wachstumssegment sind ausserdem Merchandising-Produkte. Dazu gehören etwa VIP-Geschenke, Manschettenknöpfe, Plaketten und Beschriftungen für namhafte Marken, von ABB über Bulgari bis hin zu Zurich.

Eine Medaille von Huguenin entsteht über mehrere Wochen und in vielen Arbeitsschritten. Zuerst arbeiten die Designer für die Kunden Vorschläge aus. Daraus entwickeln sie eine Designvorlage, welche dann von den Graveuren auf das Prägewerkzeug – eine Art Stempel aus gehärtetem Metall - übertragen wird. Dieser Vorgang bildet die Kernkompetenz der Manufaktur.

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Druck von mehreren 100 Tonnen Gewicht

Er erfordert vom Graveur kunsthandwerkliches Geschick und jahrelange Erfahrung. Das Motiv wird schliesslich mit einem Druck von mehreren 100 Tonnen Gewicht in einen Medaillenrohling gepresst. Im Falle der Champions League werden die Medaillen vergoldet und versilbert. Eine fachmännische Politur verleiht dem Metall am Ende den spiegelnden Glanz, der mittels Schutzlackierung verewigt wird. Erst ganz zum Schluss wird die Medaille mit einem Band versehen und so zur umhängbaren Trophäe.

Das Design der Champions-League-Medaillen ist seit ein paar Jahren dasselbe. Nachgraviert wird jeweils lediglich der Schriftzug mit der Jahreszahl. Die Uefa ist schon seit vielen Jahren ein treuer Kunde von Huguenin und lässt alle ihre Medaillen in Le Locle produzieren.

Weltskiverband FIS bezieht Medaillen von Huguenin

Ähnliches gilt für den Weltskiverband FIS, den Internationalen Fechtverband FIE und für European Athletics. Auch viele Schweizer Verbände gehören zu den Kunden des Unternehmens, etwa Swiss Ski, die National League im Eishockey, der Schweizer Fussballverband sowie Swiss Athletics. Zudem kam Huguenin bei den Olympischen Spielen schon zweimal zum Handkuss.

Einen starken Auftritt hatte Huguenin an der Leichtathletik-EM 2014 in Zürich. Die vom Industriedesigner Alfredo Häberli gestaltete Medaille (siehe oben, in den Händen von Kariem Hussein) präsentierte sich als schnell personalisierbares Schmuckstück. Denn zwischen Wettkampf und Siegerehrung gravierte ein Team von Huguenin quasi live die Namen der Medaillenempfänger ins Metall ein.

Materieller Wert ist Geheimsache

Über 400 bedeutende Sportevents sind es insgesamt jährlich, die Huguenin rund um den Erdball mit Medaillen beliefert. Diese führende Position beruht einerseits auf der aus der Uhrenindustrie heraus entwickelten Fertigungstechnologie. Anderseits ist die Nähe zu den vielen in der Schweiz angesiedelten Weltsportverbänden ein Vorteil, denn dies vereinfacht viele ansonsten kompliziertere Prozesse.

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Hinzu kommt, wie Fontana betont, ein dritter wichtiger Faktor: «Wenn es um die Medaillen und Münzen geht, ist Swiss made ein gefragtes Qualitätskriterium.» Den besonderen Spiegelglanz aufs Metall zu bringen, ist offenbar eine Kunst, die längst nicht jeder beherrscht. Klar ist: Eine Medaille darf auf keinen Fall billig wirken, sondern soll ein Objekt der Begierde sein. Geheimsache ist der rein materielle Wert der Medaillen. Fontana verweist lieber auf die emotionale Seite: «Eine Goldmedaille ist per se unglaublich viel wert.»

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