Schweizer Investoren hören das Gras wachsen. Besonders dann, wenn es nicht bloss high macht, sondern auch als Medizin verabreicht wird, und wenn damit schon bald Millionen verdient werden können.

Insider sehen dies als Formalakt. In etwa einem Jahr würde das Gesetz in Kraft treten. Dann braucht es auch keine Spezialbewilligung des Bundesamtes für Gesundheit mehr, ein Wisch vom Arzt genügt. Für Patientinnen und Patienten zu Behandlungszwecken natürlich – und nicht einfach zum Spass.

Politiker und Banker beteiligt

Hoch erfreut darüber ist das Schweizer Unternehmen Medicrops mit Sitz in Zug. Es ist dabei, eine der grössten THC-Fabriken Europas auf 30'000 Quadratmetern in Nordmazedonien auf die grüne Wiese zu stellen. Und damit zu einem der grössten THC-Lieferanten für die Schweiz und international für medizinische THC-Produkte zu werden.

Insgesamt 25 Millionen Franken bietet Medicrops-Chef, Gründer und Mitinvestor Ivan Mestrangelo dafür auf. Geld von Schweizer Privatanlegern, Medizinern, Unternehmern und Politikern. Er selbst ist mit einem einstelligen Millionenbetrag investiert. Verdient hat er das Geld mit dem Handel von Nahrungsergänzungsmitteln und als Unternehmer in der Gastronomie und Baubranche.
 

Ivan Mestrangelo CEO & Founder Medicrops HoldingAG

«Die idealen gesetzlichenRahmen-Bedingungen», findet Ivan Mestrangelo, CEO von Medicrops, in Nordmazedonien.

Quelle: ZVG

Für die operative Führung des Multimillionenprojekts konnte Mestrangelo einige Schweizer Wirtschaftsgrössen gewinnen. Etwa Thomas Gross, den früheren Chef der SIX-Tochter Financial Information, Fabio Oetterli, Ex-Leiter Global Tax bei Julius Bär, oder Felix Niggli, den renommierten Krebsforscher und einst leitenden Onkologen des Zürcher Kinderspitals. Sie alle stehen für neue Methoden der Schmerz- und Palliativmedizin mit Cannabis ein – und hoffen freilich auch auf ein lukratives Geschäft.

Und das in Nordmazedonien. Es ist das jüngste Nato-Mitglied, gilt aus EU-Sicht als unterentwickelt, mit einer sehr hohen Arbeitslosigkeit und Clan-Strukturen. Dabei habe das Land die «idealen gesetzlichen Rahmenbedingungen», sagt der Firmengründer. Unter strengen Auflagen habe sein Unternehmen vom lokalen Gesundheitsministerium eine Lizenz erhalten, die es ihm erlaubt, ohne Mengenbegrenzung THC zu produzieren und weltweit zu exportieren.

25 Millionen Franken

Den Cannabis-Inhaltsstoff THC , der high macht, sollen Schweizer Ärzte und Ärztinnen bald verschreiben dürfen. Die Zuger Medicrops erkennt darin Geschäftspotenzial und investiert 25 Millionen.

Cannabis ist in der Schweiz erst seit 1975 verboten. Davor war die Appenzeller Variante einer Hanfpfeife vor allem bei Bauern beliebt, für die Wein zu teuer und Hanfkraut aus dem Garten billiger war.

Und: «Die Produktionskosten entsprechen einem Bruchteil jener Kosten von Konkurrenten in Kanada oder anderen Ländern.» Das kann entscheidend sein, insbesondere für den Schweizer Markt. Denn die Preise für die Magistralrezepturen und Extrakte sind mit mehreren 1000 Franken pro Monat so hoch, dass weder Krankenkassen noch Patienten die Kosten für THC-Therapien auf Dauer tragen können.

Einfach zu bekommen war die Lizenz nicht. Medicrops muss für die Produktionsanlage gegenüber der nordmazedonischen Regierung für Sicherheitsbedingungen nach Gefängnisstandards bürgen: Stacheldraht, Videoüberwachung und bewaffnetes Sicherheitspersonal rund um die Uhr, das beim Betreten und Verlassen der Anlage Leibesvisitationen durchführt. Obendrein müssen Agrarwissenschafter und Pharmazeuten im Auftrag von Medicrops gemäss staatlichen Auflagen mindestens fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen.

Konkurrenz in den Startlöchern

Konkurrenz in und aus der Schweiz in der Grössenordnung von Medicrops kommt bislang nur von der Firma Swissextract im Kanton Freiburg. Die Firma, die bisher Pionierin im Geschäft mit inländischen, biozertifizierten High-End-Cannabidiol-Produkten (CBD) ist, rüstet sich ebenfalls für den Vertrieb von THC nach der Änderung des schweizerischen Betäubungsmittelgesetzes.

«Wir beginnen zu diesem Zweck im Frühling mit dem Bau eines Gewächshauses auf mehreren 1000 Quadratmetern», sagt Swissextract-Chef Dominic Sigrist. Grössenordnung dieses Projekts: zwischen 15 und 18 Millionen Franken.

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