1. Home
  2. Schweizer Franken sorgt in Kroatien für rote Köpfe

Kredite
Schweizer Franken sorgt in Kroatien für rote Köpfe

Dubrovnik an der Adria: Franken-Hypotheken liefen für kroatische Kunden aus dem Ruder. (Bild: Keystone)

Mehrere Banken lockten kroatische Kunden über Jahre mit günstigen Franken-Hypotheken – doch die Rechnung ging unter dem Strich nicht auf. Jetzt entschied ein Gericht in Zagreb.

Von Volker Strohm
am 05.07.2013

Kredite in Schweizer Franken sind auf Grund des tiefen Zinsniveaus beliebt – auch im Ausland. Dort wurde dieser Zinsvorteil in den vergangenen Jahren durch die enorme Stärke der Währung nicht nur pulverisiert – im Gegenteil: Häufig mussten Kunden im Vergleich zu Krediten in Landeswährung massiv drauflegen, weil die Finanzinstitute an den Zinsen schraubten und höhere Kapitalkosten ins Feld führten.

Nun hat sich ein Gericht in Zagreb gegen die Bankenpraxis ausgeprochen. Kläger war eine Verbraucherschutzorganisation, die laut österreichischen Medienberichten rund 100'000 Betroffene vertritt. Sie alle hatten variabel verzinste Kredite in Schweizer Franken aufgenommen – die meisten davon, um Wohnungen oder Häuser zu finanzieren, wie es heisst.

Massiv erhöhte Rückzahlungen

Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise hatten sich die Rückzahlungsraten deutlich erhöht – von zwischen 30 und 100 Prozent ist die Rede, ein anderer Bericht nennt durchschnittlich satte 50 Prozent.

Die Banken sollen laut Ansicht des Handelsgerichts die Kunden nicht über alle Risiken aufgeklärt und somit das Konsumentenschutzgesetz verletzt haben. Welche Summe die Banken aufwenden müssen, ist offen und wohl davon abhängig, in welchem Umfang und zu welchen Konditionen die betroffenen Institute die Frankenkredite in kroatische Kuna umwandeln.

Zwangsumwandlung in Landeswährung

Bereits 2011 hatte die Kreditpraxis der Banken in Ungarn unliebsame Folgen: Die Regierung ordnete die Zwangsumwandlung der Frankenkredite in ungarische Forint zu einem Preis weit unter Marktwert an, was den Banken erhebliche Verluste eintrug – für die Erste Bank in den vergangenen zwei Jahren über 620 Millionen Euro, die österreichische Raiffeisen-Gruppe verlor 400 Millionen Euro.

Die UniCredit-Tochter Bank Austria, die ungarische OTP sowie die Hypo Alpe Adria haben in Kroatien bereits Berufung angekündigt. Vom Urteil betroffen sind zudem Erste Group, Raiffeisen Bank International, die russische Sberbank sowie die französische Société Générale.

Österreichs Banken sind in Kroatien eine Macht: Die Bank Austria hat einen Marktanteil von 25 Prozent, die Erste Bank 15 Prozent, die Raiffeisen zehn Prozent und die Hypo Alpe Adria acht Prozent.

Anzeige