Wer sein Zuhause verlässt, lebt mitunter gefährlich. Das gilt nicht nur für die Bienen, die im Frühling schon mal erfrieren können, wenn sie den Stock verlassen; es trifft auch auf kleine Unternehmen zu, die zu früh zu viel wollen. Firmenflüsterer raten deshalb gerade Jungunternehmen, zuerst die Potenziale hierzulande auszuschöpfen, bevor sie in die Ferne schweifen und sich insbesondere den gigantischen und deshalb besonders sportlichen chinesischen Markt vorknöpfen. Doch bei Marie So und Daniel Meyer, den Gründern des Nahrungsergänzungsmittelherstellers Bee People, der auf Zusätze aus der Bienenwelt setzt, liegen die Dinge anders.
Die beiden sind alles andere als Asien-Anfänger: Er war in leitender Funktion beim China-Spezialisten DKSH in Peking, Hongkong und Vietnam tätig, sie stammt aus Hongkong. Ihr erstes gemeinsames Unternehmen EGO Movement, ein Hersteller von Elektrovelos im Retrodesign, verkauften sie vor fünf Jahren für 17,9 Millionen Franken an den indischen Zweiradgiganten TVS Motor Company. «Der chinesische Gesundheitsmarkt ist stark auf Prävention ausgerichtet, Nahrung gilt hier auch als Medizin», sagt Daniel Meyer. Und: «Wir sind überzeugt, dass wir hier eine Chance haben.» Und so kommt es, dass es die beiden Bee People mit ihren Propolis-Kapseln und ihrem Propolis-Honig nach China zieht.
Propolis ist der Stoff, mit dem die Bienen ihre Stöcke abdichten und vor Kälte und Infektionen schützen. Es wirkt antibakteriell und antiviral. Die Zulassung liegt vor, beim Markteintritt setzt das Paar auf die bewährte Killer-Combo mit Cross-Boarder-E-Commerce und Red Book, einem Social-Media-Kanal mit Shop, der sich in jüngster Zeit vom Billigkanal zu einer Adresse für hochwertige Güter gemausert hat. Der Clou: Der Versand erfolgt direkt aus chinesischen Zollfreilagern, verzollt wird in dem Moment, in dem die Bestellung herausgeht. 40’000 Einheiten wollen die beiden schon bald in China absetzen, das sollte das Sourcing bei Imkern in der Schweiz und Italien hergeben.

