Bei Selecta bleibt kein Stein auf dem anderen. Der Verpflegungskonzern mit Sitz in Cham wird umgebaut, wobei Personal im grossen Stil gestrichen wird. Dies kündigten Verwaltungsratspräsident Joe Plumeri und CEO Christian Schmitz am Montagabend an einer Investoreninformation an. Besonders scharf ist der Schnitt bei den Mitarbeitenden: Insgesamt werden 3000 Arbeitsplätze europaweit verschwinden.

Im Dezember 2019 – also vor der Coronakrise – stand der Personalbestand bei 10'000, heute sind es 8900, also 1100 Stellen weniger. Ende nächsten Jahres sollen es noch 7000 Mitarbeitende sein: macht insgesamt also ein Minus von 3'000 Jobs in zwei Jahren.

Betroffen dürften alle 14 Selecta-Länder in Europa sein, auch die Schweiz. In gewissen Staaten droht zweifellos Ärger mit den Gewerkschaften, etwa in Italien, Spanien oder Frankreich.

Die Homeoffice-Regimes in ganz Europa lassen die Umsätze der Selecta-Automaten einbrechen – auf Bahnhöfen, in Büros, in Airports.

Alles offenbar kein Problem. «Wir erfinden die Firma neu», meint Plumeri. Der Amerikaner ist vom New Yorker Investor KKR – er hält die Mehrheit an Selecta – als Sanierer geschickt worden.

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Das Problem von Selecta ist bekannt: Die Firma ist mit über 1,6 Milliarden Franken schwer überschuldet, und sie leidet ganz besonders stark unter den Folgen des Corona-Virus. Denn die Homeoffice-Regimes in ganz Europa lassen die Umsätze an den Selecta-Automaten auf Bahnhöfen, in Büros oder in Airports einbrechen. In einzelnen Ländern beträgt der Rückgang 45 Prozent, die Schweiz ist mit 18 Prozent noch halbwegs glimpflich über die Runden gekommen.

Neben der gigantischen Restrukturierung sollen auch die IT-Systeme vereinheitlicht werden – derzeit hat jedes Land seine eigenen Systeme und Prozesse. Gleichzeitig wird die Zahl der Verpflegungs-Automaten massiv verringert: von 400'000 auf deren 300'000.

«Momente der Freude»

Plumeri sprach von der Wiedergeburt von Selecta, doch nicht mehr als «Automatenfirma», sondern als Firma mit dem Slogan «Wir bringen Momente der Freude». Die Rede ist auch von One Selecta, einer Firma also, in der viel mehr zentralisiert wird und wo die Ländergesellschaften näher aus Cham geführt werden.

In den letzten Monaten wurde fast das gesamte Managementteam ausgetauscht. Doch das Sagen haben ohnehin nur zwei: Plumeri und Schmitz. Sie sind getrieben von einem riesigen Zukunftsglauben. Sie hätten einen grossen Plan und würden – im Gegensatz zu früher – konsequent umsetzen. Mit einer «new generation of Leadership.» Gemeinsam wolle man nun eine «Firma der Zukunft, nicht der Vergangenheit» bauen.

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