Es war ein erstes Signal nach aussen. «Irgendwann gehe ich sogar», sagte Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz im August letzten Jahres im BILANZ-Interview. Dass die Nachfolgesuche da schon sehr weit fortgeschritten war, verschwieg der Patron lieber.

Kielholz, seit rekordverdächtigen 22 Jahren Mitglied des Swiss-Re-­Verwaltungsrats, hatte bereits ein Jahr zuvor mit dem erfahrenen Headhunter und HSG-Freund Bjørn Johansson diverse Szenarien durchgespielt. Doch es gab ein Problem: Der Konzern hatte nicht einmal ein Nominierungskomitee.

Also wurde es neu gegründet – und als Vorsitzenden kürte Kielholz den Mann, der einmal als sein Nach­folgekandidat gehandelt wurde, bei Amtsantritt aber mit 65 Jahren aus Altersgründen nicht mehr in Frage kam: Vizepräsident Renato Fassbind. Der Ausschuss wurde komplettiert durch Novartis-Präsident Jörg Reinhardt und die Verwaltungsräte Jacques de Vaucleroy und Susan Wagner.

Ermotti signalisierte schnell Interesse

Valable interne Anwärter gab es nicht, und Kielholz wie Johansson wollten gern einen Schweizer. Im September kam es zu ersten Kontakten zu Sergio Ermotti, der schnell sein Interesse signalisierte. Dass er die zu Jahresbeginn 2019 losgetretene Nachfolgedebatte um seinen Job wenig goutiert hatte, war nicht nur innerhalb der UBS bekannt. ­Zudem hatte sein Präsident Axel Weber signalisiert, dass ein direkter Wechsel auf den Präsidenten­sessel nicht möglich ist.

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Es folgte ein Sitzungsmarathon, und es spricht für die Professionalität der Beteiligten, dass der Prozess unter Verschluss blieb. Ermotti hatte lange Gespräche mit Kielholz, er traf sich mehrmals mit Fassbind und auch mit jedem Mitglied des Nominierungskomitees. Auch CEO Christian Mumenthaler wurde einbezogen.

Die Einigung kam vor Weihnachten, formal bestätigt wurde die Wahl an der VR-Sitzung vom 17. Februar in London – drei Tage bevor die UBS Ralph Hamers als Ermotti-Nachfolger präsentierte.Der Tessiner lässt sich am 17. April in den Verwaltungsrat wählen, ein Jahr später löst er Kielholz ab.

3,8 Mil­lionen für 50-Prozent-Pensum

Das Mandat ist für ihn attraktiv: Es gibt nicht nur üppige 3,8 Mil­lionen Salär, und das auch noch komplett in Cash (die Swiss-Re-Aktie ­halbierte ihren Wert durch den ­Corona-Crash). Dazu lässt ihm das 50-Prozent-Pensum Raum für andere Mandate – anders als bei UBS, die das Präsidium als Vollzeit-Amt definiert.

Wenn er die Wahl gehabt hätte, wäre Ermotti wohl lieber UBS-Präsident geworden. Doch Weber wollte ihm bei der Nominierung des neuen CEO keine Garantie auf den Präsidentensessel geben – der Wechsel in den Verwaltungsrat ist bei gros­sen Investoren verpönt.

Hamers wusste laut eigener Aussage nichts von dem Wechsel Ermottis zur Swiss Re. Gerüchte, dass er den UBS-Job nur unter der Bedingung akzeptiert hat, dass der langjährige CEO nicht Chairman wird, sind laut Hamers unzutreffend: Er hätte laut eigenen Angaben gut mit Ermotti arbeiten können.

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