Anfang September dieses Jahres wird Hotelplan-CEO Claus M. Niederer 62 und fällt damit der konzerninternen Altersguillotine zum Opfer. Dies löste bei Anton Scherrer, dem Präsidenten der Migros-Generaldirektion und VR-Präsidenten von Hotelplan, eine atypische Umtriebigkeit aus: Er beauftragte die Headhunter von Ray & Berndtson (R&B), ihm einen Nachfolger für Niederer zu präsentieren – möglichst rasch.

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Die Suche führte zunächst ins deutsche Oberursel zu Peter Fankhauser. Der Senkrechtstarter hatte es bei Kuoni bis in die Generaldirektion gebracht, ehe er 1999 als Chef der LTU-Gruppe nach Düsseldorf wechselte. Vor knapp drei Jahren wurde Fankhauser von Thomas Cook (damals C&N) geködert, Europas zweitgrösstem Reisekonzern, an dem Lufthansa und KarstadtQuelle je hälftig beteiligt sind. Als Mitglied des vierköpfigen Vorstands ist der 43-Jährige heute der höchste Schweizer Touristiker seit Vögele-Gründer Bruno Tanner, der es in den Neunzigerjahren ins Führungsgremium von TUI gebracht hatte.

«Ja, ich wurde kontaktiert – und das auf reichlich unprofessionelle Weise», sagt Fankhauser, dessen Jahresgehalt in deutschen Branchenkreisen auf gegen zwei Millionen Franken geschätzt wird.

Fankhauser weiss von mindestens zwei Kollegen aus der Thomas-Cook-Zentrale, die ähnlich rasch abwinkten. Ein für alle Mal stellt er klar: Er habe von seinem früheren Arbeitgeber Kuoni nie ein Angebot erhalten und empfinde Gerüchte, die immer wieder aufgefrischt würden, als «zunehmend lästig». Zwar hat Fankhauser seiner Frau versprochen, sich in der Schweiz pensionieren zu lassen, «aber Kuoni-CEO Hans Lerch ist ein Freund von mir, und an solchen Stühlen sägt man nicht».

Ganz weit oben auf der Wunschliste der Headhunter stand auch Martin Wittwer. Der leistet, allen widrigen Umständen zum Trotz, als CEO von TUI Suisse exzellente Turnaround-Arbeit und wäre auch in der Einschätzung von Fankhauser («Ein Topmann, den wir mit Handkuss engagieren würden») eine optimale Lösung für Hotelplan. Doch Pleite auch hier – Kuoni ist mit 49 Prozent an TUI Suisse beteiligt, und Wittwer zählt zu den eingeschworenen Jüngern von Lerch. Bei mindestens drei weiteren Kuoni-Managern war nichts zu machen. Lerch sagt: «Sie haben halt keine Veranlassung für einen Wechsel.»

Nach den vielen Fehlanzeigen, so sickert aus der Migros-Zentrale durch, erreichten schliesslich drei Personen die Endausscheidung. Das Rennen machte mit Christof Zuber ausgerechnet ein Branchenfremder, der die unterschiedlichsten Firmen – unter anderem Attisholz und Feldschlösschen – geführt hat und derzeit mit dem Aufbau des Biochemieunternehmens Bioferma in Spanien beschäftigt ist. Auf der Strecke blieb ein frustrierter Walter Güntensperger, langjähriger Chef des Hotelplan-Geschäftsbereiches Schweiz. Ihm hätten sowohl Lerch wie Fankhauser die Führung des Gesamtunternehmens zugetraut.

Branchenintern wird Zubers überraschende Ernennung als ein überstürzter Verzweiflungsakt wahrgenommen. Die Hektik erstaunt erst recht, weil Niederer gern noch das eine oder andere Jahr angehängt und sich so Zeit für eine Nachfolgeregelung genommen hätte.

Gefahren birgt der erzwungene Rücktritt einige. Niederer, der für die Migros einst deren marode Tochter Migrol saniert und zur drittgrössten Schweizer Erdölgesellschaft gepusht hatte, war 1995 an die Spitze des kriselnden Reisekonzerns berufen worden. Mit Niederer folgte ein Rekordjahr dem andern. In den acht Jahren unter seiner Führung hat Hotelplan mehr verdient als zuvor in sechs Jahrzehnten. Niederers Husarenstück war die Gründung der Charter-Airline Belair, für deren drei Maschinen er derart verblüffend gute Leasingverträge aushandelte, dass schon im ersten Jahr eine ausgeglichene Rechnung vorgelegt werden konnte. Sein Charisma und die Beziehungen kamen ihm auch bei der Partnerschaft mit der Hotelkette Iberotel oder beim Turnaround von Interhome und etlichen Auslandgesellschaften zustatten.

«Angesichts der schwierigen Branchensituation ist es glattweg skandalös, einen Niederer mit seinem unschätzbar wertvollen Netzwerk altershalber in die Wüste zu schicken und sich für die zweit- oder drittbeste Lösung zu entscheiden», bringt es Claus Amstalden auf den Punkt. Als Finanzchef und Mitglied der Geschäftsleitung von Hotelplan ist er von Scherrer um seine Meinung befragt worden, doch fiel das Gespräch kurz aus.

«Scherrer hat gar nicht zugehört, ihm fehlten wohl jegliche Argumente», erinnert sich Amstalden. Wie sagte doch Kuoni-Chef Lerch schon vor Zubers Ernennung? «Was ein Mann von aussen nicht haben wird, ist das absolute Vertrauen der Mitarbeiter – in unserem Geschäft ‹more than half the rent›.»

Anton Scherrer kümmert derlei wenig. «Niederer kam seinerzeit auch als Branchenfremder», hält er fest. «Und Verlängerungen sind bis heute in der Migros-Gemeinschaft absolute Ausnahmen.» Eine dieser Ausnahmen ist er selbst. Obwohl auf den Tag genau gleich alt wie Niederer, darf er infolge einer Vereinbarung zwischen dem Genossenschafts-Bund und den Genossenschaften fast ein Jahr länger bleiben.