Shell ist dank Öl zum Milliardenkonzern geworden. Von diesem angestammten Geschäft mit dem fossilen Rohstoff will der niederländisch-britische Konzern nun aber nicht mehr viel wissen: In den nächsten zehn Jahren will Shell zum weltgrössten Energiekonzern werden – und diesen Strom dabei grösstenteils klimafreundlich herstellen. «Mit unserer Marke, unserer globalen Präsenz und in Verbindung mit unserem Gasgeschäft, durch welches wir uns überall das günstigste Gas sichern, sollte uns das gelingen», sagte der Chef von Shells Gasgeschäft, Maarten Wetselaar, der «Financial Times».

Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, will Shell massiv investieren: Ein bis zwei Milliarden Dollar sollen jährlich in erneuerbare Energiequellen fliessen. Nach einigen Jahren will Shell diesen Betrag aufstocken, «sonst werden wir unser Ziel nie erreichen», sagte Wetselaar. Die  Strategie setzt Shell bereits um – kürzlich kaufte der Konzern etwa den deutschen Batteriehersteller Sonnen, den britischen Elektrizitätsversorger First Utility und den E-Ladestationbetreiber New Motion.

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Hoher CO2-Ausstoss: Noch 2012 heizte Shell kräftig das Klima auf.

Quelle: Statista
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Shell glaubt, dass künftig viel mehr Elektrizität benötigt wird. Heute macht Strom rund 20 Prozent des weltweiten Energiemixes aus – dereinst dürfte der Anteil auf 50 Prozent steigen. Es sei nicht eine Frage von ob, sondern wann, sagte Shell-Manager Wetselaar.

Trotz der grossen Pläne: Heute verdient Shell sein Geld mehrheitlich mit Öl. Die Produktion und Verarbeitung der fossilen Energiequelle machen zwei Drittel des Geschäfts aus. Ein Viertel stammt aus der Gasförderung, zehn Prozent umfassen Chemikalien und andere Geschäftszweige. In zehn Jahren soll die Rechnung anders aussehen. Gas, Öl und Elektrizität sollen je einen Drittel der Aktivitäten ausmachen, der Anteil von Chemikalien soll weiterhin zehn Prozent betragen. Strom werde nicht mehr lange ein langweiliges, vorhersehbares Geschäft sein, glaubt Wetselaar. Das sei eine ausgezeichnete Chance für Leute, die etwas vom Stromhandel verstünden. «Und wir sind sehr gut im Energiehandel», sagte der Shell-Spitzenmanager.

(mbü)