Es hätte der letzte grosse Auftritt von Swisscom-Chef Urs Schaeppi vor den Medien werden sollen, bevor er Ende Mai das Amt an Nachfolger Christoph Aeschlimann übergibt. Der Telekomkonzern hatte zur Überraschungs-Medienkonferenz auf der Showbühne im Zürcher Konzertlokal Xtra geladen. «Der nächste grosse Schritt» sei zu erwarten, hiess es im Vorfeld.

Was dann kam, war zwar interessant, aber bei weitem nicht die Revolution im Fernmeldewesen. Die Abos des Staatskonzerns heissen neu – wie schon Fernsehen und Kino – «Blue», und lösen frühere «innovative» Bezeichnungen wie «Inone» oder «Infinity» ab. Die Leistungen und Preise werden leicht angepasst. Es gibt etwas mehr von allem.

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Am spannendsten vielleicht noch: Die Swisscom führt ein, was sie als Dienstleisterin für Banken schon länger ermöglicht: das digitale Onboarding. Man kann jetzt papierlos Kunde werden und direkt vom Handy aus ein neues Abo abschliessen. Eine neue App soll das Handling mit Dienstleistungen und Abos vereinfachen, eine digitale Assistenz namens Sam soll mit künstlicher Intelligenz beraten. Das tönt gut und zeitgemäss.

Das Ganze erinnert an das 2020 mit viel Brimborium eingeführte Bankenpaket CSX der Credit Suisse. Keine Revolution, aber ein anständiges digitales Angebot. Und wie bei der CS fährt bei der Swisscom nun günstiger (auf hohem Niveau), wer primär digitale Beratung wünscht. Der Verzicht auf den persönlichen Kundendienst führt zu einem Zusatzrabatt von 10 Franken pro Monat.

Das wahre Gesicht – und die wahre Herausforderung – der Swisscom zeigte sich dann aber ein paar Stunden später. Am Dienstagabend lief plötzlich nichts mehr bei Schweizer Marktführer. Das Internet funktioniere nicht mehr, las man auf Twitter. (Allerdings nur von Swisscom-Kunden. Überall sonst auf der Welt funktionierte das Web offenbar noch.)

Websites der Swisscom waren nicht mehr erreichbar, die Telefonverbindungen blieben still und – besonders pikant in der TV-Primetime – auch das Fernsehen der Swisscom lief offenbar während einer halben Stunde nicht mehr. Statt mehr Bandbreite, wie versprochen, plötzlich deutlich weniger. Eine Medienmitteilung dazu auf der Website? Fehlanzeige. Bloss Statements über die Social Media, wonach das Fernsehen «mehrheitlich» funktioniert habe und sich «die Situation wieder beruhigt» habe. 

Vermutlich war geplant, dass CEO Schaeppi mit dem «Blue»-Relaunch zum Ende seiner Laufzeit mit einer «Innovation» noch einmal eine Duftmarke hinterlassen kann, um sich so adäquat in eine Reihe mit seinen Vorgängern zu stellen. Mit der Grosspanne am gleichen Tag hat der Telekomkonzern diese allerdings mit einem Beigeschmack ergänzt, den ihre Kundinnen und Kunden zuletzt nur zu gut kannten. Dumm gelaufen.