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Verpackung und Ladungssicherung
Sicher ist nicht gleich sicher

Be-/Entladung an der Rampe bei Dachser

Mängel bei der Ladungssicherung und Warenverpackung können zu folgenschweren Unfällen führen und gravierende Folgen für Mensch und Umwelt haben.

Von Dachser
am 09.04.2013

Unter Mitwirkung von Fachexperten hat Dachser Schweiz in verschiedenen Praxistests eindrücklich aufgezeigt: Es besteht Handlungsbedarf. Einfache aber wirkungsvolle Tipps geben Sicherheit mit auf den Weg.

Die Zahlen zur Transportsicherheit sprechen eine eindeutige Sprache: Gemäss einer Untersuchung der Kantonspolizei Basel-Stadt verfügen mehr als die Hälfte aller Lastwagen über keine oder nur geringe Ladungssicherung. Trotzdem wird der Stellenwert von transporttüchtiger Verpackung und Ladungssicherung oftmals unterschätzt. Und das obwohl ein Grossteil der Transport- und Fahrzeugschäden mit den richtigen Vorsichtsmassnahmen vermieden werden könnten. Das bestätigen auch Sicherheitsexperten wie Markus Steinhauer, Gefahrgutbeauftragter bei der Beratungsfirma SafeConsult: «20 bis 25 Prozent aller Lastwagenunfälle sind auf solche Mängel zurückzuführen.»

Zeitaufwand lohnt sich
Ebenfalls grossen Handlungsbedarf sieht Rudolf Sander. Der Sachverständige und Prüfingenieur bei der weltweit führenden Expertenorganisationen DEKRA nimmt die Verlader und Chauffeure in die Pflicht: «Die sachgerechte Verpackung und Lieferung ist natürlich mit Mehrkosten und zeitlichem Aufwand verbunden. Doch langfristig zahlen sich die Massnahmen aus, denn für Schäden, die durch nicht ordnungsgemässe Ladungssicherung eingetreten sind, haften sie beide gleichermassen.»

Selbst wenn ein besonderes Augenmerk auf die Ladungssicherung gelegt wird, können bereits kleine Fehler das Schadensrisiko erhöhen und viel Geld kosten. Ein falsch angelegtes Sicherungsmittel zum Beispiel reicht schon aus, um die Packstücke zu beschädigen. Besondere Vorsicht ist beim Transport, Lagern und Umfüllen von Gefahr-stoffen geboten. «Wer mit schlecht oder überhaupt nicht gesichertem Transportgut unterwegs ist, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmende in hohem Masse. Solche Unfälle verursachen Mehrkosten und schaden schlussendlich dem Ruf von Spediteuren», betont Sander.

Mögliche Folgen im Live-Test
Doch wie sehen solche Gefahren in der Praxis konkret aus? Wie kann ein schadenfreier Transport garantiert werden? In einer Live-Demonstration mit einem Lkw führte Rudolf Sander für Dachser Schweiz die Antworten eindrücklich vor Augen.

Mit acht unterschiedlich verpackten Ladungen testet der DEKRA-Ingenieur jeweils bei 35 bis 40 km/h eine Kurvenfahrt und eine Vollbremsung. Bei der ersten Versuchsreihe dienen mit Wasser gefüllte Kanister als Testobjekte. Zwei davon werden nebeneinander auf einer Palette mit vier Lagen Folie befestigt. Der Versuch wird mit 10, 14 und 24 Kanistern wiederholt. Trotz des immer grösser werdenden Gewichts übersteht keine der Ladungen die Kurvenfahrt. Die Ergebnisse der Versuche zeigen also, dass bereits kleinste Brems- oder Ausweichmanöver gewaltige Kräfte entwickeln. Auch der zweite Versuch mit zwei 200-Liter-Kunststoffässern misslingt: Weder die mit einer vierlagigen Folie befestigte Variante überzeugt beim Live-Test, noch der zweite Versuch mit einer zweifachen vertikalen Bänderung. Erst das dritte und letzte Experiment mit zwei 200-Liter-Stahlfässern, die zweifach vertikal gebändert werden, veranschaulicht, dass eine spezifische Verpackung Sicherheit bietet. Auch das Bremsmanöver gelingt in dieser Konstellation, indem auf die zwei Fässer eine rechteckige Spanplatte gelegt und vier-fach vertikal gebändert wird.

Einfache Tipps mit grosser Wirkung
Mit ein bisschen Mathematik lassen sich einfach Gefahren aus dem Weg räumen: Um zu prüfen, ob die Ladung während des Transports starke Belastung aushält, empfehlen sich beispielsweise Kippversuche vor der Verladung. Für die Sicherung gegen Querbeschleunigung darf die Ladung bei einem Kippwinkel von 27 Grad nicht verrutschen. Bei der Sicherung gegen Längsbeschleunigung muss die Ladung in einem Kippwinkel von 39 Grad überstehen.


Kippversuch beim Live-Test auf dem Dachser-Areal in Regensdorf


200-Liter-Stahlfässer, zweifach vertikal gebändert, sind sicher verpackt

Die häufigsten Verpackungsfehler aus der Praxis

Tipp 1: Polyester (PET)

Auf die hier abgebildeten Metallbänder sollte grundsätzlich verzichtet werden. PET-Verpackungsband eignet sich besser. Dessen Festigkeit ist vergleichbar mit Stahlbändern, mit dem Unterschied, dass PET-Bänder elastischer sind und sich somit für Verpackungsgüter eigenen, die ihren Umfang durch Wärme oder Erschütterung verändern. Nach einer Zugbelastung zieht sich das PET wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Aufgrund dieser Elastizität kommt es beim PET-Band zu keiner Beschädigung an den Kanten des Verpackungsgutes.

Tipp 2: Reibung ermöglichen

Ist die Ladung viel kleiner als die Palette, wie hier abgebildet ist, besteht die Gefahr, dass die Folie reisst. Hier empfiehlt sich daher eine zusätzliche Sicherung mit PET-Verpackungsband.

Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass zwischen dem Transportgut und der Palette eine Reibung besteht. Bei geringer Reibung, wie beispielsweise bei Kunststoff oder Metall auf Holzpalette, ist ein höherer Sicherungsaufwand notwendig. Eine Möglichkeit besteht darin, einen beschichteten Wabenkarton auf die Holzpalette als Unterlage zu legen oder mit Kunststoffecken zu fixieren, damit die Ladung nicht verrutschen kann.

Tipp 3: Ladungen mit Rundungen

Bei einer Ladung mit Rundungen, wie zum Beispiel bei Fässern, können die Verpackungsbänder verrutschen. Hier empfiehlt es sich, eine viereckige Auflage (Spanplatte oder beschichteter Wabenkarton), damit die Bänder möglichst senkrecht gespannt werden können.

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