Schön in Reih und Glied stehen sie da, penibel beschriftet, hunderte von Einmachgläsern, durch deren Wände farbige Substanzen schimmern. Nicht minder eindrucksvoll nehmen sich die Schaukästen aus, in denen Sicpa-Aarberg jene Produkte präsentiert, zu deren Erscheinungsbild man als Druckfarbenfabrikant ein Wesentliches beiträgt. Ob Mars, ob Pepsi, ob Marlboro: Ohne Seeländer Know-how würde so manch ein Produkt des westlichen Alltags ziemlich fad daherkommen. Zumindest, was seinen Auftritt im Regal und damit auf dem Markt anbelangt.

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Ein dezentes Silber fürs Parfüm von Jenifer Lopez

«Die Farbe ist es, die ein Produkt zu etwas Wertvollem macht», sagt denn auch Peter Hilpert, Managing Director von Sicpa-Aarberg. Seine Hand greift nach einer kleinen Schachtel dezente Grundierung, silberner Schriftzug: «Das neue Parfüm von Jenifer Lopez», verrät Hilpert. Der Name, das Design und die Farbe, sie werden dafür sorgen, dass sich das Duftwässerchen der Latin-Queen gewinnbringend verkaufen lässt. Das olfaktorische Argument dürfte für die Kundschaft diesbezüglich wohl eher zweitrangig sein.

Seine Wurzeln hat das in Bargen bei Aarberg beheimatete Unternehmen, das in diesem Jahr mit 145 Angestellten einen Umsatz von gegen 70 Mio Fr. erwirtschaftet, in der Chemischen Fabrik Aarberg, kurz CFA. Mitte der 50 Jahre fabrizierte diese Farben und Lacke unter anderem für Joghurtdeckel, Schokoladepapier oder Käseverpackungen. 1993 wurde die CFA an die im waadtländischen Prilly domizilierten Sicpa-Gruppe verkauft, welche mit der Herstellung von Sicherheits- und kommerziellen Druckfarben einen jährlichen Umsatz von rund 1,1 Mrd Fr. macht und im Besitz der Familie Amon steht. Mit der Einbindung in den weltweit tätigen Grosskonzern und der bereits drei Jahre zuvor eingeleiteten Konzentration auf Farben für Primärverpackungen begann für das Seeländer Unternehmen der wirtschaftliche Aufschwung. Innerhalb von gerade mal dreizehn Jahren konnte der Umsatz verdreifacht werden.

Und die Aussichten für die nächsten Jahre seien ebenfalls nicht schlecht, bemerkt Hilpert: «Anders als andere Branchen sind wir als Hersteller von Farben für den Verpackungsbereich nicht allzu stark von Konjunkturschwankungen betroffen; im Gegenteil, sind die Zeiten nicht rosig, greift der Konsument zur Kompensation gerne nach etwas Schönem, Ästhetischen.» Diese Erfahrung auf jeden Fall habe man in letzter Zeit machen können.

Das Geschäft mit Verpackungsfarben ist international, sowohl was die Konkurrenz als auch die Kundschaft von Sicpa betrifft. Rund 80% des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Ausland, die Belegschaft ist multinational, die Geschäftssprache zumindest in den oberen Etagen Englisch. Kann ein dermassen länder- und kontinentübergreifend vernetzter Betrieb die Karte «Swiss Made» überhaupt spielen? Finanzchef Adrian Karlen muss nicht lange überlegen: «Was zählt ist Qualität und Zuverlässigkeit. Dafür ist die Schweiz als Produktionsstandort zwar bekannt, Geld verdienen lässt sich mit diesem Ruf alleine jedoch nicht. Es kommt schon darauf an, was man dem Kunden an Zusatznutzen bieten kann.»

40000 verschlüsselte Farben

Dazu gehörten heutzutage unabdingbar Innovation und Flexibilität. Von den 145 Angestellten der Sicpa-Aarberg sind denn auch alleine 30 im Forschungsbereich tätig. Und um stets lieferbereit zu sein, führt der chemische Betrieb ein Verzeichnis mit über 40000 Farbrezepturen, die im Endeffekt allesamt für das typische Erscheinungsbild eines Produktes stehen. Eines Duschmittels etwa, einer Fertigrösti oder eines Energydrinks. «Unsere Auftraggeber sind fast ausnahmslos Stammkunden», so Managing Director Hilpert, «das Geschäft mit den Verpackungsdruckfarben ist ein Geschäft mit Vertrauen; weder wir noch unsere Kunden können sich Fehler leisten.»

Entsprechend umfangreich sind auch die Sicherheitsmassnahmen im Produktionsbetrieb. Zahlreiche Kontrollen hat ein Farbgemisch zu durchlaufen, bevor es ausgeliefert werden kann. Die Rezepturen werden in verschlüsselter Form aufbewahrt. Ordert eine Druckerei eine Farbe, um damit zum Beispiel der Verpackung eines Schokoriegels das bekannte Outfit zu verleihen, kann diese innert kürzester Zeit produziert werden.

Computer und Rührkessel

Ein bisschen länger dauert es, muss für ein Produkt ein farblich völlig neues Erscheinungsbild hergestellt werden. «Normalerweise nimmt eine solche Entwicklung von der ersten Besprechung bis zur Auslieferung zwei Wochen Zeit in Anspruch», sagt Hilpert, «wir haben das aber auch schon an einem einzigen Tag geschafft.» Dies allerdings soll dann doch die Ausnahme bleiben. Flexibilität hin oder her.

Rund 20000 verschiedene Aufträge so genannte «Batches» wickelt man bei Sicpa-Aarberg jährlich ab, das sind um die 6500 Tonnen Farbe, die in ihrem Mischverhältnis vom Computer berechnet und in grossen Rührkesseln hergestellt werden. Die Herausforderung bei der Produktion der Verpackungsdruckfarben besteht vor allem darin, dass diese der internationalen Gesetzgebung entsprechen, gerade bei Lebensmitteln frei von Giftstoffen sind und eine hohe Beständigkeit, etwa was den Abrieb anbelangt, aufweisen.

Und «amächelig» muss sie auch daherkommen. Wie etwa das spiegelnde Silber, mit dem ein Sekt-Hersteller die Etikette auf seinen Flaschen versieht. Das luxuriöse Strahlen ist der wertvollste Bestandteil der Farbenpalette von Sicpa-Aarberg: 450 Fr. pro Kilokübel kostet der Eye-catcher. Eine einfache Grundfarbe gibts günstiger. Gelb oder Rot sind schon ab 10 Fr. das Kilo zu haben.


Firmen-Profil

Firma: Sicpa-Aarberg AG, Verpackungsdruckfarben, Aarberg

Internet: www.sicpa.com

Gründung: 1953 als Chemische Fabrik Aarberg AG, seit 1993 Teil der Sicpa-Gruppe

Managing Director: Peter Hilpert

Umsatz 2003: 68 Mio Fr.

Beschäftigte: 145

Produkte: Entwicklung und Herstellung von Farben für Verpackungen und Etiketten