Mitarbeiter von Siemens sollen auch nach der Corona-Pandemie nicht mehr jeden Tag in ihr angestammtes Büro kommen müssen. Die Geschäftsleitung habe ein «New Normal Working Model» verabschiedet, das ortsunabhängiges Arbeiten in weit grösserem Ausmass als bisher möglich machen soll.

«Ziel ist, dass alle Beschäftigten weltweit im Schnitt zwei bis drei Tage pro Woche mobil arbeiten können - und zwar immer dann, wenn es sinnvoll und machbar ist», teilte der Münchner Technologiekonzern am Donnerstag mit.

«Damit verbunden ist auch ein anderer Führungsstil, der sich an Ergebnissen orientiert, nicht an der Präsenz im Büro», sagte der designierte Konzernchef Roland Busch.

Das Home Office darf überall sein

Bei dem Konzept gehe es ausdrücklich nicht nur um Arbeiten am heimischen Schreibtisch, wie es in der Coronakrise wegen der Ansteckungsgefahr für bis zu 300'000 Siemens-Mitarbeiter Alltag geworden war. Jeder Mitarbeiter soll – in Absprache mit seinem Vorgesetzten – den Arbeitsort wählen, an dem er am produktivsten sei.

Das könnten auch gemeinsame Büros ausserhalb der Siemens-Standorte sein, etwa wenn der Weg dorthin kürzer ist. Absprachen seien etwa durch Online-Konferenzen möglich, von denen es schon jetzt bei Siemens über 800'000 pro Tag gebe. «Präsenz-Zeiten im Büro sollen das mobile Arbeiten sinnvoll ergänzen», hiess es in der Mitteilung.

Mobiles Arbeiten bietet Vorteile

Die Pandemie habe gezeigt, dass das mobile Arbeiten in weit grösserem Rahmen möglich ist als bisher gedacht und sogar viele Vorteile biete, erklärte Siemens. Das Konzept, das während der Corona-Pandemie erarbeitet worden sei, solle sofort umgesetzt werden. Es gelte für mehr als 140'000 Mitarbeiter an rund 125 Standorten in 43 Ländern.

Der erzwungene massenhafte Wechsel ins «Home Office» hat bei vielen Firmen zu einem Umdenken in Bezug auf die Organisation der Arbeit geführt.

Eine der Erkenntnisse ist auch, das sich teure Dienstreisen vielfach durch Online-Besprechungen ersetzen lassen. Allianz-Chef Oliver Bäte hatte Reuters kürzlich gesagt, er rechne damit, dass sich die Reisekosten bei dem Versicherungsriesen um die Hälfte und die Büroflächen auf längere Sicht um 30 Prozent reduzieren liessen.

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(reuters/mbü)