Der Schweizer Bauchemiekonzern Sika will seine geplante Übernahme durch die französische Saint-Gobain mit rechtlichen Mitteln torpedieren. Der Verwaltungsrat verweigert dem Mehrheitsaktionär, der Sika-Gründerfamilie Burkard, die Einberufung einer Aktionärsversammlung. Die Familie will die Versammlung, auf der die Machtübertragung vollzogen werden soll, ihrerseits mit rechtlichen Mitteln erzwingen. Damit zeichnet sich ein juristisches Kräftemessen ab, dass die Transaktion zumindest verzögern könnte.

Mit der Sika-Ankündigung vom Montag verhärten sich die Fronten weiter. Schon als Saint-Gobain im Dezember angekündigt hatte, das Aktienpaket der Gründerfamilie für 2,75 Milliarden Franken zu kaufen, zeigte die Sika-Spitze den Franzosen die kalte Schulter. Ein kürzliches Gespräch zwischen den Streithähnen brachte keine Einigung. «Das ist ein feindlicher Übernahmeversuch», erklärte Sika-Präsident Paul Hälg auf einer Pressekonferenz. Hälg hat zusammen mit anderen Verwaltungsräten und dem Konzernchef seinen Rücktritt angekündigt, falls die Transaktion wie von Saint-Gobain geplant über die Bühne geht.

Saint-Gobain will Anteil der Holding übernehmen

Saint-Gobain will den Anteil der Schenker-Winkler Holding übernehmen. Das Paket entspricht zwar nur einem Kapitalanteil von 16 Prozent, hat aber einen Stimmenanteil von 52 Prozent. Damit kann die Familie den Verwaltungsrat nach Belieben besetzen und die Kontrolle über das Unternehmen übernehmen. Um die Zügel zu übernehmen und die Transaktion durchzuwinken, fordert die Schenker-Winkler Holding eine Aktionärsversammlung.

Dagegen wehrt sich Sika. Auch für die Holding gelte die Stimmrechtsbeschränkung von fünf Prozent, die geschaffen worden sei, um eine feindliche Übernahme zu verhindern, erklärt Sika und untermauerte dies mit einem Rechtsgutachten des bekannten Rechtsprofessors Peter Nobel. «Es gibt gute Gründe, dass die Beschränkung auf fünf Prozent auch für die Zukunft gilt», erklärte Nobel. In dem Fall könnte Sika den Machtwechsel im Verwaltungsrat wohl verhindern, denn über 35 Prozent der Aktionäre stützen Sika zufolge den Kurs des Verwaltungsrats. Dazu gehört auch die Stiftung von Microsoft -Gründer Bill Gates.

«Kommt einer Enteignung der Familie gleich»

«Das vom Sika-Verwaltungsrat beschlossene Vorgehen kommt einer Enteignung der Familie gleich», erklärte hingegen deren Holding und warf dem Gremium Verzögerungstaktik vor. Eine gerichtliche Entscheidung könnte sich über mehrere Instanzen ziehen. Kepler-Analyst Martin Flückiger erwartet, dass die Transaktion dadurch um bis zu drei Jahre verzögert werden könnte. Saint-Gobain-Chef Pierre-Andre de Chalendar hat in der Vergangenheit erklärt, nur bei Einwänden der Kartellbehörden auf die Übernahme verzichten zu wollen.

An der Börse positionierten sich Anleger in den vergangenen Tagen zunehmend für ein Scheitern des Deals. Am Montag kletterten Sika um 2,2 Prozent, während Saint-Gobain 1,5 an Wert verloren. Nach der Ankündigung der Übernahme waren die Sika-Aktien eingebrochen, weil die Anleger daran zweifelten, ob das Unternehmen den Erfolgskurs unter der Kontrolle von Saint-Gobain fortsetzen kann.

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(reuters/ccr)

Die Sika-Führung will den Stimmrechtsanteil der Gründerfamilie auf fünf Prozent beschränken. Sikas Verwaltungsratspräsident Paul Hälg äussert sich dazu im Video-Interview.