Joseph S. Blatter, dem Schweizer Anführer der Fifa, droht dieselbe Prozedur wie bei jeder Fussball-WM zuletzt - alle pfeifen. In Südafrika mutet das erstaunlicher an als bei den Turnieren in Japan/Südkorea 2002 oder in Deutschland 2006, wo reiche Gastgeberländer in den üblichen Knebelvertrag eingewilligt hatten: Sie bezahlen die Zeche für die Riesensause. Die Fifa sahnt kräftig ab, in Deutschland allein 2,2 Mrd Dollar.

Von Südafrika erwartet Blatter mehr Dankbarkeit, schliesslich hat er gegen Bedenken aus aller Welt die WM dorthin verfrachtet. Vor dem grossen Spektakel dämmerte den Ausrichtern aber, dass sie keinen Deut besser dran sind als ihre Vorgänger: Als Blatter ihnen 2004 den Zuschlag besorgte, brauchte der Fifa-Präsident Afrikas Stimmen für seine Wiederwahl ins lukrative Amt, das ihm jährlich etwa 1 Mio Dollar Gage beschert.

Südafrikaner gehen leer aus

Auf politisches Kalkül liess er wirtschaftliches folgen: Spätestens seit die von der Fifa angeheuerte Agentur Match, an der Blatters Neffe Philippe beteiligt ist, im März 441 695 blockierte Hotelbetten wieder freigab, weil sich zu ihren Wucherpreisen keine Interessenten fanden, ist den Südafrikanern klar, dass die Fifa auf ihrem Rücken Geld scheffelt. Laut Blatter hat man vom Vermarkter Match für Südafrika 2010 eine Garantie von 120 Mio Dollar - für Deutschland 2006 waren es 230 Mio Dollar.

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Während Hoteliers und Verkäufer ihre Erwartungen enttäuscht sehen, kalkuliert die Fifa für 2010 munter um 1 Mrd Dollar höhere Einnahmen als 2006. Werden in Südafrika gerade Strassenhändler rigoros gegängelt, weil sie keine Lizenzgebühren entrichten, so profitieren im grossen Stil ausländische Unternehmen: Europäer, die am Stadionbau mitwirkten, Asiaten, die Fanartikel herstellten.

Nächste Amtszeit absichern

Sorgfältig lenkt der Fifa-Boss die Geldströme: Den Wohlstand, den zuletzt Fernsehsender mit 650 Mio Dollar oder Sponsoren mit 277 Mio Dollar beschert haben, versteht Blatter so geschickt einzusetzen, dass er sich als Gutmensch geriert, obwohl er nur seinen Machterhalt finanziert: 172 Mio Dollar pumpte die Fifa aus ihrem Rekordertrag von 1,059 Mrd Dollar 2009 in Entwicklungsprojekte.

Bei so viel Grosszügigkeit sieht sich mancher Fifa-Delegierte verpflichtet, seine Dankbarkeit mit einer Stimme für Blatter, dessen dritte Amtszeit seit 1998 nächstes Jahr ausläuft, zu beweisen. «Ich habe meine Mission noch nicht erfüllt», sagte Blatter vor zwei Wochen zum Abschluss des 60. Fifa-Kongresses, «ich bin bereit und motiviert für eine weitere Amtszeit.»

Weil er sich seit seiner Ernennung zum Generalsekretär vor fast 30 Jahren seinen Weg gebahnt hat, misslangen alle Revolten, obwohl stetige Skandale ein gestörtes Verhältnis zu einwandfreier Ethik nahelegen. Inzwischen hat Blatter als Präsident seine Herrschaft optimiert: Regelmässig sichert er sich ab, indem er Leute in Kernpositionen seines Stabes austauscht.