Eine erste – und vorläufige – Bilanz fällt positiv aus: Die Schweizerinnen und Schweizer haben vor Weihnachten wieder ordentlich eingekauft. Gerade die stationären Detailhändler profitierten davon, dass viele Konsumenten ihre Geschenke sehr kurzfristig eingekauft haben. Die letzten Tage vor Weihnachten zählen nach wie vor zu besten Verkaufstagen des Jahres.

Insbesondere ab Mitte Dezember seien die Kundenfrequenzen sehr hoch gewesen, sagt Sofia Conraths von der Warenhauskette Manor. «Die Weihnachtszeit ist weiterhin der klare Jahreshöhepunkt», ergänzt sie.

Erfreuliches Weihnachtsgeschäft

Überhaupt berichten die Geschäfte – zum Beispiel jene an der Zürcher Bahnhofstrasse – von einem sehr guten und erfreulichen Weihnachtsgeschäft. «Dazu beigetragen hat, dass in diesem Jahr die Verkaufs- respektive die Festtage vorteilhaft lagen», sagt Anthony Welbergen von der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse.

Allerdings: Die guten Neuigkeiten aus dem Weihnachtsgeschäft kontrastieren mit den anhaltend schlechten Meldungen aus dem Detailhandel über das ganze Jahr. Üblicherweise dominieren die Stichworte Leerstand, Pleiten und sinkende Ladenmieten die Diskussionen im Handel.

Also stellt sich die Frage: Wie gut – oder schlecht – geht es dem stationären Detailhandel in der Schweiz wirklich? Hinweise darauf gibt die aktuelle Studie «Retail Switzerland 2018/19» des Immobilien-Dienstleisters CBRE. Sie untersucht den Markt für Läden in den wichtigsten 25 Einkaufsstrassen der Schweiz, in sechs Städten.

Kaum Leerstände

Die Resultate zeigen: Allen Unkenrufen zum Trotz lebt der stationäre Detailhandel. Leerstände sind – jedenfalls an den besten Lagen – kaum ein Thema. Im schweizweiten Durchschnitt standen im dritten Quartal 2018 gerade mal 1,1 Prozent der Ladenflächen leer. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede:

Anzeige

Die Grafik zeigt: In etwas mehr als der Hälfte der Schweizer Einkaufsmeilen gibt es keinen Leerstand. Wo die Frequenzen an Passanten hoch sind und wo viele Touristen flanieren – etwa in der Berner Spitalgasse, in der Zürcher Bahnhofstrasse oder am Schwanenplatz in Luzern – sind alle Ladenlokale vermietet.

Es lohnt sich nur noch an den besten der guten Lagen

Allerdings gibt es durchaus Einkaufsmeilen, wo die Immobilienbesitzer Vermietungsprobleme haben: etwa an der Freie Strasse in Basel, an der Löwenstrasse in Zürich und insbesondere an der Rue Saint-François in Lausanne. Am Beispiel Zürich – null Leerstand an der Bahnhofstrasse, spürbarer Leerstand am Rennweg und in der Löwenstrasse – zeigt sich: Je mehr die Konsumenten online bestellen, desto mehr müssen die Retailer an den allerbesten Lagen präsent sein – auch wenn die Ladenmieten dort am höchsten sind:

Allerdings spüren die Immobilienbesitzer auch an 1A-Lagen einen gewissen Druck bei den Mieten, wie der CBRE-Report festhält: «Die Mieten haben ein Niveau erreicht, das viele Retailer nicht mehr bereit sind zu bezahlen.» Eine Reihe von Detailhändler könnten es sich nicht mehr leisten, mit einem Geschäft Verluste zu machen.

Schwache Nachfrage nach grossen Läden

Der Druck auf die Mieten manifestiere sich allerdings weniger bei den Mieten selbst als vielmehr bei den so genannten Schlüsselgeldern, so CBRE weiter. Schlüsselgelder wurden – und werden – bezahlt, um den Vormieter aus seinem Mietvertrag auszukaufen und selbst Mieter zu werden. Mittlerweile gebe es – auch in Zürich – den umgekehrten Trend: Dass nämlich der Vormieter den Nachmieter dafür bezahlte, den Mietvertrag zu übernehmen.

Gleichzeitig stellen die Retail-Profis von CBRE fest, dass die Nachfrage nach Läden im Erdgeschoss bis zu einer Grösse von maximal 400 Quadratmetern nach wie vor intakt sei. Grosse, mehrgeschossige Ladenflächen, die etwa für internationale Ketten wie Topshop, Reserved, Primark oder Uniqlo interessant wären, würden allerdings «signifikant schwach» nachgefragt.