Mark Furrer weiss, wie er seine Kunden zufrieden macht: Mit einer App zur theoretischen Fahrprüfung. Furrer hat keine Fahrschule und ist kein Fahrlehrer, er verkauft aber mit «Fahrlehrer24» eine der beliebtesten Apps der Schweiz. Das Lernprogramm für 19.80 Franken können Nutzer auch als PC-Programm kaufen. Doch Furrer verkauft das Programm zu 70 bis 80 Prozent via App. Das Geschäft mit Inhalten für mobile Geräte wie das Smartphone laufe gut, er verdiene damit Geld - auch wenn Unternehmer Furrer die Einnahmen mit Konzernen wie Apple und Google teilen muss. Sie stellen die Plattform für Apps bereit.

Das Smartphone ist nicht nur zur Fernbedienung des Lebens geworden, um Mails zu verschicken, Nachrichten zu lesen, Bilder auf Facebook zu posten und die Musikanlage im Wohnzimmer per App zu steuern. Die mobilen Geräte sind zum wichtigen Absatzkanal geworden. Der Mensch von heute führt den Kauf-Knopf ständig bei sich. Und drückt ihn. Das Smartphone wird zum Umsatz- und Gewinnbringer.

Umsatz via Smartphone bis 2 Milliarden Franken

Gemäss dem Beratungshaus Carpathia werden in der Schweiz  jährlich Waren und Dienstleistungen für 1 bis 2 Milliarden Franken via Smartphone umgesetzt. Dabei wachse einerseits der Mobilanteil bei Einkäufen in klassischen Webshops, sagt Carpathia-Geschäftsführer Thomas Lang, doch ebenso begehrt seien Services jeglicher Art: «Als starke Treiber sehen wir Bahn-, Flug-  und Konzerttickets sowie Hotelbuchungen.»

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Und es häufen sich sogenannte In-App-Käufe: Leute, die auf ihren Handys spielen, können innerhalb der Games für ihre Spielfiguren Eigenschaften hinzukaufen und so ihre Kämpfer stärken. Hier 1 Franken, dort 50 Rappen fürs mobile Heldentum - da läppert sich etwas zusammen.

Bei Zalando schlägt Mobile den Desktop

Die Relevanz des Mobilgeschäfts zeigt sich beim  Online-Versender Zalando. «Dieser Kanal ist sehr wichtig und wächst rasant», sagt Christian Drehkopf, Mobile-Chef von Zalando: «Im ersten Quartal 2015 fanden mit 52,6 Prozent erstmals mehr Zugriffe auf die Zalando-Website über mobile Endgeräte als über Desktop-Computer statt. Wir denken, dass noch ordentlich Luft nach oben ist.»

Offen bleibt, ob Zalando-User ihr Smartphone lediglich zum Stöbern nutzen oder ob sie damit auch wirklich einkaufen. Konkrete Zahlen dazu gibt Zalando nicht preis. Offener ist der Schweizer Online-Supermarkt LeShop von Migros: «Mit einem durchschnittlichen Warenkorb von 248 Franken liegen Smartphone-Bestellungen über solchen von Desktop-Computern mit 240 Franken», sagt Chef Dominique Locher. Die Mobilbestellungen - also über Smartphones und Tablets - machen bereits knapp 40 Prozent aller Einkäufe aus.

Smartphone als Post-it-Zettel

Kunden nutzen das Smartphone nicht nur im Tram, Bus oder Zug zum Einkaufen. Sie setzen die Geräte auch in den eigenen vier Wänden für Bestellungen ein. «Aus Kundenbefragungen wissen wir, dass viele Leute das Smartphone zu Hause quasi als Post-it-Zettel benutzen», sagt Locher. «Sie stellen sich vor den Kühlschrank, checken die Bestände und ordern fehlende Positionen gleich sofort.»

Der Einsatz der Smartphones ist bei jüngeren, technikaffinen Menschen besonders beliebt, aber ältere Konsumenten holen auf. So heisst es beim LeShop-Konkurrenten coop@home, dass sich der  Mobile-Kundenkreis erweitert: «Gerade bei den sogenannten Silver Surfern, also Konsumenten, die älter als 55 Jahre sind, tut sich punkto Smartphone-Einkauf viel», sagt Geschäftsleiter Philippe Huwyler: «Sie haben einfacheren Zugriff, weil Apps und Geräte attraktiver und übersichtlicher geworden sind.»

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«Investitionen zahlten sich schnell aus»

Smartphones gewinnen auch beim Medienhändler Ex Libris stark an Gewicht. Geschäfsführer Daniel Röthlin sagt: «Die Investitionen in den mobilen Kanal zahlten sich für uns schnell aus.» Die App von Ex Libris wurde insgesamt über 780 000 Mal heruntergeladen. Jede Woche kommen ein paar 100 Downloads hinzu. «Hinter jedem Download steht ein potenzieller Kunde», sagt Röthlin.

Bei Ex Libris ist allerdings der Umsatz pro mobilen Aufruf des Webshops etwas tiefer als derjenige an einem stationären Computer. Derzeit erfolgen 30 Prozent des Online-Umsatzes über mobile Geräte. Dieser Anteil wächst: «Filme und Bücher vermitteln Emotionen, wir müssen dort sein, wo die Emotion stattfindet. Das ist nicht nur zu Hause», sagt Röthlin und erklärt, dass  Kunden sich nicht einen Buchtitel merken wollten, bis sie daheim am Computer seien, sondern das Buch sofort kaufen möchten.

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Wertvolle Datenspur der Konsumenten

Das Smartphone hat aus Sicht vieler Händler auch deshalb eine immense Bedeutung, weil die Technik es möglich macht, die Kunden besonders gut zu analysieren: Wenn diese Smartphone oder Tablet benutzen, gibt das Anbietern wie coop@home wertvolle Hinweise zum Kaufverhalten der Konsumenten.

Hohe Smartphone-Zugriffe registriert coop@home-Geschäftsleiter Huwyler, wenn viele Pendler im Land unterwegs sind: «Es ist dann, wenn die Schweiz in Bewegung ist, also zwischen 7 und 9 Uhr und zwischen 17 und 20 Uhr. Nach 20 Uhr kommt zu Hause auf der Couch eher das Tablet zur Anwendung.»

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