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Treibstoff
Socars dreckiger Diesel

Socar: Zweiklassen-Gesellschaft beim Diesel.   Keystone

Migros-Partner Socar verkauft in Georgien Diesel mit derart hoher Schwefelkonzentration, dass sogar die äusserst laschen Vorgaben des Schwarzmeer-Staates nicht eingehalten werden.

Von Christian Bütikofer
am 15.05.2014

Ölmulti Socar und sein Eigentümer, der Staat Aserbaidschan, tun vieles fürs Image. So wirbt das Land auf den Trikots von Champions-League-Finalist Atlético Madrid. Socar startete in der Schweiz eine Charme-Offensive, als klar wurde, dass der Konzern hier die Esso-Tankstellen aufkaufte und mit der Migros-Tochter Migrolino ins Geschäft kam.

Eine Image-Kampagne hat Socar offenbar auch in Georgien nötig, obwohl man dort schon den Fussball- und Schachverband sowie das Georgische Olympische Komitee mit Geld versorgt.

Schwefelgehalt zwanzig Mal höher

In Georgien darf der Schwefelgehalt im Diesel-Treibstoff zwanzig mal höher sein, als in der EU und der Schweiz. Die Schwefelwerte in Europa sind bei 10 Teile pro Million (ppm, parts pro million) gedeckelt, in Georgien liegen sie bei 200 ppm. Wie «Studio Monitori» und Organized Crime and Corruption Network (OCCRP) berichten, liefert der staatliche aserbaidschanische Ölkonzern Georgien aber Diesel, der diese Vorgaben bei weitem übertrifft. So analysierte ein Testlabor Socar-Diesel mit Schwefelkonzentrationen zwischen 486 und 609 ppm.

Georgien bezieht drei Viertel des verbrauchten Diesels von Socar. Der Konzern beherrscht in 30 Regionen des Landes die Gasverteilung und betreibt das Ölterminal im Schwarzmeerhafen von Poti.

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