Recherchen des «SonntagsBlick» zeigen: Schweizer Gemüse hat seinen Ursprung oftmals im Ausland. Fast sämtliche Setzlinge sind importiert – ohne dass die Konsumenten das erfahren.

So ziehen holländische Firmen in Marokko Lauch- und Tomatensetzlinge für Schweizer Gemüseproduzenten – konventionelle wie biologische. «Die ersten Bio-Lauch-Setzling der Saison stammen aus Marokko», sagt Bio-Suisse-Sprecher Stephan Jaun, hergestellt auf afrikanischen Bio-Betrieben. «Es wäre nicht möglich, die Setzlinge so früh in der Schweiz zu ziehen.»

24 Tonnen Setzlinge aus Marokko

Rund 12 Wochen stecken die Lauch-Pflanzen in afrikanischen Böden. Danach karrt ein Lastwagen 30 Zentimeter lange Pflänzchen in die Schweiz. Gemüsebauern legen sie in die Erde. Nach der Ernte gelangt das würzige Kraut in die Regale von Migros und Coop – als Schweizer Lauch. 24 Tonnen Setzlinge importierten Schweizer Gemüseproduzenten und Bio-Bauern letztes Jahr aus dem nordafrikanischen Königreich, berichtet der «SonntagsBlick».

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Marokko ist längst nicht einzige Geburtsstätte von Schweizer Gemüse. Fast das gesamte konventionelle Sortiment entwächst fremden Keimlingen, bei Bio ist es rund die Hälfte. «Ohne ausländische Jungpflanzen würde in der Schweiz kein Gemüse wachsen», sagt Franz Krifter, Geschäftsführer der Firma Hawalo Swiss zu «SonntagsBlicks».

500 Millionen konventionell gezogene Jungpflanzen gelangten jedes Jahr in die Schweiz, schätzt Krifter. 90 Millionen werden hierzulande gezogen. «Doch selbst diese sind nicht einfach schweizerisch», so Krifter.  «Die Keimlinge spriessen aus ausländischem Saatgut und wachsen in ausländischer Erde.»

Ins Land kommen sie aus allen Herren Ländern, in grosser Anzahl. Laut Zollverwaltung importierten Gemüseproduzenten letztes Jahr 43326 Tonnen Setzlinge mitsamt Erde für 35,5 Millionen Franken.

Die später eingebürgerten Pflanzen reisten aus 13 Staaten an, darunter Marokko und Spanien, Belgien, Portugal und Frankreich, Holland und Deutschland sind die wichtigsten Lieferanten.

Gemüsse «SonntagsBlick» ist Schweizer Gemüse grösstenteils Adoptiv-Gemüse. Es kann das Gütesiegel Suisse Garantie tragen wegen einer schwammigen Richtlinie. «Wenn importiertes Saat- und Pflanzengut verwendet wird» – eigentlich immer – «muss mindestens 80 Prozent des Zuwachses des Erntegutes (Frischgewicht) in der Schweiz entstehen.»

Das Gesetz stützt Suisse Garantie. «Als vollständig in der Schweiz erzeugt gelten pflanzliche Erzeugnisse», besagt eine Verordnung, «die in der Schweiz geerntet worden sind.»

(aho)