Die Fussball-Bundesliga, die Eis­hockey-WM, aber auch Curling und Galopprennen: Kaum eine Sportart, die nicht von der Zuger Firma Infront Sports & Media vermarktet wird. Jetzt sucht Mehrheitsaktionär Andreas Jacobs einen zusätzlichen Investor. «Wir sind gegebenenfalls auch bereit, die Kontrollmehrheit an Infront abzugeben», sagt er. Anders als in der Presse gemeldet will er die Beteiligung aber nicht ganz abbauen. «Wir sehen gros­se Wachstumschancen für Infront, wollen aber nicht noch zusätzliches Eigenkapital einschiessen», begründet Jacobs den Teilverkauf. Die ­Jacobs Holding ist mit 59,8 Prozent grösster Aktionär. Weitere 40 Prozent liegen bei der deutschen Sportrechtemanagerin Nicole Junkermann, die eng mit dem 2009 verstorbenen Adidas-Chef und ­Infront-Gründer Robert Louis-Dreyfus zusammengearbeitet hat. Zu einem Promillesatz an Infront beteiligt ist Ex-Fussballer und Kommentator ­Günter Netzer, der im Verwaltungsrat des Unternehmens sitzt. Geführt wird die Firma von Philippe Blatter, dem Neffen von Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Jacobs will sich nicht zu Presseberichten äussern, wonach drei Bieter an ­Infront interessiert sein sollen: die englische Private-Equity-Gesellschaft Bridgepoint, ein Staatsfonds aus Abu Dhabi sowie die Qatar Investment Authority (QIA). Sollte Letztere tatsächlich den Zuschlag erhalten, wäre es eine brisante Konstellation. Denn in Katar findet 2022 die Fussball-WM statt. Die Wahl von Katar als Austragungsort wurde von heftigen Korruptionsvorwürfen an die Organisation von Sepp Blatter begleitet.

Die Gesamtbewertung für Infront (Um­satz: 600 Millionen Euro) soll bei bis zu einer Milliarde Euro liegen – ein Vielfaches des Preises, den Jacobs 2002 bei der Übernahme aus der Konkursmasse von Medienunternehmer Leo Kirch gezahlt hat. «Damals wies Infront grosse Risiken auf, besonders was die Kündbarkeit von Verträgen angeht. Das ist heute nicht mehr so», sagt Jacobs. «Umsätze und Gewinn haben sich seither vervielfacht.» Weitere Wachstumschancen sieht er vor allem im Sportwettenmarkt: «Dessen Liberalisierung dürfen wir nicht verschlafen.» Der Verkaufsprozess soll in zwei bis drei Monaten abgeschlossen sein: «Wir wollen uns Zeit lassen, es geht schliesslich um eine langfristige Ausrichtung», so ­Jacobs.