Der Salat aus dem Beutel kommt täglich weltweit auf den Teller – trotzdem landen zwei Drittel der produzierten Tüten auf dem Weg von der Ernte bis zum Kühlschrank des Konsumenten im Müll. Schuld sind Bakterien, ungünstige Klimaverhältnisse, starkes Waschen und die vergessene Ecke im Kühlschrank.

Gegen die grüne Müllhalde hat ein Start-up aus dem waadtländischen Molodin eine neue Geschäftsidee entwickelt. Diese kommt ohne aufwendige Waschvorgänge gegen Pestizidrückstände auf den Salatblättern, lange Transportwege und saisonale Qualitätseinbussen aus. «Wir wollen ein Produkt schaffen, das wenig CO2 produziert und gesund ist, keine Pestizide verwendet und konstante Qualität zu gleichen Preisen bietet», sagt Marie de Raismes, Mitgründerin und Finanzchefin des jungen Unternehmens.

Dafür setzt Comba Group auf den lokalen Anbau. Zur Hauptzielgruppe zählen Gemüsehändler in Nordeuropa, die üblicherweise für einen Grossteil des Jahres Salat aus dem Süden beziehen und abpacken. In der Schweiz sind es Anbieter wie Gastro Star, Josef Müller Gemüse AG und Sylvain & Co in der Westschweiz.

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Technologie im Treibhaus

Nachdem die Gründermannschaft 2011 in Frankreich mit den ersten Entwicklungen angefangen hatte, ist sie kurze Zeit später in den Kanton Waadt umgesiedelt, um dort von der grossen Erfahrung beim Hors-sol-Anbau zu profitieren. Das Wissen in diesem Bereich sei gross und das Beziehungsnetz eng, sagt de Raismes. «Eine optimale Ausgangslage.»

Zusammen mit ihrem Team hat die 27-Jährige in den vergangenen zwei Jahren ein vollautomatisiertes Treibhaus entwickelt, das Comba Group künftig direkt auf den Geländen der Verpackungsfabriken errichten wird. «Damit vermeiden wir Transportwege und die Gemüsehändler können das ganze Jahr über zu konstanter Qualität produzieren», sagt de Raismes.

Das Treibhaus funktioniert als geschlossener Kreislauf, die Salate werden ohne Erde gezogen, das Wasser wird wiederverwendet und die Gemüsehalle mit der Abwärme des benachbarten Verpackungsbetriebs beheizt. Comba Group verbrauche so 90 Prozent weniger Wasser als bei der herkömmlichen Salatzucht, sagt die Französin.

Transportwege vermeiden

Die Samen werden für einige Tage in einem Schaum aus Wasser und Nährstoffen gezogen, bevor sie auf die gitterartige Kultivierungsfläche kommen, wo ihre Wurzeln bald gegen den Boden baumeln und die Kopfsalate nach vier bis sieben Wochen geerntet werden. Ein Roboter verschafft den Salatköpfen während ihres Wachstumsverlaufs stets genug Platz.

De Raismes und ihr Team haben lange gebraucht, um die richtige Dosierung für Wasser und Licht zu finden und einen Roboter zu bauen, der sich behutsam und genau um die stetige Versetzung der grünen Köpfe kümmert.

Die Technologie des bodenfreien Anbaus ist nicht neu. Zu den Pionieren gehören Agrarunternehmen aus Belgien, Holland, Singapur – und einige Gemüseanbieter aus dem Kanton Waadt. Aber keiner sei bis anhin auf die Idee gekommen, die Treibhäuser direkt bei den Firmen vor Ort aufzustellen, wie es de Raismes und ihre Kollegen seit zwei Jahren mit einer Anlage im hügligen Molodin, unweit von Yverdon, versuchen.

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In Frankreich laufen die Geschäfte vielversprechend

Für 2,5 Millionen Franken haben sie dort auf dem Gelände des Projektpartners Agropole eine Pilotanlage gebaut. Neben öffentlichen Geldern kamen 1,3 Millionen Franken von privaten Investoren. Comba Group hat in Zusammenarbeit mit dem Hors-sol-Experten Changins aus Nyon die Treibhäuser entwickelt, bei dem Roboter halfen Fachleute der Hochschule in Yverdon.

Die Idee habe bereits die ersten grossen Gemüseverpackungshersteller überzeugt, sagt de Raismes. «Wir konnten letztes Jahr einen Vertrag mit einem der grössten Unternehmen in Frankreich abschliessen.» Dort habe man die Technologie getestet. Das erste kommerzielle Treibhaus soll an dem Standort Anfang 2015 gebaut werden. Zu den Akteuren in Frankreich zählen Bonduelle, Florette und Les Crudettes. Bei welchem der Anbieter das erste Kundentreibhaus stehen werde, könne das Start-up nicht verraten. Die Investitionskosten belaufen sich auf 4 bis 5 Millionen Franken. Das Jungunternehmen ist dabei, Geldgeber und Produktionspartner zu finden.

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In der Schweiz ist es noch nicht zum grossen Handschlag gekommen. Jedoch arbeitet Comba Group im Rahmen verschiedener Tests mit Sylvain & Co zusammen, dem grössten Gemüseproduzenten und Verpacker der Romandie.

Facts & Figures

Firma
Das sechsköpfige Gründerteam kommt aus Frankreich, Grossbritannien und der Schweiz.

Idee
Das Start-up bringt vollautomatisierte Treibhäuser direkt zu den Gemüseverpackern und verringert damit den hohen Produktionsabfall bei der Schnittsalatherstellung.

Finanzierung
Comba Group wird vom Kanton Waadt, dem Förderer Venture Kick, Projektpartner Agropole und privaten Investoren unterstützt. Die bisherigen Entwicklungen kosteten 2,5 Millionen Franken.