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Vorsorge
Startup lanciert eine App für die Säule 3a

App-Lösung für die private Vorsorge
Säule 3a: Das Angebot von Viac funktioniert über jedes Smartphone.Quelle: WIR Bank

Das Startup Viac hat ein kosteneffizientes Produkt für die Säule 3a entwickelt. Partner dafür zu finden, war allerdings schwierig.

Von Peter Manhart
am 28.11.2017

Wie viele Franken spart ein Anleger in rund vierzig Jahren, wenn er 1 Prozent weniger Gebühren pro Jahr für ein Anlageprodukt bezahlt? Daniel Peter, der Initiant des Jungunternehmens Viac, beantwortet die Frage gleich selbst: «Über den Daumen gepeilt mehr als 100 000 Franken.» Diese Erkenntnis war für ihn und seine Co-Gründer Jonas Gusset und Christian Mathis Anlass, eine App zu entwickeln, die im Bereich Säule 3a einzigartig ist. «Es hat uns gestört, dass die Altersvorsorge so spiessig wirkt und die Gebühren so hoch sind. Die Standardprodukte sind nicht attraktiv», ärgert sich Daniel Peter, der wie seine Mitstreiter viele Jahre in der Finanzindustrie gearbeitet hat.

Die drei wollten das ändern und den Markt mit einer komplett digitalen Lösung fürs Smartphone umkrempeln. Doch das ist einfacher entschieden als umgesetzt, denn wer Säule-3-a-Produkte anbieten will, braucht eine Vorsorgestiftung als Partner. «Bei den grossen Finanzinstituten stiess unser Vorhaben nicht auf grossen Anklang – gelinde gesagt», schmunzeln sie heute. Damals war ihnen nicht nach Lachen zumute. Überzeugt haben dann die Pläne von Viac die WIR-Bank respektive deren Vorsorgestiftung Terzo.

Bis zu 97 Prozent Aktien

Gemeinsam wurde das Projekt einer Säule-3-a-App umgesetzt. Volker Strohm, der Mediensprecher der WIR-Bank, ist angetan von der Flexibilität der Lösung: «Per Fingertipp kann ich gemäss meinem Risikoprofil eine von sechs Aktienstrategien auswählen.» Der Aktienanteil variiert dabei von 0 bis 97 Prozent. Umgesetzt wird die Aktienquote ausschliesslich mit Indexanlagen und ETF.

Je nach Strategie betragen die Gesamtkosten (inklusive Produktkosten) zwischen 0,17 und 0,72 Prozent pro Jahr. Je grösser der investierte Aktienanteil ist, desto höher sind die Gebühren. Strategieänderungen sind kostenlos und Kosten werden nur auf den investierten Teil des Vermögens erhoben. Der nichtinvestierte Teil respektive die Barmittel werden von der WIR-Bank verzinst, und zwar mit 0,3 Prozent pro Jahr.

Kein Verkaufsapparat

Christian Mathis ergänzt: «Wir führen monatlich ein Rebalancing durch, so sind unsere Kunden zeitnah gemäss ihrer Zielgewichtung investiert und handeln in der Tendenz antizyklisch. Das ist für die meisten genau das Richtige.» Zudem kann kostenlos ein monatlicher Dauerauftrag eingerichtet werden, das hilft besonders jüngeren Säule-3-a-Anlegern, das Sparziel zu erreichen.

Möglich sind die im Konkurrenzvergleich sehr tiefen Gebühren, weil Viac auf einen Verkaufsapparat verzichtet. Teure Bankberater oder Produktverkäufer werden eingespart – daraus resultiert ein Margenvorteil, der dem Kunden durch tiefe Gebühren weitergegeben wird. Und beim monatlichen Handel werden sämtliche Handelsaufträge zusammengefasst und, soweit es geht, intern verrechnet. Im Jargon spricht man von Pooling und Netting.

Browserlösung folgt

3a-Anlagelösungen der Mitbewerber weisen in der Regel mittlere bis hohe Obligationenanteile auf. Viac verzichtet derzeit ganz auf Anleihen. Jonas Gusset meint: «Bonds rentieren zum Teil bereits vor Gebühren negativ, nach Kosten und einer Währungsabsicherung bestimmt. Aus Sicht eines Portfoliomanagers sind solche Investments nicht vertretbar. Zusätzlich werden Zinsänderungsrisiken ins Depot gelegt.»

Darauf angesprochen, ob es denn reiche, lediglich eine App anzubieten, verweisen die Gründer auf die Browserlösung, die kommendes Jahr lanciert wird. Dann wird auch eine Anmeldung per Computer möglich sein. Auch dort soll das Onboarding weniger als 10 Minuten in Anspruch nehmen.

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