Die Zürcher Steiner AG hat beim Bezirksgericht Zürich ein Gesuch für eine provisorische Nachlassstundung eingereicht. Hintergrund sei ein Liquiditätsengpass, der die Geschäftstätigkeit gefährdet habe.

Steiner erklärt den Liquiditätsengpass am Donnerstag in einem Communiqué mit «unvorhersehbaren Entwicklungen» im Zusammenhang mit «einigen wenigen Bauprojekten» im Zuge des Ausstiegs aus dem Generalunternehmer-Geschäft. 

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Steiner AG ist nicht gleichzusetzen mit der Steiner Construction SA. Diese wurde von der französischen Gruppe Demathieu Bard im Januar 2024 übernommen und agiert unabhängig. Laut einem Sprecher erfreue sich die Steiner Construction SA an einem guten Geschäft.

Probleme mit der Spital Wetzikon AG

Nicht so die Steiner AG – der Konzern lag zuletzt mit dem Spital Wetzikon quer, wo die Arbeiten am Neu- und Erweiterungsbau im Mai eingestellt worden waren. Dies als Folge der Kündigung der Steiner AG als Generalunternehmerin. Der Neubau ist erst zu 70 Prozent fertig.

Die Spitalbetreiberin Gesundheitsversorgung Zürcher Oberland (GZO) AG steht seit Anfang Mai selber in Nachlassstundung. Sie kritisierte das ausgestiegene Generalunternehmen Mitte Mai scharf. Dass das Bauunternehmen den Vertrag gekündigt habe, sei widerrechtlich, erklärte die GZO Mitte Mai. Ob die Sache vor Gericht endet, ist noch offen.

Steiner warf der GZO vor, sie habe seit April 2024 die vertraglich geschuldeten Zahlungen nicht mehr geleistet. Sie habe zudem mitgeteilt, dass sie nur über eine Liquidität von 50 Millionen Franken verfüge, die aber für den Spitalbetrieb vorgesehen sei. Die Vertragsauflösung sei daher «rechtlich zwingend» gewesen, argumentierte Steiner.

Die GZO ihrerseits erklärte, dass sie im April zwar eine Zahlung über 3,9 Millionen Franken zurückgehalten habe, dies aber weil das Bauunternehmen seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei. Sie kritisierte zudem eine fehlende Transparenz bei der Baubuchhaltung und steigende Gesamtkosten.

Bauzoff in Basel

Es ist nicht der erste Vorfall bei Steiner: Im Dezember 2023 kursierte das Unternehmen bereits durch die Medien, weil der Konzern die Handwerker der Überbauung «La Colline» in Arlesheim BL nicht vollständig bezahlte. Die 29 Eigentumswohnungen und 16 Reihen-Einfamilienhäuser wurden im letzten Jahr bezogen.

Das Resultat: Die kleineren Handwerksbetriebe MFLUR AG aus Zug und Kurt Borer AG aus Reinach BL waren durch die ausstehenden Zahlungen in ihrer Existenz bedroht. Der erste Elektriker, der an dem Projekt beteiligt war, ging zu diesem Zeitpunkt bereits Konkurs.

Von Seiten der Steiner AG hiess es damals, dass man sich im konstruktiven Dialog mit den Firmen befände, mit einem Unternehmen sei bereits eine Lösung gefunden worden. Insgesamt sind auf der Baustelle «La Colline» mehr als 80 kleinere Unternehmen im Einsatz gewesen.

Steiner AG hat eine Historie an offenen Rechnungen

Schon 2019 ergab sich ein ähnlicher Fall, als die Firma Steiner einem Schreiner 359'000 Franken schuldete. Auch ein Jahr darauf wurden Konflikte beim Baloise-Park beim SBB-Bahnhof in Basel bekannt. Auch hier ging es um ausstehende Zahlungen.

Die Steiner AG wurde 1915 gegründet und hat sich seit dem als Generalunternehmen einen festen Platz im Schweizer Bau- und Immobiliensektor errungen. Das Unternehmen beschäftigt rund 800 Mitarbeitende ist. Seit 2010 gehört das Unternehmen zur indischen Hindustan Construction Company Ltd. (HCC) mit Sitz in Mumbai. Mit dem Gesuch um eine Nachlassstundung schliesse Steiner ihre Transformation vom Generalunternehmer zum Immobilienentwickler nun erfolgreich ab, hiess es in der Mitteilung.

(mit Material der SDA)

Olivia Ruffiner
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