Die Suche nach einem neuen Investor für den Schweizer E-Bike-Hersteller Stromer geht in die dritte Runde. Seit der Gründung vor sieben Jahren schreibt das Unternehmen rote Zahlen.

Investiert wurde bisher eine stolze Summe: Rund 60 Millionen Franken wurden in die Firma ­gepumpt, wie «Bilanz» aus ­branchennahen Kreisen erfahren hat. «Das kommt in etwa hin», sagt Thomas Binggeli, Gründer und Verwaltungsratspräsident. Zu Anfang habe es einige unvorher­gesehene Kinderkrankheiten gegeben. Diese auszumerzen, kostete mehr als vorhergesehen. «Uns war von Anfang an bewusst, dass wir viel Geld investieren müssen.»

Dazu kam es zu Umstrukturie­rungen: Ursprünglich wurden die Marken Bergamont und Stromer unter dem Dach des Veloherstellers BMC ­geführt. So wollte man alle E-Bike-Typen abdecken. «Man kann offen sagen, dass das Konzept nicht ­aufgegangen ist», sagt Binggeli. Letztes Jahr wurde Bergamont ­verkauft und auch Stromer abgekoppelt – das Unternehmen ist heute unabhängig in Vertrieb, Marketing und Finanzen.

Verkauf zwischenzeitlich nicht ausgeschlossen

Schon bald nach der Firmengründung holte Binggeli BMC- und Sonova-Eigentümer Andy Rihs und Swatch-Mitbegründer Ernst Thomke als Investoren an Bord. Zwischenzeitlich schloss man sogar den Verkauf der Firma nicht mehr aus. «Wir wollten uns alle Optionen offenhalten, doch der Verkauf ist nun vom Tisch», sagt Binggeli. Ein Investor sei bald gefunden, man stehe in Verhandlungen.

Ob die Stromer-Velos, die ­zwischen 3900 und 9500 Franken kosten, zu teuer seien, sei intern diskutiert worden, erzählt der Stromer-Präsident. «Es war richtig, dass wir uns preislich nicht ins untere Segment begeben haben, die Technologie der Stromer-Velos ist ihren Preis wert.» Zudem sei die Stromer AG heute nah dran, schwarze Zahlen zu ­schreiben, der Rückstand hinter dem geplanten Businessplan-Ziel liege noch bei einem Jahr. Trotz der hohen Investitionen glaubt Thomas Binggeli fest an den Erfolg der Marke: Er bereue es nicht, das Risiko eingegangen zu sein.

 

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