Den eigenen 20. Geburtstag liess Swatch vor einem Jahr sang- und klanglos verstreichen. «20 Jahre sind in der Schweizer Uhrentraditionsgeschichte nichts», liess VR-Delegierter Nick Hayek jr. verlauten. Und doch: Wer 1983 die weltweite Einführung der ersten Plastikuhr miterlebte, der konnte sich damals kaum vorstellen, dass die Swatch in den kommenden 20 Jahren 300 Mio Mal über den Ladentisch gehen und auf allen Kontinenten in 90 Ländern unverändert beliebt sein würde.

Bis zur Geburtsstunde der Swatch war eine Uhr ein lebenslanger Begleiter, der den Menschen jederzeit die genaue Zeit anzeigte. Die Swatch jedoch ist die erste Uhr, die sich im Zyklus der Mode jedes Jahr zweimal komplett erneuert. So, wie sich die wenigsten mit einem einzigen Paar Hosen begnügen, reicht der Menschheit im Zeitalter der Swatch eine einzige Uhr längst nicht mehr. Zudem nutzen die Designer vom Swatch Lab in Mailand und die Marketingstrategen am Hauptsitz in Biel jedes passende Ereignis, um eine Special Edition ­ eine limitierte Spezialausgabe ­ zu kreieren und weltweit zu vermarkten. Und dafür steht Frau und Mann jedesmal Schlange, sei es in Locarno, Hongkong, Tokio oder Zürich.

Wo Kultur und Sport sich messen, lanciert Swatch die passende Uhr dazu. So werden Sammler und Fans auf Trab gehalten und wird bei der Prominenz mit dem entsprechenden Event Hof gehalten. Swatch verkauft nicht primär Uhren, Swatch verkauft Gefühle, die das Produkt erlebbar und gleichzeitig unverwechselbar machen. Die Philosophie dahinter, erklärt Michele Sofisti, der die Geschicke der Swatch AG seit 2000 als Präsident leitet, so: «Jedermann, egal in welchem Alter, soll unter den jährlich 400 neuen Modellen seine Lieblingsuhr finden. Als Modeaccessoire kreiert, unterstreicht sie den individuellen Stil einer jeden Persönlichkeit. Ob beim Beach Volleyball, beim Snowboarden, an den Olympischen Spielen oder auf Anlässen grosser Künstler wie Phil Collins, Keith Haring oder Pedro Almodovar ­ Swatch präsentiert sich überall dort, wo emotionsgeladene Ereignisse stattfinden.»

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Hallo Tim und Struppi

Allein im ersten Quartal des laufenden Jahres wurden drei limitierte Sonderuhren lanciert. Ende Januar präsentierte Swatch anlässlich des 75. Geburtstags von Comic-Held Tintin und seinem Foxterrier Milou ­ in deutschen Landen besser als Tim und Struppi bekannt ­ auf Schloss Cheverny die weltweit auf 9999 Stück limitierte Comic-Uhr «Happy Birthday Tintin». Das Jagdschloss im Tal der Loire war dem belgischen Comic-Zeichner Georges Rémi (1907­-1983) mit Übernamen Hergé Inspiration zum berühmten Château Moulinsart, das in den Tintin-Comics eine wichtige Rolle spielt.

Dada-Revival in Zürich

Anfang März folgte in Zürich die zügellose Dada-Nacht, die ihren Anfang bereits an der Uhren- und Schmuckmesse 2003 in Basel genommen hatte. Dort veranstalteten Hayek senior und junior gemeinsam mit dem Zürcher Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber ein Mini-Konfetti-Event, in dem ein Dada-Flyer aus der Zeit um 1920 in Fetzchen zerschnitten wurde. Diese Papierfetzen finden sich nun wieder auf den Zifferblättern der auf 8590 Exemplare limitierten Swatch Turnover «Dadazüri».

Die Auflage geht übrigens auf die Aussage des rumänischen Schriftstellers Tristan Tzara zurück, weil offenbar zum Thema «Dada in Zürich» 8590 Zeitungsartikel verfasst worden sein sollen. Neben Tzara zählten vier weitere Emigranten ­ die Deutschen Hugo Ball (Schriftsteller), Emmy Hennings (Sängerin) und Richard Huelsenbeck (Schriftsteller) sowie der Elsässer Hans Arp (Maler und Dichter) ­ zu den ersten Dadaisten, die am 5. Februar 1916 im damaligen Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1 in Zürich die Kunstrichtung Dada begründeten.

Die Swatch AG, die Stadt Zürich und weitere Geldgeber finanzieren zudem einen internationalen öffentlichen Kulturbetrieb im Dada-Haus während mindestens fünf Jahren. In Zahlen heisst das für Swatch:Das Sponsoring kostet 1,5 Mio Fr., verteilt auf fünf Jahre. Die Eröffnung ist auf den kommenden Herbst vorgesehen ­ ein Jahr nach der Lancierung der ersten unlimitierten Swatch «Dada Traces» vom Oktober 2003.

Selbstverständlich Athen

Im Sommer richten die Swatch-Marketingstrategen ihre Aufmerksamkeit auf die Olympischen Sommerspiele 2004. In Athen geniesst Swatch als offizielle Zeitnehmerin das jahrzehntelange Vertrauen des Internationalen Olympischen Komitees (IOK).

Die Perfektion genauster Zeitmessungen schlägt sich denn auch in den Alltagsprodukten von Swatch nieder. Die diesjährige Olympic Collection steht ganz im Zeichen des antiken Griechenlands mit seinen zeitlosen Formen und Symbolen. Und die Farben Grün, Blau, Gelb, Rot und Weiss sind beeinflusst von Meer, Himmel, Sonne und Fassaden schmucker Häuser und Tempel.


Zeitzeichen

«Die Zeit ist eine Uhr ohne Ziffern.»
Ernst Bloch, 1885-­1977, deutscher Philosoph


Flik Flak - Zeit für Kinder: Ähnlich erfolgreich wie Swatch - und das ideale Patengeschenk zum Geburtstag

Der rasche Erfolg der preisgünstigen Plastikuhr brachte die Swatch-Gruppe auf die Idee einer Kinderuhr. Unter der Marke Flik Flak erblickte 1987 ein fröhliches und inzwischen überall beliebtes Geschwisterpaar das Licht der Uhrenwelt. Das liebenswerte Duo war von Anfang an der Überzeugung, dass das Lernen der Uhrzeit einfach und amüsant sein muss. Deshalb wurde das Konzept gemeinsam mit Pädagogen entwickelt. Das Entscheidende: Klar lesbare Zifferblätter. Deshalb sind die Zeiger auf die Farben der entsprechenden Indexe abgestimmt; das Verfolgen von Sekunden, Minuten und Stunden wird zum Kinderspiel. Und auch die Qualität ist längst erprobt: Robustes, stoss- und wasserdichtes Aluminiumgehäuse, kratzfestes Saphirglas, Genauigkeit sowie strapazierfähiges Armband mit der überaus praktischen Fähigkeit, einen Waschgang in der Maschine bei 40 Grad problemlos und funktionsfähig zu überstehen.

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Auch mit Flik Flak verfolgt die Swatch-Gruppe eine emotionale Markenführung. Das jüngste Happening ging Ende März im Super-Studio in Mailand über die Bühne, wo zwei neue brandheisse Kollektionen in Anwesenheit junger Fussball- und Showstars lanciert wurden. Die beiden Uhrenlinien werden unter der Lizenz von Warner Bros. Consumer Products hergestellt und sind den weltweit bekannten Cartoon-Network-Stars The Powerpuff Girls sowie Texter's Laboratory aus der gleichnamigen erfolgreichen TV-Zeichentrickfilm-Serie gewidmet.

Die Powerpuff Girls sind ein globales Modephänomen, das sich auf alle möglichen Gadgets, Accessoires und Kleider übertragen lässt ­ jetzt auch auf Schweizer Kinderuhren. Mit Flik Flak deckt die Swatch Group auch die Jüngsten und damit die «Kunden von morgen» ab. In welche Domäne sie dereinst vorstossen werden ­ Swatch, Tissot, Rado, Omega, Blancpain oder Breguet ­, ist eine Frage des späteren Einkommens, Swatch aber mehr oder weniger egal, so lange einer der 18 Marken aus der Bieler Uhrengruppe treu geblieben wird. (sr)


Swatch: Nachhaltige Wirkung - trotz Kunststoff

Die Plastikuhr Swatch als billigen Wegwerfartikel betrachten zu wollen, ist oberflächlich und falsch. Vielmehr hat es die preisgünstige Marke stets verstanden, Künstler und Prominente für sich zu gewinnen, obwohl sie aus Kunststoff gefertigt selten mehr als 100 Fr. kostet. Ob sie nun Akira Kurosawa, Alfred Hofkunst, Annie Leibovic, Christian Lacroix, Karl Gerstner, Lindsay Kemp, Niklaus Troxler oder Vivienne Westwood heissen ­ die Liste faszinierender Persönlichkeiten, die ihre Künstlerhand an die Kreation einer Special Swatch anlegten, ist beeindruckend lang.

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Das Resultat solcher limitierter und nummerierter Swatch Specials ist einmalig: Daraus resultieren echte Sammlerstücke, die gesucht sind und deren Wert sich Jahr für Jahr erhöht. Eine Tatsache, die an der Sotheby's-Swatch-Wristory-Auktion im Dezember 2001 bestätigt wurde.

Das Phänomen ist nicht zuletzt auch in einer kollektiven Begeisterung und Überraschung zu finden, die bei der Lancierung von Nicolas G. Hayek ausgelöst wurde und sich über Jahre auf einen stetig wachsenden Fan-Club ausgedehnt hat. Selbst die inzwischen je nach Lesart mehr oder weniger vollzogene Generationenablösung in der Familie Hayek hat die Beliebtheitsskala der Swatch in keiner Weise tangiert. (sr)