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Luftfahrt
Swiss-Chef: «Wir erwarten eine angespannte Situation»

Kluehr
Swiss-Chef Thomas Klühr im Videointerview. Quelle: Cash.ch

Swiss-Chef Thomas Klühr äussert sich im Videointerview über erwartete Flug-Verspätungen und über die neue Premium-Economy-Klasse.

Von Marc Forster
am 14.03.2019

Lufthansa, Austrian und Edelweiss Air bieten genauso wie Air France, British Airways und manche Asien- und US-Fluggesellschaften eine Premium Economy an. Bei der Swiss hingegen sträubte man sich jahrelang gegen die Einführung dieser «Holzklasse deluxe», die gegen Aufpreis grössere Sitze, mehr Sitzabstand und hochwertigere Menus bietet als die normale Economy Class.

Der seit 2016 amtierende Swiss-CEO Thomas Klühr will dieses Angebot nun zunächst im grössten Jet der Flotte anbieten, der Boeing 777-300ER. Ab 2021 werden 24 solcher Sitze eingebaut, zulasten der Economy-Sitze. «Wir haben bei unseren Schwestergesellschaften Lufthansa und Austrian gemerkt, dass dieses Produkt von den Kunden sehr gut angenommen wird», sagt Klühr im Video-Interview.

Weltweit haben Fluggesellschaften gute Erfahrungen mit Premium-Sitzen gemacht. Ferienreisende, aber auch Geschäftsleute nutzen sie, weil Firmen nicht mehr unbedingt bereit sind, die teurere Business Class zu bezahlen.

Premium zu höheren Preisen

Laut Klühr werden die Preise für Premium-Economy-Flüge über dem Level der Economy liegen, aber auch «signifikant» unter den Preisen des Business Class. Bei der Swiss kosten Flüge nach New York ab etwa 500 Franken in der Economy Class und über 3000, zum Teil über 4000 Franken in der Business Class. Preise um 1500 Franken für einen Premium-Economy-Flug werden wohl etwa die Realität sein. Lufthansa verlangt heute circa 1400 Euro für die Strecke Frankfurt-New York in dieser Buchungskategorie.

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Neben der Einführung grösserer Sitze wird die Swiss weiter die Einflottung neuer Flugzeuge vorantreiben. Das trägt auch zu ihrem erfolgreichen Geschäftsverlauf bei, wie das Jahresresultat 2018 zeigt: Dank Flugzeugen mit hoher Kapazität und relativ tiefem Verbrauch wie der CS-Series (neu Airbus A220) und der Boeing 777 steigerte die Airline ihre Effizienz. Laut Klühr werden ab jetzt neue Jets der Airbus-A320-Familie eingeführt, die spritsparende Triebwerke aufweisen.

 

Bis 2025 sollen 25 solcher Jets der A320neo-Familie (für «new engine option») für die Swiss fliegen. Die fünf verbleibenden, vierstrahligen und in die Jahre gekommenen Airbus A340-Langstreckenmaschinen dürfte die Swiss mit Maschinen des Typs A350 oder Boeing 787 «Dreamliner» ersetzen. Jedenfalls hat der Lufthansa-Konzern mitgeteilt, je 20 Maschinen dieser Grossraumflugzeuge der neuesten Generation bestellt zu haben.

ZVG
Der Lufthansa-Konzern will Boeing 787 «Dreamliner» bestellen, die ab 2025 auch für die Swiss fliegen könnten.
Quelle: ZVG

Sommer wird wieder schwierig

Bevor allerdings neue Flugzeuge und bequemere Sitzen verfügbar sein werden, werden sich Swiss-Passagiere noch dieses Jahr mit unangenehmen Dingen herumschlagen müssen: Verspätungen und Flugausfälle, wie sie den Sommer 2018 in Europa geprägt haben, dürften sich laut Klühr wiederholen. Letztes Jahr hatte die Pleite von Air Berlin dazu geführt, dass sich europäische Airlines Flugrechte sicherten, aber dann merkten, dass ihnen Kapazitäten fehlten. Dazu kamen Piloten- und Fluglotsenstreiks.

Vergangenen Sommer war jeder vierte Swiss-Flug mindestens um 15 Minuten verspätet. Die Swiss bereitet sich nun mit zusätzlichem Personal und mehr Reserveflugzeugen auf den Sommer 2019 vor. Einsatzzeiten von Flugzeugen und Zeitpuffer, wenn die Flugzeuge am Boden stehen, werden angepasst. «Trotzdem erwarten wir eine angespannte Situation, weil sich die Lage im europäischen Luftraum nicht verbessert hat», sagt Klühr.