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Luftfahrt
Swiss streicht Flüge nach Istanbul: Ein Traum bröckelt

Flughafen Istanbul-Atatürk: Terror, Putschversuch und «Säuberungen» sorgen für Probleme. Keystone

Der Flughafen Atatürk in Istanbul will das Drehkreuz Nummer eins werden in Europa. Angesichts von Terrorangst droht der Plan zu scheitern. Ein Symptom: Swiss streicht die Strecke ab Winter.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 28.07.2016

Istanbul ist das Tor zu Europa. Nicht nur, weil die Megacity an der Meerenge Bosporus liegt. Sondern auch, weil der Atatürk-Flughafen mehr und mehr zum Drehkreuz Europas wird. Zumindest galt das, bis Terror und Putsch in der Türkei an Macht gewannen. Jetzt ist die Zahl der Reisenden innert Monaten so stark gesunken, dass die Swiss die Reissleine zieht: Die Flüge nach Istanbul werden zum Winter 2016/2017 eingestellt, wie Swiss bestätigt. Der «Tagesanzeiger» hat zuerst darüber berichtet.

Der Istanbuler Atatürk Airport war bis vor Kurzem ein Symbol für den Ehrgeiz der Türkei, über sich hinaus zu wachsen. Der Flughafen boomte und liess 2015 Frankfurt am Main hinter sich. Innert eines Jahres wuchs die Zahl der Passagiere um 9,2 Prozent auf über 61 Millionen. Das ist Rang 3 in Europa, nur London-Heathrow und der Pariser Flughafen Charles de Gaulle haben noch mehr Fluggäste.  

Flughafen Atatürk wollte an Europas Spitze

Rang 3 allerdings war den Flughafenbetreibern noch nicht genug. «Wenn der Ausbau des Flughafens vollendet ist, werden wir bereit sein, 75 bis 80 Millionen Passagiere pro Jahr zu bedienen», kommentierte Airport-Chef Kemal Ünlü die Zahlen. Das wäre aktuell der Spitzenplatz in Europa. Das Plus wird durch das Wachstum der dort angesiedelten Turkish Airline befeuert, die bis 2020 über eine Flotte von 440 Flugzeugen verfügen will.

In den Boom hinein allerdings platzen Terror, Angst und Schrecken. Der Flughafen Atatürk wurde selbst Opfer der zunehmenden Gewalt, 42 Menschen starben beim Anschlag am 28. Juni. Der Putsch am 15. Juli forderte 265 Menschenleben und gab den Anstoss für eine drastische Säuberungswelle durch Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der Zehntausende Richter und Beamte verhaften liess. Seine letzte Massnahme: Am Mittwoch schloss er 16 Fernsehstationen, 23 Radiostationen und 45 Zeitungen.

«Massive Verschlechterung der Sicherheitslage»

Angst vor Anschlägen und Misstrauen gegenüber der politischen Entwicklung der Türkei haben die Besucherzahlen schrumpfen lassen. Bereits seit Anfang Jahr zieht es weniger Touristen in die Türkei, jetzt beschleunigt sich dieser Trend. Im Juni waren es noch 2,4 Millionen ausländische Besucher, die einreisten – 40 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie das türkische Ministerium für Tourismus heute bekannt gab.

Das bekommt auch die Swiss zu spüren: Die «massive Verschlechterung der Sicherheitslage» habe zu einem deutlichen Buchungsrückgang geführt, sagte Sprecherin Meike Fuhlrott. Allerdings ist auch die Konkurrenz durch Turkish Airlines ein Aspekt. Es heisst, das «starke Wachstum der teilstaatlichen Turkish Airline» habe zu «Überkapazitäten und einem starken Preisverfall» geführt.

Grundstein für Reduktion gelegt

Die Swiss fliegt aktuell zweimal täglich von Zürich nach Istanbul. Dazu kommen sechs weitere Flüge, vier davon führt Turkish Airlines durch. Eine Reduktion des Angebotes im Winter ist für die Strecke üblich. Nach jetzigem Stand plant die Swiss, die Verbindung im Sommer 2017 wieder aufzunehmen. Im Sommer 2015 gab es laut Flughafen 51 Verbindungen pro Woche, im Winter waren es 40. Mit der Entscheidung der Swiss ist für dieses Jahr der Grundstein gelegt, dass das Angebot von Schweizer Seite dieses Jahr drastischer schmilzt, sollten andere Airlines nachziehen.

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