Ihre Konkurrentin E-Sider spricht von einem wieder erwachten Interesse der Kunden für Online-Trading. Können Sie dies bei Swiss-quote bestätigen?
Marc Bürki: Ja, das kann ich ganz klar. Wir haben Wachstumsquoten von 30% pro Jahr, selbst in den jetzigen schlechteren Börsenzeiten, und wir gewinnen täglich 20 bis 30 Neukunden dazu.

Swissquote ist stark von der Börsenverfassung abhängig: Wie entwickeln sich angesichts des Seitwärtstrends an den Finanzmärkten Ihre Umsätze?
Bürki: Wir müssen mit den Marktschwankungen leben. Dies wirkt sich bei uns immer direkt auf die Zahlen aus. Wichtig für uns ist, dass wir die Grösse haben, um in jeder Marktsituation profitabel zu sein. Dieses Ziel haben wir erreicht.

Wie ist das dritte Quartal verlaufen?
Bürki: Das dritte Quartal ist ähnlich verlaufen wie das zweite Quartal. Wir verzeichneten an den Finanzmärkten eine tiefere Volatilität und schwächere Märkte. Dies spürten wir auch in der Umsatzentwicklung.

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Ging der Kommissionsertrag im dritten Quartal erneut zurück?
Bürki: Ich kann keine Details nennen, da wir unsere Zahlen am 5. November 2004 publizieren. Aber es stimmt, dass sich das dritte Quartal in etwa so präsentierte wie das zweite Quartal, als wir einen rückläufigen Kommissionsertrag ausgewiesen hatten.

Damit wird der Ertrag entsprechend tiefer ausfallen?
Bürki: Die tiefere Handelstätigkeit hat einen direkten Einfluss auf den Ertrag, zumal wir zu 72% von den transaktionsabhängigen Gebühren leben.

Ist mit Enttäuschungen zu rechnen?
Bürki: Nein, Swissquote wird punkto Profitabilität und Wachstum nicht enttäuschen. Wir sind weiterhin in der Profitabilitätszone.

Wie sieht die Tendenz für das gesamte Jahr aus?
Bürki: Für 2004 bin ich aufgrund der vergangenen drei Quartale zuversichtlich. Wir halten an unseren Zielen fest. Wir hatten gesagt, dass wir bei der Anzahl Kunden ein Wachstum von 30% anstreben und bis Ende Jahr etwa 40000 Kunden haben möchten. Da sind wir gut auf Kurs.

Sie haben auch gesagt, dass Sie ein Anlagevermögen von 2,3 Mrd Fr. sowie Neugelder im Umfang von 750 Mio Fr. anstreben. Werden Sie dies im 2004 erreichen?
Bürki: Das Anlagevermögen wird auch durch die Börse beeinflusst, da unsere Kunden investiert sind. Punkto Neugelder haben wir ein tägliches Nettowachstum von 2 bis 3 Mio Fr.

Welches Ziel haben Sie sich für 2005 gesetzt?
Bürki: Wir wollen auch 2005 ein starkes Wachstum bei der Anzahl Kunden erreichen und das Depotvermögen bei der Swissquote Bank steigern.

Womit müssen die Aktionäre der Swissquote rechnen, wenn die schwache Börsensituation auch 2005 anhält?
Bürki: Wenn die Volatilität so schwach ist wie in den Sommermonaten, wäre dies für uns sicher negativ. Aber wir haben inzwischen die Grösse, um selbst in sehr schwierigen Marktverhältnissen profitabel und damit auch stabil zu sein.

Aber beim Anlagevermögen könnten Sie bei einer schwachen Börse nur langsam wachsen.
Bürki: Wir wollen auch 2005 weitere 750 Mio Fr. an Neugeldern gewinnen. Das sind immerhin fast 3 Mio Fr. Geldzufluss pro Tag. Aber es stimmt, dass das Volumen der Anlagevermögen vom Börsenverlauf abhängt. Ich rechne für 2005 generell mit einer wieder positiveren Marktentwicklung.

Konnten die Kosten pro Kunde gesenkt werden?
Bürki: Ja. Die Kosten pro Kunde betragen derzeit weniger als 193 Fr. Mit der Fixkostenstruktur, die wir jetzt haben, könnten wir noch deutlich mehr Kunden bearbeiten. Je mehr Kunden wir somit gewinnen, desto tiefer werden unsere Kosten pro Kunde fallen. Darum ist für uns das konstante Kundenwachstum so wichtig.

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Wo wollen Sie wachsen?
Bürki: Wir wollen neue Kundensegmente erschliessen. Ein neues Segment für uns sind Kunden mit Vermögen, die grösser sind als 500000 Fr. Da werden wir auch unsere Dienstleistungen ausbauen. Diesen Kunden können wir auch zusätzliche Beratung anbieten.

Eine starke Stellung hat die Swiss-quote auch im Schweizer Optionenmarkt: Was planen Sie in diesem Bereich?
Bürki: Swissquote hält heute einen Marktanteil von 15 bis 20% am Schweizer Optionenmarkt ? bzw. 15 bis 20% von allen Warrants-Transaktionen an der SWX. Dabei ist zu beachten, dass wir keine Produkte emittieren und somit nur auf der «Buy-Side» sind. Diese Zahlen kann man somit verdoppeln. Wir werden unsere Dienstleistungen weiter ausbauen. Bereits heute kann man direkt über die Plattform sämtliche Derivativprodukte der Euwax kaufen. Punkto SWX sind wir stark involviert im neuen Quotematch-Projekt der Schweizer Börse.

Swissquote ist zwar Marktleader in der Schweiz. Doch Ihre Konkurrenten, zum Beispiel E-Sider, versuchen, Ihnen über eine aggressivere Preispolitik Kunden abzujagen. Was unternehmen Sie?
Bürki: E-Sider ist in einigen Segmenten, etwa im US- und Europa-Handel, teurer als wir. Im Schweizer Handel ist das Unternehmen je nach Transaktionsgrösse ein paar Franken günstiger. Doch das schmerzt uns nicht. Ich denke, die Zeiten, als sich die Kunden allein aufgrund des Preises für einen Online-Trader entschieden, sind vorbei. Nicht nur der Preis ist wichtig, sondern auch die Frage, ob man die richtige Dienstleistung bringt.

Doch der Wettbewerb im Online-Geschäft wird sich doch nochmals intensivieren.
Bürki: Ja, aber dies belebt das Geschäft.

Allerdings könnte es auch für Swissquote gefährlich werden, wenn plötzlich ein grosser ausländischer Konkurrent wie E-Trade im grossen Stil auf dem Schweizer Markt aktiv würde.
Bürki: Da gebe ich Ihnen Recht. Uns hilft aber, dass der Schweizer Markt für ausländische Konkurrenten ein komplizierter und teurer Markt ist. Alle Dokumente und Websites müssen in vier Sprachen verfasst werden. Dies gilt auch für die Vertragsunterlagen und das Callcenter. Dazu kommt, dass man in der Schweiz eine Banklizenz braucht. Dies alles schreckt einige Konkurrenten ab. Darüber hinaus ist die Schweiz für die ganz grossen Marktteilnehmer aus den USA schlicht zu klein. Der Aufwand, der für die Erschliessung nötig ist, und der Konkurrenzkampf mit Swissquote dürften zu hoch sein.

Die «Finanz und Wirtschaft» hatte Ihnen vorgeworfen, die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal sei zu gut dargestellt worden. Wie stellen Sie sich dazu?
Bürki: Das war eine schwere Anschuldigung, doch sie war komplett falsch. Das war klar eine Zeitungsente. Der betroffene Journalist hatte nicht sauber gearbeitet. Das sagen übrigens nicht nur wir. Die Schweizer Börse hat die Vorwürfe genau geprüft und uns ebenfalls offiziell bestätigt, dass nichts daran ist und bei uns alles korrekt verbucht wurde. Die SWX hatte zusammen mit unserer Revisionsfirma PricewaterhouseCoopers die Details untersucht, aber sehr rasch festgestellt, dass die Vorwürfe unsinnig sind.

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Was sagen Sie zum Vorwurf, Ihre Aktien seien zu hoch bewertet?
Bürki: Da bin ich anderer Meinung. Je nachdem, wie wir im 2004 abschliessen, werden unsere Aktien ein Kurs-Gewinn-Verhältnis um 15 haben. Ich denke nicht, dass wir überbewertet sind. Wir haben eine Bewertung wie eine Wachstumsfirma. Das sind wir ja auch. Unsere Aktie hat noch Potenzial.

Von diesem Potenzial scheint auch Thomas Matter, der Gründer der Swissfirst, überzeugt zu sein.
Bürki: Thomas Matter hält als Privatinvestor 5% an der Swissquote. Dieses Investment hat aber nichts mit der Swissfirst zu tun, sondern ist ein Privatinvestment.

Wäre aus Ihrer Sicht eine Zusammenarbeit mit der Swissfirst denkbar?
Bürki: Unsere Unternehmen bewegen sich in anderen Segmenten, obschon beide Firmen letztlich Banken sind. Wir betreiben im Gegensatz zur Swissfirst kein Private Banking, sondern konzentrieren uns auf die Kleinkunden. Daher gibt es derzeit keine Überlegungen für eine Zusammenarbeit der Swissquote mit der Swissfirst.