Es ging überraschend schnell: Vor zehn Tagen erste Übernahmegerüchte, dann vor einer Woche die offizielle Bestätigung, dass Verhandlungen geführt würden und jetzt ist der Deal schon perfekt. Synthes wird von Johnson & Johnson übernommen. Die Amerikaner lassen sich das insgesamt 21,3 Milliarden Dollar kosten. Gegenüber dem Schlusskurs der Synthes-Aktien vom Dienstag bedeutet das einen Aufschlag von 8,5 Prozent.

Firmengründer Hansjörg Wyss, der auch Hauptaktionär und Verwaltungsratspräsident von Synthes ist, hat der Transaktion zugestimmt. Wyss ging es offenbar, wie schon im Vorfeld der Übernahme vermutet, um die Sicherung seines Lebenswerks. Wyss geht gemäss Medienmitteilung denn auch davon aus, dass sein Unternehmen bei Johnson & Johnson gut aufgehoben sein wird. Auch die eigene Unternehmenskultur werde man beibehalten können.

Der 1935 geborene Wyss hält an Synthes direkt 40 Prozent sowie acht Prozent über Familienstiftungen. Laut der Forbes-Liste ist momentan Ernesto Bertarelli mit 10 Milliarden Dollar der reichste Schweizer. Auf Platz zwei steht Hansjörg Wyss mit 6,4 Milliarden. Der Verkauf von Synthes würde Wyss zusätzlich 10 Milliarden Dollar bringen. Dies wird ihn zum reichsten Schweizer machen. 

Transaktion muss noch genehmigt werden

Synthes wird künftig zusammen mit den Unternehmen der DePuy-Gruppe, die ebenfalls Johnson & Johnson gehören, den grössten Geschäftsbereich im Segment Medical Devices and Diagnostic bilden. Gemeinsam würden DePuy und Synthes das innovativste und umfassendste Orthopädiegeschäft der Welt betreiben, wird Johnson-&-Johnson-Chef Bill Weldon im Communiqué zitiert.

Noch unklar ist, inwiefern sich die Übernahme auf die Schweizer Standorte von Synthes auswirkt. Die Frage, was mit den acht von insgesamt 14 Produktionsbetrieben in der Schweiz geschieht, wird in der Medienmitteilung nicht angesprochen.

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Die Transaktion muss von den US-Wettbewerbsbehörden und der EU-Kommission genehmigt werden. Sie unterliegt indes nicht den Schweiz Übernahmebestimmungen, da Synthes ausserhalb des Landes eingetragen ist.

SMI: Wer folgt auf Synthes?

Mit der Übernahme durch Johnson & Johnson verabschiedet sich Synthes von der Schweizer Börse und damit auch aus dem Swiss Market Index (SMI), der die 20 grössten Titel am Schweizer Aktienmarkt umfasst. Die Börsenbetreiberin SIX Group wird jetzt ein anderes Unternehmen in den erlauchten Kreis aufnehmen.

Welches Unternehmen das sein wird, lässt sich nach Auskunft von SIX-Sprecher Alain Bichsel aber noch nicht sagen. Klar ist, dass nach dem Verkauf von Synthes an Johnson & Johnson der dann nächstgrössere Titel an der Börse in den SMI nachrückt.

In Frage kommen für die Synthes-Nachfolge im SMI die im Swiss Leader Index (30 Titel) auf den derzeitigen Plätzen 21 und folgende platzierten Unternehmen. Die wichtigsten Titel in diesem Segment sind derzeit der Sanitärkonzern Geberit, der Hörgerätehersteller Sonova und der Logistik-Multi Kühne + Nagel.

(cms/sda)