Das nächste grosse Ding in der digitalen Welt, da sind sich viele Fachleute einig, werden elektronische Portemonnaies sein. Unter solchen «E-Wallets» versteht man Smartphone-Apps, mit welchen man tägliche Einkäufe bezahlen und seinen Freunden oder -Geschäftspartnern Geld per Fingertipp überweisen kann. Weil hier Disziplinen wie Banking, Detailhandel, IT und Telekommunikation verschmelzen, lockt das eine Vielzahl von Branchenplayern an. 

Auch hierzulande wird eifrig in solche Applikationen investiert, in einer verwirrenden Betriebsamkeit: Banken bauen am System Paymit, die Post lanciert Twint, Manor und Migros favorisieren eigene Lösungen. Vor drei Jahren schon begann Swisscom mit der Entwicklung von Tapit.

Einer bleibt auf der Strecke – gut so

Dass verschiedene Firmen unkoordiniert vorpreschen, mutet unschweizerisch an. Original helvetisches Engineering sähe eher so aus: Gründung einer Planungsgruppe. Etablierung eines Verbandes mit Einbindung des Datenschützers. Vernehmlassung zur Definition eines Standards, der für alle Beteiligten (und in allen Landessprachen) funktioniert.

Resultat in der digitalisierten Welt: Stünde der Standard, wäre er längst überholt. Wenn nun jeder vorprescht, mag das zunächst Unklarheit schaffen. Aber es verleiht der Schweiz einen Hauch Silicon Valley, wo das Prinzip des «permanent beta» vorherrscht, das frühe Umsetzung favorisiert. 

Nun wurde bekannt, dass Swisscom seinen Bezahldienst Tapit einstellt. Fazit: Einer bleibt auf der Strecke. Die anderen optimimieren weiter. Gut so. Go for it.

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