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IBM-Chefin erklärt am WEF den Supercomputer Watson

IBM-Chefin Rometty: Künstliche Intelligenz als Partner – nicht Gegner. Keystone

Supercomputer Watson ist sehr viel mehr als ein Quizmaster. Er diagnostiziert Krebs treffsicherer als viele Ärzte, sagt Ginni Rometty. Am WEF erklärt die IBM-Chefin, wie das funktioniert.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 18.01.2017

Der Sieg im Jeopardy war das erste Vorzeichen: Supercomputer Watson wurde 2011 damit weltberühmt. Seitdem basteln die Erschaffer von IMB daran, mit dem Mastermind wichtige Probleme dieser Zeit zu lösen – und neue Geschäftsmodelle zu finden. Am WEF sprach IMB-Chefin Ginni Rometty über den Einsatz von Watson in der Krebstherapie.

«Watson hat zu 100 Prozent gefunden, was die Ärzte gefunden haben. Und in 30 Prozent der Fälle bot der Computer noch Behandlungsmöglichkeiten darüber hinaus», so Rometty in einem Panel in Davos. Ihre Aussage bezieht sich auf ein Experiment, das IBM mit der University of North Carolina durchgeführt habe.

Krebs-Berater Watson

Man habe Watson mit den Daten der 100 schwierigsten Krebserkrankungen im Uni-Klinikum gefüttert. Beim Vergleich mit den Diagnosen der Ärzte schnitt Watson gut ab. «Watson fungiert als Berater bei der Diagnose, weil er mehr Daten aufnehmen kann als jeder Mensch».

Um Watson als Unterstützung in der Onkologie zu trainieren, habe man zunächst 18 Millionen Dokumente in den Superrechner gespeist. Seine erste Aufgabe war es, die medizinische Fachsprache zu lernen. Dann musste die Treffsicherheit bei der Diagnose trainiert werden. Der letzte Schritt, so Rometty, sei schliesslich gewesen, dass der Supercomputer auch bei der Diagnose nach den Bedürfnissen des Patienten differenzieren könne. «Wenn eine Frau noch Kinder bekommen möchte, sind zum Beispiel nicht immer alle Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs angebracht. Das sind wichtige Kriterien», sagt Rometty am WEF-Panel.

Datenmenge verdoppelt sich alle 60 Tage

Auf Widerstand von Ärzten sei IBM wenig gestossen. «Ärzte merken schnell, dass Watson eine Hilfe ist», sagt Rometty. Das Volumen an medizinischen Daten verdopple sich derzeit alle 60 Tage. Das sei mit menschlichen Kapazitäten nicht zu überblicken.

Allerdings sei es bei dem Einsatz von so mächtiger Technologie wie der von Watson wichtig, diese verantwortungsbewusst einzusetzen. Der Supercomputer ist längst nicht auf den medizinischen Bereich beschränkt, die Datenmaschine wird für Projekte mit Wissenschaftlern, Analysten, Unternehmen und Regierungen genutzt.

Änderung der Einstellung

Die Kooperation mit Watson bedeutet in vielen Fällen ein Schritt voran in der digitalen Transformation. Ein Schwerpunkt, so Rometty, sei dabei, Mitarbeiter in den Projekten weiterzubilden. Künstliche Intelligenz sieht sie denn nicht als Ersatz für den Menschen, sondern als einen neuen Partner.

Diese Voraussetzung sieht auch Digitalisierungsexperte Anders Sörman-Nilsson im Fokus. «Unternehmen müssen in ihrem Kern digital werden, wollen sie als digitale Geschäftspartner glaubwürdig sein», sagte er am Alpensymposium in Bern in der vergangenen Woche. «Das bedeutet vor allem, eine Veränderung der Einstellung bei Entscheidern und Angestellten in einem Unternehmen.»

Kooperation von digital und analog

Es sei dabei wichtig, das Digitale intelligent mit dem Analogen zu verknüpfen, sozusagen «digilog» zu arbeiten. Sörman-Nilsson sieht darum auch keinen Hinderungsgrund, warum nicht Firmen mit grosser Tradition den Schritt in die Digitalisierung gut bewältigen können. «Es gibt viele Beispiele, wo das gut funktioniert – zum Beispiel Victorinox in der Schweiz.»

Bei dem Ausblick auf die Digitalisierung ihrer Arbeitswelt fürchten allerdings viele Angestellte eine Entwicklung wie jüngst beim japanischen Versicherer Fukoku: 34 Mitarbeiter haben dort Anfang Januar ihren Job verloren. Ihre Arbeit übernimmt jetzt Supercomputer Watson.

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