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Forschung
Warum Roboter nicht zu menschlich sein sollten

Warum Roboter nicht zu menschenähnlich sein sollten
«Erica»: Der humanoide Roboter täuscht das menschliche Gehirn. Keystone

Humanoide Roboter werden immer realistischer. Das ist problematisch, weil das menschliche Gehirn nicht angemessen darauf reagieren kann. Besonders gefährdet sind Kinder.

Von Gabriel Knupfer
2016-05-12

Roboter werden nicht nur immer leistungsfähiger, was Rechenleistung und Mechanik betrifft. Sie gleichen sich auch äusserlich dem Menschen zunehmend stärker an. So tüfteln mehrere Firmen an der Entwicklung von Sexrobotern, die dank ihrer künstlichen Intelligenz und lebensechten Materialien die Interaktion mit anderen Menschen beinahe überflüssig machen sollen.

Die US-Weltraumbehörde Nasa hat Valkyrie entwickelt, einen humanoiden Roboter, der Astronauten die gefährlichsten Aufgaben abnehmen soll. Und Techfirmen wie Google haben Interesse an immer menschlicheren Robotern, weil sie sich erhoffen, dadurch eine bessere Mensch-Roboter-Kommunikation zu ermöglichen.

Diese Entwicklung birgt aber auch Gefahren, warnt Stuart Russell, Vizepräsident des World-Economic-Forum-Rats zu Robotik und künstlicher Intelligenz. Er fordert gar ein Verbot von «sehr menschenähnlichen Robotern». Unser Hirn sei nicht dazu in der Lage, eine Maschine, die wie ein Mensch aussehe, nicht auch wie ein Mensch zu behandeln, so Russell laut der Technologiewebseite Techinsider.

«Für kleine Kinder extrem verwirrend»

«In einem gewissen Sinn belügt ein humanoider Roboter unser Gehirn auf einer Ebene die wir nicht kontrollieren können», so Russel. Er bezieht sich dabei auf die Theorie des Uncanny Valley («Unheimliches Tal»), die besagt, dass die Akzeptanz von technisch simuliertem Verhalten durch Zuschauer mit zunehmendem Realismus nicht linear ansteigt, sondern an einem bestimmten Punkt einen starken Einbruch verzeichnet. Erst bei völliger Gleichheit von Mensch und Roboter wäre die Akzeptanz wieder da, so die Theorie.

Besonders gefährdet seien Kinder, sagt Russell. «Für kleine Kinder die in einem Haushalt mit humanoiden Robotern und Menschen aufwachsen, könnte die Situation extrem verwirrend sein», erklärt der Experte. Möglicherweise würden die Kinder Psychosen entwickeln, weil die Maschinen sich nicht so verhielten, wie es die Kinder von Menschen erwarten würden.

Arme Roboter in Japan

Tatsächlich zeigt eine Studie aus Japan – wo auch die Theorie des Uncanny Valley herkommt – wie Kinder aggressiv und gewalttätig auf humanoide Roboter reagieren können. Die Forscher kamen zum Schluss, dass je menschenähnlicher der Roboter aussieht (beziehungsweise je näher er dem Uncanny Valley kommt), desto grösser die Chance ist, dass er von Kindern verprügelt wird.