Die Abrechnungsarten, die so genannte Taktung, machen vor allem kurze Gespräche massiv teurer. Ein Beispiel: Ein einminütiges Gespräch wochentags kostet bei Swisscom 8 Rappen, effektiv werden 10 Rappen verrechnet. Der Preis für dieses Gespräch erhöht sich um 25%. Ein 48-minütiges Gespräch im Niedertarif kostet 1.92 Fr., abgerechnet werden 2 Fr. Die Erhöhung durch den 10-Rappen-Takt beträgt rund 4%.

Diese Beispiele zeigen, dass die Auswirkungen der Taktung auf die Kosten stark von der Dauer der Gespräche und weniger von den Destinationen und Minutenpreisen abhängen. Comparis.ch hat vor einigen Jahren einen Festnetz-Index erstellt, der genau diese Verteilungen für einen durchschnittlichen Schweizer Haushalt simuliert. In die Berechnungen fliessen rund 1 Mio Gespräche ein, wobei die Verteilung der Anrufe auf die verschiedenen Destinationen in der Schweiz und im Ausland in Zusammenarbeit mit den Telefongesellschaften ermittelt wurde. Dieser Index wird jedes Jahr überarbeitet und an veränderte Telefongewohnheiten angepasst.

Mit Hilfe dieses Indexes lässt sich für jede Telefongesellschaft simulieren, wie teuer die publizierten Minutenpreise mit einem Ein-Sekunden-Takt im Vergleich zu der wirklich angewendeten Taktung sind. Der Index zeigt: Knapp 40% aller Gespräche sind kürzer als eine Minute. Die Auswirkungen eines 10-Rappen-Taktes für einen Durchschnittsschweizer betragen daher rund 8%.

Am kundenfreundlichsten und ganz ohne versteckte Gebühren ist die sekundengenaue Abrechnung, sofern keine Mindestgesprächsdauer oder sonstige Zusatzgebühren verrechnet werden. Die Kunden bezahlen effektiv nur für die Zeit, die sie auch telefoniert haben. In der Schweiz rechnen nur noch wenige Festnetzanbieter so ab, darunter green.ch, Phoneworld, 3U und RedTelecom. Interessanterweise rechnen sunrise und Orange bei Anrufen vom Handy nach 10 Sekunden im kundenfreundlichen Sekundentakt ab.

Mehr als 1 Franken Aufbaugebühr

Nicht immer, wenn mit dem Argument sekundengenau geworben wird, wird auch sekundengenau abgerechnet. So schreibt Profitel z.B. auf ihre Preisliste: «Abgerechnet wird im Sekundentakt, mit Rundung in 10-Rappen-Schritten.» In Wahrheit ist dies kein Sekundentakt, sondern nichts anderes als ein 10-Rappen-Takt. Damit verdienen sowohl Profitel wie auch die Swisscom mehr, als die Minutenpreise der Werbung suggerieren. Bei Swisscom beträgt die Verteuerung im Schnitt über 8%, womit dank dem 10-Rappen-Takt jährlich ein Rundungsgewinn von rund 120 Mio Fr. erreicht wird.

Andere Telefongesellschaften, z.B. Tele2 und Sunrise, verlangen eine Verbindungsaufbaugebühr, also eine Grundgebühr für eine zu Stande gekommene Verbindung. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung wird diese Gebühr nur bei zu Stande gekommenen Verbindungen berechnet. Bei Inlandgesprächen wird in der Regel eine Gebühr von wenigen Rappen fällig. Richtig teuer kann es z.B. mit Tele2 und Econophone bei Auslandgesprächen werden. Bei teueren Destinationen bezahlt man unter Umständen mehr als 1 Fr. für den Verbindungsaufbau.

Grundsätzlich wirkt sich die Verbindungsaufbaugebühr vor allem auf die Kosten von kurzen Gesprächen aus. Bei gleichem Minutenpreis bezahlt man durch die Verbindungsaufbaugebühr von Tele2 und Sunrise im Durchschnitt über 7% mehr als bei sekundengenauer Abrechnung. Sunrise verdient durch eine spezielle Aufrundung auf den nächsten Rappen weitere rund 1% pro Gespräch.

In der Schweiz eher weniger bekannt ist die Abrechnung in Schritten einer bestimmten Länge. So rechnet Globalzone zum Beispiel im 10-Sekunden-Takt auf. Die Gesprächsdauer wird auf die nächsten 10 Sekunden aufgerundet, und erst dann wird der Preis für die Verbindung berechnet. Bei einem kurzen Taktintervall (z. B. 6 oder 10 Sekunden) verteuern sich die Gespräche nur minimal.

Teures Roaming

Bei Anrufen mit dem Handy im Ausland ­ internationales Roaming ­ wird dagegen häufig mit einem Taktintervall von 60 Sekunden abgerechnet. Da die Minutenpreise bei diesen Gesprächen sehr hoch sind und man häufig kurz telefoniert, kann die Verteuerung stark ins Gewicht fallen.

Wenig kundenfreundlich sind Anbieter, die eine hohe Mindestgebühr pro Anruf verrechnen. Bei Vartec kostet jedes Gespräch mindestens 1 Fr. (aufs Festnetz Schweiz 50 Rp.). Je nach Destination wird die Mindestgebühr erst nach über zehn Minuten erreicht. Im Vergleich zur sekundengenauen Abrechnung zahlt der durchschnittliche Schweizer Telefonbenutzer damit bei Vartec 75% mehr.

Fazit: Vor allem bei hohen Telefonkosten empfiehlt es sich, das eigene Telefonverhalten und die Anzahl kurzer Gespräche oder Faxe zu beachten. Oft lohnt sich ein Wechsel zu einem Anbieter mit sekundengenauer Abrechnung und dafür etwas höheren Minutenpreisen. 7 bis 8% der Kosten lassen sich so durchschnittlich einsparen. Bei www.comparis.ch kann man das detaillierte Telefonprofil sowohl für das Festnetz wie auch das Mobilnetz eingeben. Der Überblick zeigt dann schnell, wie der eigene Anbieter im Vergleich abschneidet.

Offerten einholen und 50 Prozent sparen

Vor allem für Firmenkunden lohnt es sich, die Auswirkungen der Taktung zu beachten. Je nach Geschäftstätigkeit gibt es grosse Unterschiede. Lokale Gewerbefirmen beispielsweise tätigen häufig kurze lokale Anrufe. Wer vor allem Faxe versendet, sollte einen Anbieter mit sekundengenauer Abrechnung wählen.

Firmenkunden mit einer monatlichen Telefonrechnung ab etwa 1500 Fr. sollten auf jeden Fall bei verschiedenen Anbietern individuelle Offerten einholen. In der Regel werden die Telefonanbieter den Kunden über eine Mietleitung an ihr eigenes Netz anschliessen. Bei kleineren Kunden kann auch eine Voreinstellung in der Swisscom-Zentrale (so genannte Preselection) in Frage kommen. Oftmals sind Einsparungen im zweistelligen Prozentbereich möglich, in Einzelfällen kann die Telefonrechnung auf die Hälfte reduziert werden. Es ist übrigens üblich, dass man um die Preise von für den Kunden wichtigen Destinationen feilschen kann. Zum Teil können trotz Preselection bei einem Anbieter Anrufe auf bestimmte Destinationen via Zentrale automatisch über einen billigeren Anbieter geführt werden.

Viele Firmen bieten für Geschäftskunden zu individuellen Konditionen Festnetz-Dienstleistungen an, unter anderem Swisscom Enterprise Service, Sunrise, MCI Worldcom, T-Systems und Colt.

Auch Firmen mit einer niedrigeren Telefonrechnung können Telefongebühren durch einen Wechsel sparen. In der Regel werden zwar die Tarife der Privatkunden berechnet, aber ab einer bestimmten Rechnungshöhe gibt es Rabatte, z.B. ab 100 Fr. pro Monat bei Swisscom und Sunrise.

Auch die Mobilfunkanbieter bieten spezielle Angebote für Firmenkunden an. Ab sechs Anschlüssen gibt es in der Regel ein preisgünstiges KMU-Angebot. Bei Sunrise etwa erhalten Business-Festnetz-Kunden und Business-Kunden, die 20 und mehr Mobilfunkanschlüsse benötigen, individuelle Angebote.

Für Firmen oder Privatanwender mit sehr hohen Festnetzkosten für Anrufe auf Handys lohnt es sich, den Einbau einer neuen Technologie zu prüfen. Die so genannten GSM-Gateways erlauben Gespräche vom Festnetz über ein fest installiertes Mobilgerät auf das Mobilnetz zu führen. So profitiert man von den deutlich geringeren Gebühren für Anrufe innerhalb des Mobilnetzes. Einsparungen von bis zu 40 Rp. pro Minute sind möglich, sodass sich die einmalige Investition von rund 2000 bis 3000 Fr. schon nach wenigen Monaten rentiert hat.

Es gibt auch Firmen, die Einbau und Beratung gratis anbieten und dafür einen Anteil der Einsparungen verlangen. Ab etwa 700 Fr. Monatsrechnung für Anrufe auf Handys lohnt es sich, den Einsatz dieser Technologie zu prüfen. Aber Achtung: Mobilfunknetzbetreiber haben Anschlüsse von GSM-Gateways auch schon gesperrt. Die rechtliche Situation ist aber derzeit noch unklar, denn die Mobilfunkanbieter Swisscom Mobile und Orange verkaufen selbst GSM-Gateways an Geschäftskunden.

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