Mit ihren unfassbaren Tiefpreisen sorgt die chinesische Shoppingplattform Temu seit ihrem Schweizer Start im Frühling 2023 für Furore. Handyhüllen ab 71 Rappen, T-Shirts ab 2.79 Franken, kabellose Kopfhörer ab 4.99 Franken – mit solchen Angeboten macht Temu massiv Umsatz. 

Schon 2024, im ersten vollen Geschäftsjahr, kam die chinesische Plattform gemäss Schätzungen der Winterthurer Beratungsfirma Carpathia hierzulande auf Verkäufe von 700 Millionen Franken. Jetzt hat Carpathia Temus Schweizer Zahlengerüst von 2025 untersucht. Verdikt: Das Unternehmen, das mit dem Slogan «Shoppe wie Milliardäre» wirbt, ist in der Schweiz zum Umsatzmilliardär geworden. Oder in den Worten von Carpathia: «Temu knackt Schweizer Umsatzmilliarde – Wachstum ungebremst».

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Temu erzielt in der Schweiz grössere Warenkörbe

David Morant, Co-Inhaber von Carpathia, erklärt den Temu-Höhenflug so: «Stark zu diesem erneuten Umsatzwachstum dürften die grösseren Warenkörbe beigetragen haben.» Carpathia geht von täglich über 50'000 Temu-Bestellungen aus.

Was der E-Commerce-Spezialist damit meint: Die Menge der Pakete mag zwar nicht mehr so stark angestiegen sein wie 2024, doch die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten hätten 2025 eine gewisse Loyalität zu Temu entwickelt und sich damit getraut, grössere Bestellungen aufzugeben. 

Der 40-prozentige Anstieg von 2024 auf 2025 passt zu einer Zeit, die im Online- und Offlinehandel zunehmend von Preiskämpfen bestimmt ist und jene Anbieter belohnt, die im Tiefpreis-Segment operieren.

Schweizer Zahlen tauchen nicht im Geschäftsbericht auf

Objektiv verifizieren lassen sich Temus Schweizer Zahlen nicht. Nur schon deshalb nicht, weil Temus Mutterfirma, die in den USA börsenkotierte PDD Holdings, überhaupt keine Zahlen zu Temu zeigt. Nicht auf Firmenebene und schon gar nicht auf Länderebene. Aber aufgrund von Paketmengen, stichprobenartigen Erhebungen von Warenkörben und Einschätzungen der Konkurrenz lässt sich in etwa ein Bild zeichnen des Schweizer Temu-Erfolgs. 

Ein Erfolg, der hierzulande viele Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan ruft. Einerseits, weil sich die Konkurrenz Temus Kalkulationsmodell kaum erklären kann. Anderseits aber auch, weil die Chinesen die Schweiz zwar mit Päckli voll mit Billigartikeln fluten, aber hierzulande (bisher) nicht mitmachen wollen beim etablierten Entsorgungs-System der vorgezogenen Recyclingbeiträge.

Temu schafft es in die Top 5 der grössten E-Shops in der Schweiz

Wenn man Temus erste Schweizer Umsatzmilliarde in den Vergleich zu den anderen grossen Playern stellt, so dürften die Chinesen erstmals den Sprung in die Top 5 geschafft haben. Hinter Zalando, Galaxus, Digitec und Amazon würde nun Temu stehen.

Dies noch vor hiesigen Champions wie Ricardo oder Brack.