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Auswanderer
Theo Müller: «Ich lebe nicht schlecht im Exil»

Theo Müller im Jahr 2003: Auch heute geht der 73-Jährige noch jeden Tag zur Arbeit.

Der deutsche Milchbaron über seine Wahlheimat am Zürichsee und mögliche Alternativen dazu. Auch zu Uli Hoeness äussert sich Müller - allerdings nicht eben schmeichelhaft

Von Claude Baumann
am 17.07.2013

Sie leben seit mittlerweile zehn Jahren in der Schweiz. Könnten Sie sich eine Rückkehr nach Deutschland noch vorstellen?
Theo Müller: Deutschland ist meine Heimat. Von da stammt meine Familie, kommt meine Sprache her, mein Dialekt. Man gibt schon etwas auf, wenn man seine Heimat verlässt, selbst wenn es in meinem «Exil» in Erlenbach an der Zürcher Goldküste besonders schön ist. Ich lebe nicht schlecht hier. Aber an eine Rückkehr ist jetzt nicht mehr zu denken, zumal ­meine Frau und meine jüngsten beiden Kinder, die jetzt 13 und 15 sind, sich hier bereits gut eingelebt haben.

Sie sprechen von einem «Exil»?
Müller: In Anführungs- und Schlusszeichen, das ist natürlich auch ein bisschen scherzhaft gemeint. Mir gefällt es in der Schweiz ausgesprochen gut. Der grösste Teil meines Lebens ist ja vorbei. Da werde ich sicher nicht nochmals umziehen. Ein schönes «Häusle» haben wir und noch ­eines in Klosters im Bündnerland. Damit habe ich alles, was ich brauche.

Fehlt bloss noch der Schweizer Pass. Ist das eine Option?
Tja, das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich bin grundsätzlich Deutscher. Die deutsche Geschichte und Kultur, die Literatur, all das steht mir sehr nahe. Aber ich weiss ja nicht, was da noch alles kommt. Vielleicht wird es sogar notwendig, dass ich Schweizer werde.

Warum sollte eine Einbürgerung denn notwendig werden?
Der Zugriff des deutschen Fiskus auf Unternehmen und die dahinterstehenden Personen könnte grösser werden, sofern jemand wie Jürgen Trittin in der nächsten deutschen Regierung Finanzminister würde. Wenn ein ehemaliger Kommunist – vielleicht ist er es heute noch – Finanz­minister Deutschlands wird, dann kann es einem ja übel werden. Da käme noch allerhand auf die deutschen Bürger zu.

Und Sie würden dann Schweizer werden wollen?
Es gibt noch andere Gründe. Aber das wäre gewiss ein wichtiger. Das könnte ich mir schon vorstellen.

Haben Sie seinerzeit auch Alternativen zur Schweiz geprüft, als Sie beschlossen, ins «Exil» zu gehen?
Sicher. Ich bin ja wegen der drohenden Erbschaftssteuer aus Deutschland weggegangen. Das war der Hauptgrund. Ich erkannte, dass, wenn ich mein Geld weiter investiere, wesentlich mehr für das Unternehmen und den Staat herausschaut, als wenn ich es über die Erbschaftssteuer abgebe. Indem ich Deutschland verliess, brauchte ich nicht länger für die Erbschaftssteuer zu sparen, sondern konnte mein Kapital anderweitig ein­setzen. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass meine Investitionen bereits jetzt ein Mehrfaches dem Staat gebracht haben als das, was ihm als Erbschaftssteuer von mir zugeflossen wäre.

Was waren die Alternativen zur Schweiz?
Österreich. Das Land hatte damals ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland, das sehr vorteilhaft war. Aber Gott sei Dank bin ich da nicht hingegangen. Denn kurz darauf hat Österreich die Erbschafts- und Schenkungssteuern komplett abgeschafft, sodass die Deutschen das vorteilhafte Doppelbesteuerungsabkommen sogleich aufkündigten.

Deshalb haben Sie sich für die Schweiz entschieden?
Ja, aber natürlich auch wegen der hohen Lebensqualität. Wir wohnen nur gerade 10 Kilometer von Zürich entfernt, wo die Lebensqualität zu den höchsten in der ganzen Welt zählt. Das kann man ruhig wieder einmal sagen.

Vor einigen Jahren sorgten Sie allerdings für Schlagzeilen, als im Kanton Zürich die Stimmbürger über die Abschaffung der Pauschalbesteuerung abstimmen mussten. Da haben Sie im Vorfeld gedroht, bei einer Annahme der Initiative von Zürich wegzuziehen.
Halt, halt! Ich habe nie gedroht. Ich habe lediglich gesagt, vielleicht muss ich über den See in den Kanton Schwyz ziehen, vielleicht. Von einer Drohung kann nicht die Rede sein.

Weggezogen sind Sie dann aber doch nicht. Warum?
Das war nicht notwendig. Aus meinem Vermögen entsteht ja kein neues Einkommen. Und bei meinen beiden Häusern könnte ich mich verschulden. Dann besässe ich gar nichts und hätte dann überhaupt nichts mehr zu ver­steuern.

Was ist mit Ihrem Einkommen?
Das deutsche Einkommen muss ich in Deutschland versteuern. Das eng­lische in England und so weiter. Es ist endbesteuert, und damit hat sichs.

In der Schweiz verdienen Sie nichts?
Doch, doch. Aber auch da zahle ich korrekt meine Steuern wie jeder Schweizer Bürger.

Halten Sie die aktuelle Steuerhinterziehungs-Debatte nicht allmählich für etwas ermüdend?
Das ist halt der gegenwärtige Mainstream. Doch am Ende wird sich die Wahrheit durchsetzen. Ich zitiere gerne den griechischen Philosophen und Dichter Xenophanes, der fünfhundert Jahre vor Christus sagte: «Nicht von Beginn an ­offenbaren die Götter dem Sterblichen alles. Doch im Laufe der Zeit erreichen wir suchend das Bessere.» Da will ich doch meinen Betrag dazu leisten.

Haben Sie in Ihrem Umfeld keine Bekannte, bei denen sich herausstellte, dass sie Steuern hinterzogen haben?
Ich kenne nur einen Grossunternehmer, bei dem ich über die Zeitung erfuhr, dass er Strafsteuern zahlen muss. Uli Hoeness kenne ich nicht persönlich. Aber es ist schon so: Es gibt eine Menge reicher Leute, die noch viel mehr verdienen als ich und in Steuerstrafverfahren verwickelt sind. Das ist schon sehr peinlich.

Was ging Ihnen durch den Sinn, als Sie hörten, dass FC-Bayern-München-Präsident Uli Hoeness Steuern hinterzog?
Dummheit! – habe ich mir gedacht.

Uli Hoeness ist allerdings kein Einzelfall. Finden Sie es nicht erstaunlich, wie viele Deutsche untersteuertes Geld in der Schweiz haben?
Die Versuchung war natürlich immer gross bei dieser hohen Steuerbelastung in Deutschland. Aber Gott sei Dank war das nie mein Prinzip.

Kamen Sie selber nie in Versuchung?
Natürlich. Wenn man es nicht mit Oscar Wilde hält, der gesagt hat: «Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht.» Ein langjähriger Berater gab mir den wohl wichtigsten Ratschlag meines Lebens. Er sagte: «Ich kenne keinen Mauschler, der es zu was gebracht hat.»

Das haben Sie sich zur Devise gemacht?
Ja, darum bin ich auch von Deutschland weggegangen. Ich will in dem Land, in dem ich lebe, die Gesetze einhalten. Doch mit der Erbschaftssteuer wurde mir das verunmöglicht. Darum habe ich mir gesagt, ich verlasse dieses Land und gehe dorthin, wo ich mich so organisieren kann, dass für mich – ohne zu mauscheln – weniger oder keine Erbschaftssteuer anfällt, zum Wohle meines Unternehmens und der gesamten Volkswirtschaft.

Gesellschaftlich setzt sich der Hang zu mehr Transparenz immer stärker durch. Im Zeitalter von Enthüllungen wie den Offshore-Leaks verliert die Privatsphäre an Bedeutung. Wie gehen Sie damit um?
Ich habe damit überhaupt kein Problem. Natürlich gibt es gute Gründe, dass man seine finanzielle Privatsphäre schützt. Das muss man respektieren. ­Allerdings diente das Bankgeheimnis in der Vergangenheit schon auch bei manchen Leuten dazu, gewisse Dinge zu tun, die man nach legalen Prinzipien eigentlich nicht hätte tun dürfen.

Hand aufs Herz, schlafen Sie gut? Haben Sie wirklich alles korrekt versteuert?
Hundertprozentig! Es gibt keine Listen, auf denen mein Name steht. Ich bin nicht angreifbar. Habe niemanden, der mich erpressen kann.

Das ganze Interview mit Theo Müller lesen Sie in der «Handelszeitung», erhältlich am Kiosk.

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