Es ist, als ob die Credit Suisse ihre Reputation nicht loswerden will. Body Guards draussen, Body Guards drinnen. Die Credit Suisse schaltet beim Forum St. Peter in Zürich auf Sicherheitsstufe rot. Die Besucher der Abschiedsmedienkonferenz von CEO Tidjane Thiam können sich nicht an ein vergleichbares Dispositiv erinnern. Doch gerüchtehalber hat die CS Angst vor Racheaktionen von Greenpeace, die von der Bank ebenfalls ausgehorcht wurde.

Der Andrang ist gross. Die Besucher scheinen etwas zu erwarten. Aber was? Vielleicht will man den Mann, der die CS knapp fünf Jahre geleitet hatte, noch einmal sehen. Ein Mann, der in der Finanzwelt für deftige Schlagzeilen gesorgt hatte. Und ein Mann, den man in der Schweiz zumindest in einer führenden Funktion in einer Firma nicht mehr sehen wird. 

Thiam betritt den Saal und und muss sich seinen Weg etwas durch die Fotografen bahnen. Diese dürfen nur einige Minuten im Raum bleiben. Thiam wirkt ernst, redet mit leiser, gewohnt nuschelnder Stimme. Er weist auf die beschränkte Zeit hin und geht schnell und sachlich durch die Jahreszahlen. In der ersten Reihe sitzt der künftige CEO Thomas Gottstein und hört zu.

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Die Szenerie ist ein grosser Kontrast zu Mitte 2015. In höchster Not holte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner Thiam vom englischen Versicherer Prudential. Die Credit Suisse setzte damals viel zu lange auf das Investmentbanking und brauchte dringend Kapital. Thiam kam fast als Heilsbringer. Damals wie heute war der Medienhype gross. Aber damals kam Thiam lachend. Heute ist die Stimmung angespannt.

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Die Anleger verabschieden ihn am Donnerstag nicht mit einem Blumenstrauss. Die Aktie der Credit Suisse sinkt am Donnerstag bis 3 Prozent. Die Jahreszahlen sind durchwachsen und von Sondereffekten geprägt.   

Vielleicht scheint Thiam das aufzuregen. Denn plötzlich zeigt er etwas Emotionen. «Wir hören oft den Vorwurf, dass wir nicht wachsen. Das stimmt nicht. Wir wachsen in den Geschäften, bei denen wir wachsen wollen.» Er beendet die Präsentation der Jahreszahlen mit dem Hinweis, dass die Bank einen sehr starken Jahresstart gehabt habe. Gehen und positiv in Erinnerung bleiben, heisst die Devise. Zwar hat Thiam den CS-Gewinn während seiner Amtszeit fast verdoppelt. Aber der Aktienkurs sank 40 Prozent.

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«Thiam ist ein Freund, obwohl er ein Arsenal-Fan ist»

Etwas überraschend betritt Nachfolger Thomas Gottstein nun die Bühne. Und die Atmosphäre entspannt sich gleich. Gottstein, der ab morgen Freitag die Bank führen wird, sagt: «Die letzten Wochen und Monate waren nicht einfach für uns. Doch es ist nun Zeit, nach vorne zu schauen.» Gottstein bedankt sich bei Thiam für sein Engagement und seinen Einsatz. «Thiam ist ein Freund, obwohl er ein Arsenal-Fan ist.» Erste zaghafte Lacher im Saal.  

Es geht zur Fragerunde. Journalisten wollen Details wissen zur Beschattungsaffäre und zu Thiams beruflicher Zukunft. Der Ivorer bleibt an der Oberfläche, weicht den Fragen aus. Ob er etwas bereue, fragt ein Journalist. «Wenn man grosse Unternehmen führt, hätte man in der Rückschau immer etwas besser machen können.»

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«Fünf Jahre bei einer Bank sind nicht wenig»

Dann der alte Journalisten-Trick: Naiv fragen. Ein Reporter einer renommierten Zeitung will wissen, warum er denn abtrete, wo doch seine operative Leitung so gut sei. «Wenn der Verwaltungsrat entscheidet, dass ich gehen muss, dann gehe ich», so Thiam. Und: Es stehe nicht in seinem Stellenbeschreib, sich unentbehrlich zu machen. Einstudierte, unverfängliche Antworten. Thiam fügt an: «Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe.» Die Antwort ins Positive drehen, auch ein alter Trick.  

Offen lässt Thiam seine berufliche Zukunft. «Morgen trete ich ab. Und mache eine Pause». Und im zweiten Anlauf: «Fünf Jahre bei einer Bank sind nicht wenig. Jetzt will ich Zeit haben für meine Familie.»

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Dann steht Thiam auf, packt seine Unterlagen in die Tasche, redet noch ein wenig mit seiner Assistentin. Und verlässt den Saal durch den Hinterausgang. Dafür steht Gottstein den Medien für Fragen zur Verfügung. Ein symbolischer Neuanfang.

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