Was für eine Ehre für den Thurgauer Stahlbauer Fatzer aus Romanshorn TG! Wenn der argentinische Superstar Lionel Messi (38) im Frühling 2026 mit dem amtierenden US-Meister Inter Miami aufläuft, spannt sich über ihm ein Stück Schweiz: Das Dach des neuen Stadions in Miami wird von Schweizer Stahlseilen getragen. Produziert werden sie von Fatzer. Die Tochterfirma der Brugg-Gruppe hat 130 Angestellte, wurde 1836 als Seilerei gegründet. Der Auftrag hat ein Volumen von über 5 Millionen Dollar.

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Das neue Stadion, der Miami Freedom Park, ist ein Herzensprojekt von Clubbesitzer David Beckham (50). Es hat 25’000 Sitzplätze und steht auf einem Areal von 131 Hektaren Grösse mit Park, Hotel, Büros, Restaurants und Läden. Markantes Herzstück ist aber das riesige Dach, das das gesamte Stadion überspannt – und auch heftigen Hurrikans standhalten muss.

40 Lastwagen beladen

Für diese Dachkonstruktion liefert Fatzer insgesamt 536 Stahlseile mit Durchmessern zwischen 10 und 140 Millimetern. Zusammen bringen sie über 609 Tonnen auf die Waage. Erstmals kommt dabei ein 140-Millimeter-Seil in einer Dachkonstruktion dieser Grösse zum Einsatz, wie Mediensprecher David Jägle gegenüber Blick ausführt. Das stärkste Seil besteht aus 488 Einzeldrähten, die in 15 Lagen miteinander verbunden sind. Es hält 2000 Tonnen stand. Allein die speziell entwickelten Endverbindungen sind über 1,5 Meter lang und wiegen über eine Tonne.

«Obwohl wir regelmässig hochfeste Stahlseile für Stadiondächer liefern, ist dieses Projekt von der technischen Komplexität über die Dimensionen bis zur Logistik aussergewöhnlich», sagt Fatzer-CEO Martin Bechtold. Auch der Transport vom Bodensee nach Amerika war eine zünftige Herausforderung. Über 40 Lastwagen verliessen im Sommer das Werk in Romanshorn. Die Seile wurden einzeln verpackt, dokumentiert und per See- sowie teilweise per Luftfracht nach Florida gebracht.

 

«Stahlzölle sind extrem hoch»

Spannend: Die Thurgauer führen den Grossauftrag trotz der von US-Präsident Donald Trump (79) ausgerufenen Zölle von 50 Prozent auf Stahl aus. «Die Stahlzölle sind extrem hoch», sagt Sprecher Jägle zu Blick. Er betont aber: «Immerhin gelten sie nicht nur für die Schweiz, sondern weltweit. So entsteht kein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen europäischen Anbietern.» Der Kunde in den USA übernehme die Zölle. «Weil es keine Alternative zu unseren Seilen gibt», freut er sich. «Langfristig sind die Stahlzölle aber eine grosse Herausforderung.»