Kurz vor der Entscheidung zum Verkauf der Aufzugssparte von Thyssenkrupp wächst in der Branche die Unruhe. Der am Bieterrennen nicht beteiligte Schindler-Konzern kündigte am Mittwoch an, den finnischen Konkurrenten Kone im Fall eines Zuschlags mit Kartellklagen zu überziehen. «Wir nehmen die Bestrebungen von Kone sehr erns», sagte Verwaltungsratsmitglied Alfred Schindler der Nachrichtenagentur Reuters.

Schindler befürchtet, dass durch einen Zusammenschluss von Kone und Thyssenkrupp ein Marktriese entsteht und es zu einem Verdrängungswettbewerb kommt. «Wir gehen davon aus, dass weitere Wettbewerber Klagen einreichen würden, weil ein Zusammenschluss von Kone mit Thyssenkrupp Elevator zu gross wäre. Da können wir kein Auge zudrücken.»

Kone hat nach eigenen Angaben eine Offerte in der Grössenordnung von etwa 17 Milliarden Euro vorgelegt. Insidern zufolge hat ein Konsortium um den Vermögensverwalter Blackstone rund 16 Milliarden Euro geboten - die höchste Offerte aus dem Kreis der Finanzinvestoren. Damit haben Kone und Blackstone vermutlich gute Chancen, in die Endrunde einzuziehen.

Mindestens drei bis vier Jahre

Neben dem Preis und den Job- und Standortzusagen an die mächtige IG Metall dürfte für Thysssenkrupp entscheidend sein, wie schnell und wie sicher ein Deal abgewickelt werden könnte. Hier setzt Schindler an. «Wir würden voraussichtlich Klagen in Europa, den USA, Kanada, China und möglicherweise auch Australien einreichen.» Diese Verfahren würden mindestens drei bis vier Jahre dauern, sagte Alfred Schindler. Er hatte den Konzern von 1985 bis 2011 geführt. Die Familien Schindler, Bonnard und ihnen nahestehende Parteien kontrollieren 71,1 Prozent der Stimmen des Schweizer Konzerns.

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Thyssenkrupp will bis Ende des Monats entscheiden, wie die Ertragsperle des Konzerns versilbert werden soll. Neben einem kompletten oder teilweisen Verkauf hält sich der kriselnde Ruhrkonzern einen Börsengang offen. Kone hat Insidern zufolge ein Bündnis mit dem Finanzinvestor CVC geschlossen: Durch eine Fusion der Aufzugsgeschäfte von Thyssenkrupp und Kone könnte der zum US-Konzern United Technologies gehörende Weltmarktführer Otis von der Spitze verdrängt werden.

«Regel der Kriegsführung»

«Otis ist seit rund 100 Jahren die Nummer Eins. Wir sind seit über 30 Jahren die Nummer Zwei», sagte Schindler. «Man darf ruhig davon ausgehen, dass weder Otis noch Schindler sich damit abfinden, verdrängt zu werden.»

Eine Fusion Kone/Thyssen würde Schindler nach eigenen Angaben sehr hart bekämpfen - nicht nur juristisch, sondern auch operativ, über den Preis, die Technologie und die Qualität. Schindler würde sich grosse Mühe geben, eine Übernahme von Thyssenkrupp Elevator durch Kone zu stoppen, denn die Aufzugsbranche sei schon jetzt extrem konsolidiert. «Wir haben gar keine Wahl.» Details wollte er nicht nennen. Überraschung sei Kern jeder Abwehr-Strategie. «Eine Strategie, die man im Voraus bekannt gibt, würde jeder Regel der Kriegsführung widersprechen.»

Vier ernsthafte Kandidaten für Thyssen-Sparte

Thyssenkrupp will mit dem Verkauf Mittel für den Umbau des seit Jahren kriselnden Konzerns gewinnen. Im Rennen ist Insidern zufolge neben Blackstone und Kone auch ein Konsortium aus den Finanzinvestoren Advent, Cinven und der Abu Dhabi Investment Authority, das von der Essener RAG-Stiftung unterstützt wird. Hinzu kommt der kanadische Investor Brookfield, der sich mit Temasek aus Singapur verbündet hat.

Thyssenkrupp wollte sich zum Stand des Verfahrens und den Äusserungen Schindlers nicht äussern. Auch Otis enthielt sich eines Kommentars. Von Kone war zunächst auch keine Reaktion zu erhalten.

Supertowers jagen Umsatz der Liftbauer nach oben

Thyssenkrupp eröffnete 2018 einen Teststurm für superschnelle Aufzüge. Solche Turbolifte sind auch ein gutes Geschäft für Schindler. Mehr hier.

(reuters/gku)