Die globale wirtschaftliche Abkühlung hat im Schweizer Recycling-Geschäft zu einer deutlichen Abkühlung geführt. «Noch nie war ein so drastischer Preiszerfall in kürzester Zeit festzustellen», schreibt der Verband Stahl-, Metall- und Papier-Recycling Schweiz (VSMR) in einer Medienmitteilung Anfang November.

80 Prozent unter Höchstpreis

Vor allem der Schrottpreis ist dramatisch eingebrochen. Seit August des laufenden Jahres ist der Schrottpreiszuschlag im freien Fall und notiert innerhalb von wenigen Monaten mit 115 Fr. pro Tonne heute um beinahe 80% unter dem Höchststand. Während sich der Handel mit Altmetallen bis vor kurzem noch als einträgliches Geschäft erwiesen hat, muss bei den Schrottverwertern und Recyclingfirmen aktuell für einige Sorten gar bezahlt werden. «Die hohen Schrottpreise hatten auch einen Vorteil für die Umwelt, da die Altautos statt in den Export wieder ins Schredderwerk gelangten», erklärt Peter Wiederkehr, Inhaber von Wiederkehr Recycling. Ähnlich sieht dies Inès Bub, Geschäftsführerin des Recyclingunternehmens Citron. «Wenn Altautos in Länder exportiert werden dürfen, welche die Autos und die daraus entstehenden Abfälle nicht umweltgerecht entsorgen, finden wir dies problematisch», so Bub.

Citron verwertet Sonderabfälle wie Autoresh, sprich die brennbaren Abfälle von Autos aus den Schredderanlagen. Einen direkten Einfluss der fallenden Rohstoffpreise auf den Geschäftsverlauf sieht das an der Berner Börse kotierte Unternehmen dagegen kaum. «Auf das von uns angenommene Material haben die Rohstoffpreise praktisch keinen Einfluss», so Bub. Die Gesellschaft will nach schwierigen Jahren der Restrukturierung auf den Erfolgsweg zurückfinden und strebt für das Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende Juni) eine Gewinnsteigerung um 50% auf 3 Mio Euro sowie eine Ebit-Marge von über 15% an.

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Altpapier unter Druck

Wie beim Schrott ist in den vergangenen Monaten auch der Preis für Altpapier massiv eingebrochen. Dabei ist das Niveau seit vergangenem Juli so tief gefallen, dass die Entsorgungsfirmen ihre Abnehmer sogar bezahlen müssen, damit diese das Altpapier übernehmen. «Die Nachfrage nach Altpapier und Holzabfällen ist in jüngster Zeit deutlich gesunken, dennoch spüren wir angesichts der geringen Mengen noch kaum einen Einfluss auf unser Geschäft», erklärt Veolia-Schweiz-Chef Gonzague Dejouany. Die Tochtergesellschaft des französischen Versorger- und Umweltkonzerns ist in der Schweiz als Privatfirma im Abfallmanagement tätig. Für die Abfall- und Altpapierentsorgung sind ansonsten hauptsächlich die Gemeinden zuständig.

Über das lokal organisierte Recycling-System läuft auch die Altglas-Sammlung. Hauptabnehmer bei den Gemeinden ist in der Schweiz die börsenkotierte Vetropack-Gruppe, die das Sammelgut ohne Qualitätsverluste zu neuen Produkten verarbeiten kann. Bezahlt wird das Sammelsystem über eine vorgezogene Entsorgungsgebühr, die bei den Produzenten und Importeuren von Glasverpackungen eingezogen wird. Die Methode mit der Trennung des Sammelguts nach drei unterschiedlichen Farben hat sich in den letzten Jahren als äusserst effizient erwiesen, sodass ausländische Glasverarbeiter die Nachfrage nach Altglas in der Schweiz hochtreiben. «Da Deutschland über zu wenig Altglas verfügt, kaufen die Hersteller in der Schweiz ein. Dadurch steigt der Preis für Altglas», erklärt Vetropack-Chef Claude Cornaz. Die weltweit fallenden Rohstoffkosten auf der anderen Seite hätten keinen Einfluss auf den Wert von Altglas. Im Moment trägt Vetropack die höheren Altglaskosten, schliesslich würde eine Preiserhöhung bei den neuen Produkten nicht akzeptiert.

Vetropack spürt Krise kaum

Ansonsten kann sich der Glasverpackungshersteller trotz der Finanzkrise nicht über eine sinkende Nachfrage beklagen. «Uns geht es gut, eine Krise sehen wir noch nicht», sagt Cornaz. Anzeichen einer Abschwächung gebe es allenfalls in Osteuropa, einem Markt, der in den vergangenen Jahren entsprechend stark gewachsen sei. Von der Finanzkrise ist Vetropack höchstens indirekt über ihr Werk in der Ukraine betroffen. «Die ukrainische Währung Hrywnja hat eine Abwertung um rund 20% erfahren. Dies wirkt sich negativ in der konsolidierten Gruppenrechnung aus», so der Vetropack-Chef.

Während bei Schrott, Altpapier oder Altglas die Abnehmer des Sammelgutes für die Ware bezahlen, müssen die Erzeuger von Sonderabfällen wie Batterien, Säuren und Lösungsmittel für deren Recycling und fachgerechte Entsorgung aufkommen. Daran ändern auch die Schwankungen bei den Rohstoffpreisen nichts. «Wir wurden schon immer für die Abfallannahme bezahlt», erläutert Inès Bub von Citron. Aus der Wiederverwertung von Sonderabfällen würden sich sonst die Kosten des Recycling-Prozesses nicht decken lassen. Ein Gewinn wäre überhaupt nicht möglich.