Was einfach klingt, ist es im Alltag oft nicht. Die Ärztin sagt: «Nehmen Sie dieses Medikament die nächsten drei Wochen jeden Abend zur gleichen Uhrzeit ein. Das ist wichtig für eine schnelle Genesung.» Der Patient nickt und denkt: «Easy!» Doch schon am dritten Tag der Therapie wird es 22 Uhr statt 19 Uhr. Und am elften Tag geht das Medikament ganz vergessen.

Richtig kompliziert kann es für chronisch kranke Menschen werden. Sie müssen oft jeden Tag unterschiedliche Medikamente einnehmen, zu unterschiedlichen Tageszeiten in diversen Rhythmen, vor oder nach dem Essen. Die Wahrscheinlichkeit, dass da mal etwas nicht nach Plan läuft, ist hoch.

Mangelnde Therapietreue kostet Milliarden

Mangelnde Therapietreue ist für die Patienten selbst ein Problem, aber auch für das Gesundheitswesen als Ganzes – und für die Volkswirtschaft. Erstens weil es in der Schweiz über 2 Millionen Menschen gibt, die als chronisch Kranke regelmässig Medikamente einnehmen müssen. Zweitens weil nicht oder falsch eingenommene Präparate die Kosten des Gesundheitswesen massiv erhöhen.

Schätzungen von Krankenkassen zeigen es. Eine chronisch Kranke, die sich an ihren Therapieplan hält, verursacht jährliche Kosten von durchschnittlich 13'000 Franken. Bei nicht-therapietreuen Personen dagegen liegen die Kosten im Schnitt bei 52'000 Franken. Das ist die vierfache Summe. Multipliziert mit den knapp 900'000 chronisch Kranken, die ihre Medikamente immer mal wieder vergessen, läppern sich Milliardenkosten zusammen.

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TOM, der Medi-Coach

Eine Schweizer App will nun mithelfen, diese unnötigen Kosten zu vermeiden. Und die betroffenen Patienten dabei unterstützen, ihren Therapieplan einzuhalten. Die App hört auf den Namen TOM und geht nach einer Testphase heute live.

TOM Screenshot

TOM: Die App erinnert Patienten daran, dass es Zeit ist, die Pillen einzunehmen.

Quelle: ZVG

Entwickelt wurde die TOM vom Zürcher Unternehmen Innovation6. Chef Sven Beichler sagt: «Uns interessiert weder, wie der User heisst, noch seine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer. Dies hat keinen Mehrwert für die Therapie. Deshalb gibt es bei TOM keine Registrierung.»

Patienten können ihre Medikamente einfach scannen oder aus einer Datenbank heraussuchen und für sich einen virtuellen Medikamentenschrank in der App speichern. Dann erhalten sie immer dann, wenn es Zeit ist für eine Pille, eine Meldung auf ihrem Smartphone. TOM ist quasi ein intelligenter Medikamenten-Wecker.

Darüber hinaus erinnert die App die User aber auch daran, dass demnächst Nachschub bestellt werden muss und bietet entsprechende Möglichkeiten an. Und sie prüft den Pharma-Cocktail im Medi-Schrank in Zusammenarbeit mit der Apotheken-Kette Topharm auf allfällige unerwünsche Wechselwirkungen – notabene völlig anonym.

Prominent besetzter Verwaltungsrat und Beirat

Serien-Gründer Sven Beichler hat eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten für den Verwaltungsrat und den Beirat von Innovation6 rekrutiert. So sitzt Coople-Gründer Viktor Calabro im Aufsichtsgremium, genau wie Christof Gerber, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Krankenkasse Sanitas (das ist durchaus ein Hinweis darauf, was für Unternehmen ein Interesse daran haben, ihren Kunden TOM zu Verfügung zu stellen).

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Im Beirat wiederum engagieren sich unter anderem Markus Mahler, langjähriger Chef beim Onlinehändler Brack, und Matthias Baumann, früher Geschäftsführer beim Möbelhändler Pfister und heute Chef der MTH Retail Group Holding, die in der Schweiz etwa die Läden von Office World betreibt.

Beichler selbst hat vor TOM unter anderem das Schoggi-Startup mySwissChocolate gegründet. Es stellt individualisierte Schokolade auf Kundenwunsch her.