Die Uhrenfirma Favre-Leuba gibt es seit 1737, also seit 284 Jahren. Die Marke gehört damit zusammen mit Blancpain und Vacheron Constantin zu den ältesten der Schweiz. Und doch ist Favre-Leuba «too young to die», jedenfalls für Firmenchef Philippe Roten. Gegenüber dem Uhren-Magazin «Watch Around» sagte er: «Es ist viel zu früh, um den Stecker zu ziehen.»

Favre-Leuba gehört heute zum indischen Riesenkonzern Tata. Doch die Inder haben den Glauben an ihre 2011 gekaufte Marke verloren. Im vergangenen Dezember drehten sie in Solothurn den Geldhahn zu. Mehr als die 37 Millionen Franken, die sie bei Favre-Leuba in den Sand gesetzt haben, wollten sie nicht verlieren.

Philippe Roten aber will das Ende nicht akzeptieren. Er verhandelt derzeit mit Tata über den Kauf von Favre-Leuba. Es sehe, so Roten gegenüber «Watch Around», gut aus, «ausgesprochen gut». Mehr könne er aber noch nicht sagen. Und schon gar nichts zum Kaufpreis.

Philippe Roten

Philippe Roten: «Es ist viel zu früh, den Stecker zu ziehen.»

Quelle: ZVG
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Klar ist: Roten will die Uhrenmarke nicht alleine kaufen. Er hat diverse Partner im Boot. Alle aus seinem Heimatkanton, dem Wallis. Es seien Privatpersonen und Firmen mit dabei, so Roten. Er ist ein alter Hase im Uhrengeschäft. Er arbeitete bereits bei TAG Heuer, der Swatch Group und bei Hublot. Einen Abstecher zu Bang & Olufsen hat er ebenfalls hinter sich.

Roten will die Marke Favre-Leuba, die seit den 1960er-Jahren für hoch-technische Zeitmesser für Taucher und Bergsteiger steht, lifestyliger machen. «Heute sind wir zu 80 Prozent im Extremsport daheim, zu 20 Prozent eher in einem Lifestyle-Bereich. In Zukunft sehe ich das genau umgekehrt», so Roten zu «Watch Around».

Hohe Verluste

Modelle wie der «Sky Chief Chronograph» (Bild oben) sollen an die reiche Tradition der Marke anknüpfen und gleichzeitig Zugang zu einem neuen Publikum schaffen, dass mit technischen Uhren wenig anfangen kann. Dieser Markt allerdings wird bereits von diversen Brands beackert, die über grössere Namen und vor allem grössere Budgets verfügen als die Solothurner. Doch Roten wähnt sich auf dem richtigen Weg: «Das wird kein Himmelfahrtskommando, sondern ein grosses Abenteuer.»

Ohnehin ist klar, dass sich bei Favre-Leuba viel ändern muss. Gemäss der «Solothurner Zeitung» (Link für Abonnenten) hat das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr Uhren im Wert von 870'000 Franken verkauft. Die Werbeausgaben aber lagen bei 4,5 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte ein Verlust von rund 7 Millionen Franken.

Will heissen: Vielleicht ist Favre-Leuba «too young to die». Aber zukunftsfest ist die Marke sicher nicht.

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