Nach dem Börsencrash zu Beginn dieses Jahrhunderts haben sich die Führungskräfte in erster Linie auf die Restrukturierung der Unternehmen konzentriert. Gefragt waren Krisenmanager, die sich speziell auf das Accounting fokussierten. Mittlerweile sind die grossen Bereinigungen in der Kostenstruktur zu einem guten Teil abgeschlossen. Gefragt ist jetzt wieder das Wachstum. Börsenkotierte Gesellschaften, die in der Gunst der Anleger verbleiben wollen, haben sich vermehrt auf ein stetiges Gewinnwachstum auszurichten. Nur damit ist eine überdurchschnittliche Aktienrendite zu erreichen.

Wird Wachstum primär über eine Umsatzsteigerung definiert, ist damit noch lange nicht die nachhaltige Schaffung von Werten garantiert. Kauft ein Unternehmen beispielsweise Umsatz via Akquisitionen zu, kann dies im schlechten Fall auch zu einer Wertevernichtung führen. Der jüngste Value Creators Report des internationalen Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) stuft das Wachstum als kritische Grösse ein, wobei der Zuwachs bei den Verkäufen gleichzeitig von höheren Margen, positiven Veränderungen beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und einer ansprechenden Ausschüttung von Free Cashflow an die Investoren begleitet sein muss. Nur wenn all diese Schlüsselfaktoren für den Total Shareholder Return (TSR) klar verbessert sind, bringt dies ein Unternehmen innerhalb eines Sektors an die Spitze. Der Report umfasst 1056 börsenkotierte Gesellschaften aus 14 gewichtigen Industrieländern, darunter auch der Schweiz (siehe Kasten), die für die Zeitperiode 2001 bis 2005 untersucht wurden.

Wachstumstreiber

Je nach Branche, Alter und Grösse eines Unternehmens variieren die Wachstumstreiber. Bei einer über Jahrzehnte hinweg gut verankerten Detailhandelsfirma entscheidet der Verkaufszuwachs in den bestehenden Läden. Demgegenüber wächst eine neu gestartete Restaurantkette vor allem dank Betriebseröffnungen an zusätzlichen Standorten. Für ein Pharmaunternehmen sind die patentgeschützten Medikamente ebenso ausschlaggebend wie die Höhe der Forschungsausgaben, gemessen am Umsatz.
Damit ein Unternehmen auf dem Wachstumspfad bleibt, müssen die künftigen Expansionschancen durch das Management sorgfältig abgewogen werden. Die besten Chancen verspricht die Ausdehnung im Kerngeschäft.
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Schweizer Aktien: Die Spitzenreiter aus dem Industriebereich

Wachstumstreiber
Von den untersuchten Schweizer Unternehmen schnitten Kühne & Nagel, Geberit und Givaudan im Zeitraum 2001 bis 2005 beim BCG Value Creators Report am besten ab. Der Transport- und Logistikspezialist Kühne & Nagel erreichte mit einem jährlichen Total Shareholder Return (TSR) von 33% den höchsten Wert. Zum guten Ergebnis trug der von 6,2 auf 14,7 verbesserte Ebitda-Multiple ebenso bei wie der überdurchschnittliche Verkaufszuwachs von 11,9% pro Jahr. Der Haustechnik-Konzern Geberit erreichte seine Spitzenpositionierung über hohe Verkaufszahlen (+9%) und einen leichten Ebitda-Multiple-Anstieg, während der Duftstoffproduzent Givaudan mit einer Verbesserung des Ebitda-Multiple glänzte, gleichzeitig aber das Umsatzwachstum unter dem Branchendurchschnitt blieb.

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Blue Chips
Insgesamt entwickelte sich der Schweizer Aktienmarkt in dieser Periode ähnlich wie der Weltindex. Die Blue Chips aus dem SMI-Index schnitten im Vergleich mit ähnlich gelagerten Leitgrössen, wie etwa dem Dax oder DJ Euro Stoxx, besser ab.