Herr Roemer, wie dramatisch ist die Lage?
Die Hütte brennt lichterloh! Wir haben schon einiges erlebt an Notfällen: SARS war nicht einfach, der Tsunami 2004 war eine Herausforderung, wir hatten die Airport-Schliessung in Bangkok 2008. Aber das, was jetzt passiert, schlägt alles. Es betrifft ja nicht nur einzelne Reisefirmen, Fluggesellschaften oder Länder, es betrifft alle und die ganze Welt.

Das heisst konkret in Zahlen bei Ihnen?
Bis Ende April sind 100 Prozent aller Reisen annulliert, die Auftragsbücher sind leer für mindestens sechs Wochen.

Was bedeutet das für Ihre Firmen Tourasia und Diethelm Travel?
Tourasia ist liquide, die nächsten Monate habe ich kein Problem. Diethelm Travel hat mit der Diethelm Keller Holding einen soliden, sehr sozialen Mitaktionär. Aber auch die können nicht monatelang für nichts bezahlen. Deswegen steige ich heute Abend in den letzten Flieger nach Bangkok, bevor Thailand die Grenze dichtmacht.

Was wollen Sie denn da?
Wir haben in Asien 700 Mitarbeiter, dort gibt es keine Kurzarbeit oder Sozialpläne. Ich muss mit den Leuten besprechen, was wir jetzt machen. Viele Hotels haben einfach bis Sommer geschlossen und die Angestellten ohne Bezahlung nach Hause geschickt.

Was bedeutet das für die Kunden?
Sie müssen ein anderes Hotel finden. Denn Evakuierungsflüge gibt es noch nicht aus Asien. Die regulären Airlines nehmen ihre Transportverpflichtungen nicht mehr wahr, auch nicht über Dritt-Airports. Sie lassen die Kunden einfach stehen. Auch die Tickets können sie nicht zurückzahlen.

Stephan Roemer Tourasia Chef

Stephan Roemer (57) ist Gründer und Chef von Tourasia, dem grössten Schweizer Touroperator für Asien mit 33 Angestellten, sowie Miteigentümer und Chef von Diethelm Travel mit über 700 Mitarbeitern.

Quelle: ZVG