Die im Jahr 1975 gegründete Industrial Vehicles Corporation (Iveco) war damals eine der aller ersten multinationalen Gesellschaften Europas. Iveco entstand aus der Zusammenlegung der Firmen Fiat Veicoli Industriali, OM, Lancia Veicoli Speciali sowie den Nutzfahrzeugherstellern Unic in Frankreich und Magirus Deutz in Deutschland. 1986 kam der Nutzfahrzeughersteller Astra dazu, und im gleichen Jahr wurde der Zusammenschluss von Iveco und Ford Trucks in Grossbritannien besiegelt. 1991 erfolgte die Übernahme des britischen Herstellers Seddon Atkinson sowie des spanischen Herstellers Pegaso. Ab 1999 arbeiteten die beiden Nutzfahrzeughersteller Iveco und Renault Trucks in der gemeinsamen Busproduktion Irisbus zusammen. 2001 allerdings übernahm dann Iveco die volle industrielle Verantwortung für das Busgeschäft.

Der multinationale Konzern hatte in den ersten zehn Jahren immer wie-der mit Problemen zu kämpfen. Insbesondere in Deutschland hatte Iveco jahrelang grosse Mühe, von der Kundschaft akzeptiert zu werden. Mitte der 80er Jahre musste die Produktion modernisiert werden, was mit einem Arbeitsplatzabbau bei Iveco-Magirus und finanziellen Verlusten verbunden war.

Vibea SA als erster Vertreter

In der Schweiz wurden die Erzeugnisse der Iveco anfänglich von der Importgesellschaft Vibea SA in Grancia und ab dem Jahr 1980 vom einheimischen Hersteller Adolph Saurer in Arbon vertrieben. Zusätzlich wurde damals zwischen den beiden Herstellern eine engere technische Zusammenarbeit vereinbart. Nach gerade einmal zwei Jahren kam man überein, diese Zusammenarbeit wieder aufzulösen, denn mittlerweile hatte Saurer mit dem deutschen Nutzfahrzeughersteller Daimler-Benz eine enge Zusammenarbeit vereinbart.

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Gründung im Jahr 1982

Iveco musste also für den Schweizer Markt eine neue Lösung finden. In Turin entschloss man sich im Juli 1982, die Iveco (Schweiz) AG mit Sitz in Kloten zu gründen. Kurz darauf wurde der Importeur von Magirus-Lastwagen, die Hämmerli AG in Lenzburg, übernommen. Der Start der neuen Gesellschaft erfolgte im Januar 1983. In den 25 Jahren des Bestehens hat sich die Iveco im Schweizer Nutzfahrzeugmarkt stetig nach vorne gekämpft. Insbesondere in der leichten Klasse konnten die Italiener mit den Modellen Grinta und später dem Daily die Marktführerposition erkämpfen. Schrittweise wurde auch das Angebot an mittelschweren und schweren Fahrzeugen mit den Modellen Eurocargo und später Stralis ausgebaut. Mit der 1983 gegründeten Dereco Company (Diesel Engine Research and Engineering Co.) in Arbon, einem ehemaligen Betrieb von Adolph Saurer, erhielt der Iveco-Konzern ein leistungsfähiges Kompetenzzentrum für die Entwicklung moderner Antriebsaggregate, welches heute eine Leaderfunktion in der Motorenentwicklung im Konzern einnimmt. In Arbon werden heute alle alternativen Antriebssysteme beziehungsweise Motoren ab 2,3 l Hubraum entwickelt. Dank der heutigen Iveco Motorenforschung AG war Iveco einer der ersten Hersteller, welche Nutzfahrzeuge mit Gasmotoren (CNG) anbieten konnte. Dasselbe trifft für die modernen Euro-5-Fahrzeuge zu.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2007 erzielte Iveco (Schweiz) mit insgesamt 151 Mitarbeitenden einen Umsatz von 203 Mio Fr. (+13%) und ein Betriebsergebnis von 2,3 Mio Fr. Insgesamt wurden letztes Jahr 1857 leichte Lieferwagen und Transporter sowie 487 mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge der Marke Iveco in der Schweiz neu in Verkehr gesetzt.

 

 

NACHGEFRAGT franz hÄfliger und Gianalberto Lupi, Geschäftsführer Iveco (Schweiz) AG, Kloten


«Schweizer Kunden kaufen derzeit die modernsten Fahrzeuge»

2007 war ein gutes Jahr für die Schweizer Nutzfahrzeugimporteure. Zudem konnte Iveco als einziger Anbieter in der schweren Klasse positive Zuwachsraten erzielen. Von welchem Absatzniveau gehen Sie im laufenden Jahr aus?

Franz Häfliger: Das Jahr 2007 war für uns und die Branche ein sehr gutes Jahr. Wir gehen davon aus, dass auch das laufende Jahr ein gutes Jahr werden wird. Allerdings muss etwas längerfristig betrachtet mit einem leichten Rückgang der Nachfrage gerechnet werden. Wir gehen von einem Absatzniveau von rund 8000 Fahrzeugen in der leichten Klasse, von 600 bis 650 in der mittelschweren Klasse und von rund 3600 Einheiten bei den schweren Fahrzeugen aus.

Welchen Einfluss hat die Diskussion um Euro 4 und Euro 5 auf die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen in der Schweiz aus Ihrer Sicht?

Häfliger: Grundsätzlich kaufen die Schweizer Kunden, wenn immer möglich, die modernsten Fahrzeuge, derzeit also in erster Linie Euro-5-Modelle. Und hier war Iveco ja der erste Hersteller, der diese Fahrzeuge anbieten konnte. Es darf aber nicht vergessen werden, dass noch immer rund 22000 Nutzfahrzeuge der Kategorie Euro 0, Euro 1 und Euro 2 in der Schweiz betrieben werden, hier besteht also noch ein erheblicher Ersatzbedarf. Es ist möglich, dass sich die Nachfrage nach Euro-5-Fahrzeugen im 2. Halbjahr 2008 im Hinblick auf den erneuten Aufschlag der LSVA Anfang 2009 intensivieren wird.

Bestehen für Euro-5-Modelle von Iveco derzeit längere Lieferfristen?

Häfliger: Dank den Vereinbarungen mit unserem Mutterhaus in Turin sind wir derzeit in der glücklichen Lage, Euro-5-Fahrzeuge innerhalb von drei Monaten liefern zu können.

Im Gegensatz zur Transporterklasse, in der Iveco mit dem Daily klarer Marktleader ist, ist Iveco in der schweren Klasse ab 10 t Gesamtgewicht im Vergleich zur Konkurrenz eher untervertreten. Was ist der Grund dafür?

Gianalberto Lupi: Der Iveco- Konzern entstand im Jahre 1975 aus dem Zusammenschluss von fünf Nutzfahrzeugherstellern aus drei Nationen. Daraus musste zuerst einmal ein gemeinsames Unternehmen geschaffen werden. Am Anfang umfasste das Modellprogramm den Transporter Grinta sowie etwas später dessen Nachfolger Daily. Das Programm an mittelschweren und schweren Fahrzeugen, bestehend aus den Modellen der Hersteller OM, Unic und Magirus Deutz, musste vereinheitlicht werden, was zur Entwicklung einer völlig neuen Baureihe schwerer Fahrzeuge unter dem Markennamen Iveco führte. Gleichzeitig mussten wir den neuen Markennamen Iveco im Markt bekannt machen, insgesamt also ein Vorhaben, das einen erheblichen Aufwand bedeutete und Zeit benötigte. In den vergangenen Jahren allerdings konnten wir unsere Präsenz auf den wichtigsten Nutzfahrzeugmärkten deutlich verbessern.

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Wie gross ist das derzeitige Händlernetz von Iveco (Schweiz) hierzulande?

Häfliger: 1983 startete Iveco Schweiz mit dem Verkauf der Fahrzeuge. Seither wurde das Händlernetz stetig ausgebaut und umfasst heute vier private Haupthändler sowie fünf eigene Verkaufsbetriebe. Total umfasst unser Netz 71 Verkaufs- und Servicestellen.

Iveco verkauft also sowohl über Händler wie über eigene Niederlassungen ...

Häfliger: ...ein Mix, den wir als sehr erfolgreich betrachten. Wir sind in allen Regionen der Schweiz mit Stützpunkten vertreten, die der Kunde innert kurzer Zeit erreichen kann. Zudem können sich unsere selbstständigen Händler vor Ort direkt um die Wünsche des Kunden kümmern.

Wie stellt sich Iveco (Schweiz) zum Preisdruck im Schweizer Nutzfahrzeugmarkt?

Häfliger: Wir verfolgen eigentlich zwei verschiedene Vertriebsstrategien. Unsere Grosskunden, die national tätig sind, betreuen wir durch unseren eigenen Key Account-Verkauf, ein Vorgehen, das mit unseren Händlern abgesprochen ist. Die regionalen Kunden werden vorwiegend durch unsere selbstständigen Händler und Filialen betreut. Sollte es zu Preisdiskussionen kommen, werden wir als Importeur zusammen mit unserem Händler eine einvernehmliche Lösung suchen. Allerdings ist der Preis eines Nutzfahrzeuges heute nicht mehr unbedingt das wichtigste Kriterium. Ebenso entscheidend sind die Dienstleistungen.

Stichwort Dienstleistungen rund um das Nutzfahrzeug. Was bietet Iveco in diesem Bereich den Schweizer Kunden an?

Lupi: Stärker im Vordergrund stehen die laufenden Betriebskosten. Hier können wir dem Kunden interessante Service- und Wartungsverträge anbieten. Damit kann er seine Kosten besser im Griff halten.

Die Aspekte der Sicherheit spielen beim Nutzfahrzeug eine immer wichtigere Rolle. Wie gross ist die Bereitschaft der Kunden, in diese Systeme zu investieren?

Häfliger: Wenn diese Sicherheitsfeatures gegen Aufpreis erhältlich sind, ist der Kunde nach wie vor zurückhaltend. Vor allem Grossflottenbetreiber sind der Ansicht, dass sich diese Zusatzinvestitionen für alle ihre Fahrzeuge nicht lohnen. In den kommenden Jahren ist jedoch davon auszugehen, dass einige dieser Systeme serienmässig in das Nutzfahrzeug eingebaut werden.

Der Umweltschutz steht derzeit bei allen Nutzfahrzeugherstellern stark im Vordergrund. Welche Anstrengungen unternimmt Iveco in diesem Bereich?

Lupi: Iveco war einer der aller ersten Hersteller, der leichte und schwere Nutzfahrzeuge mit Gasmotoren (CNG) anbieten konnte. Das Gleiche trifft für Euro-5-Fahrzeuge zu. Dank der intensiven Mitarbeit unserer Forschungsgesellschaft in Arbon ? der Iveco Motorenforschung AG ? entwickelte der Konzern jeweils frühzeitig entsprechend alternative Antriebskonzepte.

Welche Bedeutung kommt diesem Unternehmen derzeit zu?

Häfliger: Innerhalb des Fiat- Konzerns kommt der Forschungsgesellschaft in Arbon die Leaderfunktion zu. Hier werden alle alternativen Antriebssysteme beziehungsweise Motoren ab 2,3 l Hubraum entwickelt.

Welche neuen Modelle kann die Kundschaft dieses Jahr von Iveco erwarten?

Lupi: In diesem Jahr erfolgt die breite Neueinführung des Transporters Daily 4x4 sowie des Geländewagens Massif. Als weiteres Schwergewicht werden wir in Kürze den neuen Eurocargo in der Schweiz präsentieren.