Bill Gates, Warren Buffett, Stephan Schmidheiny und Henri B. Meier: Was haben sie gemeinsam? Sie spenden, was das Zeug hält. Und was unterscheidet sie? In der Schweiz gilt ein dem «Basler Daig» zugeschriebenes Bonmot: «Mer git, aber mer sait nyt.» Und noch etwas ist anders: Die superreichen Amerikaner können gewiss sein, dass letztlich niemand kontrolliert, ob das von Gates und Buffett angeregte «Giving Pledge» - es soll dazu verpflichten, unter Gruppendruck die Hälfte des Vermögens zu verschenken - je erfüllt wird.

«Keine News generieren»

In der Schweiz läuft das anders. Keiner der Befragten dächte auch nur im Traum daran, Mittel lockerzumachen, nur weil jemand dazu aufruft. Und noch weniger kommt einem in den Sinn, eine Medienshow daraus zu machen. Hans Huber, neben den Schmidheinys wohl bekanntester Ostschweizer Spender, lächelt nur, wenn er auf solch marktschreierische Aufrufe angesprochen wird. Er hat mit der SFS-Gruppe aus einem Kleinbetrieb einen Milliarden-Konzern gemacht und engagiert sich - unter anderem - mit Millionen für das Lehrlingswesen. «Mir liegt an der Erhaltung des dualen Ausbildungssystems, und ich möchte noch erleben, dass die Investitionen auch Früchte tragen.»

Ebenfalls nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben will der frühere Swisscom-Präsident Markus Rauh sein Versprechen, Jugendlichen, die vom Weg abgekommen sind, zu helfen. Dafür setzt er 3 Mio Fr. ein. Auch der Financier Giorgio Behr hat ein Herz für die Jugend: Er stiftete 10 Mio Fr. für ein Internat, wo Junge zu Handballern herangebildet werden und gleichzeitig den Schulunterricht besuchen können. Er hat noch keine Sekunde daran gedacht, damit Goodwill zu schaffen. «Ich gebe es für die Sache und nicht für das Generieren von News», findet er.

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In den USA publiziert das Magazin «Business Week» eine Liste der grossen Spender. Bill Gates, Warren Buffett und George Soros belegen regelmässig Spitzenplätze. In der Schweiz ist ein solches Zur-Schau-Stellen von Gutmenschentum undenkbar. Aber falls es eine solche Hitparade gäbe, würde der Industrielle Stephan Schmidheiny bestimmt weit oben stehen. Er hat etwa die gemeinnützige Stiftung Viva ins Leben gerufen, die mit 1,5 Mrd Fr. dotiert wurde. Sie setzt sich für eine «nachhaltige Entwicklung in Lateinamerika» ein. Das können Kinder- oder andere Hilfswerke, aber auch Personen sein, die aus eigener Kraft etwas zur Verbesserung der Lebensumstände beitragen und eine Anschubfinanzierung brauchen. Das Erstaunlichste: «Mitdenken darf ich weiterhin, aber mitreden nicht», lässt sich Schmidheiny zitieren. Er könne nur noch auf die Zusammensetzung des Stiftungsrates einen gewissen Einfluss ausüben. Ein Spender also, der sich selber überflüssig macht.

Auf dieser helvetischen Liste nicht fehlen würden auch Henri B. Meier, Branco Weiss und Hansjörg Wyss. Sie alle spenden immer wieder und wollen auch nicht erst nach ihrem Ableben auf ein vages Versprechen hin ihre Schatullen öffnen. Vollmundige Ankündigungen für ihr Tun sucht man vergebens, auch bei Synthes-Mehrheitsaktionär Wyss, der vor allem in den USA als Spender auftritt.Wenn der ehemalige Roche-Finanzchef und Gründer von HBM Bioventures Henri B. Meier Mittel lockermacht, sind die Adressaten hingegen schweizerische Institutionen. So hat seine HBM-Foundation - unter anderem - einen Lehrstuhl an der Uni Basel geschaffen, der sich mit den finanziellen Aspekten der Unternehmensführung befasst. Kostenpunkt: Rund 10 Mio Fr. Und an der HSG gibt es dank Meier eine Schule, die eine grosse Lücke füllt: Hier können sich auch gestandene Unternehmer weiterbilden. Dafür gab es vorher noch kein Angebot. Gemäss dem leitenden Direktor, Thomas Gutzwiller, haben sich bereits 200 Absolventen eingeschrieben, und die Zahl steige immer noch an.

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«Ich möchte in Humankapital investieren», sagt Meier. Er hat bei seinem 65. Geburtstag beschlossen, sich nur noch philantropisch zu engagieren. In seiner bekannt trockenen Art erklärt er: «Ziel ist es, dass meine Mittel aufgebraucht sind, wenn ich sterbe.»

Ausseneffekt kein Thema

Praktisch die genau gleichen Worte verwendet der Unternehmer Branco Weiss. Er, der unlängst allein 23 Mio Fr. für einen Lehrstuhl an der ETH Zürich und vermutlich ebenso viel für einen Lehrstuhl an der EPF Lausanne und ein Mehrfaches im Lauf seines Lebens gespendet hat, sagt: «Ich habe mir doch nie überlegt, welchen medialen Ausseneffekt das haben wird. Mir geht es um die Ausbildung von Nachwuchs, insbesondere darum, Trends zu erkennen.»

So hat Weiss den Mangel an Ingenieuren generell oder jenen an Ingenieuren mit betriebswirtschaftlichem Know-how im Speziellen schon lange vorausgesehen. Daher gründete er auch einen Lehrstuhl für Entrepreneurship. «Wichtig ist mir immer gewesen, dass solche Vergabungen auch professionell gehandhabt werden. Sonst gibt es ein Chaos.»

Ebenfalls im Verborgenen wirkt Pierre Landolt, der die Sandoz-Familienstiftung präsidiert. Er bewirtschaftet in der brasilianischen Halbwüste von Sertão ein Gut von 30 km2 nach biologisch-dynamischen Grundsätzen ohne Einsatz von Chemie. Gleichzeitig sitzt er im Syngenta-Verwaltungsrat. Wird er darauf angesprochen, sagt er nur: «Ich bin entzückt, schizophren zu sein.» Er versteht sich als Brückenbauer zwischen konventionellen, biologischen und gentechnischen Anbaumethoden und könnte damit einen dritten Weg aufzeigen.

Trotz der Unterschiede zwischen Spendern in den USA und der Schweiz fällt eine Gemeinsamkeit auf: Alle werden im Lauf ihrer Karriere gewahr, dass der Grenznutzen des Geldes mit dem Alter exponentiell abnimmt.